Immer wieder bedeckte im Mai Neuschnee das Wettersteingebirge. Dieses Foto hat Rudi Hochenauer am 20. Mai vom Hohen Peißenberg aus gemacht.
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Immer wieder bedeckte im Mai Neuschnee das Wettersteingebirge. Dieses Foto hat Rudi Hochenauer am 20. Mai vom Hohen Peißenberg aus gemacht.

Wetterrückblick

Mai manchmal so kalt wie der Februar

Die Hoffnungen waren groß, dass nach dem schon zu kalten April der Mai seinem Namen als „Wonnemonat“ alle Ehre macht. Der letzte Frühlingsmonat legte aber einen ausgesprochenen „Kaltstart“ hin und begann unbeständig, kühl und wechselhaft.

Hohenpeißenberg – Bis zum 7. Mai fielen täglich Niederschläge. Die Rückseiten der Tiefdruckgebiete verursachten auch im Mai noch Aprilwetter. So kam es mit stürmischen Winden verbreitet zu Regen-, Schnee- und Graupelschauern. Am 7. Mai konnte sich zur Mittagszeit sogar nochmals eine Schnee- und Graupeldecke auf dem Hohen Peißenberg ausbilden. Bei wenig Sonne lagen die Maxima meist unter 10 Grad (immer Celsius).

Vom 8. bis 11. Mai stellte sich eine vorübergehende und kurzfristige Wetterumstellung ein. Ein umfangreiches Tief über Großbritannien führte auf seiner Vorderseite mit einer Südströmung warme Luft aus Nordafrika nach Mitteleuropa. Damit verbunden waren vom 8. bis 10. Mai drei sehr sonnige und trockene Tage. Die Temperaturen machten einen enormen Sprung nach oben. Wurden am 7. Mai als Höchsttemperatur 6,6 Grad gemessen, so waren es am 10. Mai 27,7 Grad.

Es war der erste Sommertag (Maxima über 25 Grad) dieses Jahres und gleichzeitig sogar noch ein Tagesrekord, denn aus unserer Wetterstatistik geht hervor, dass es seit dem Jahr 1781 noch keinen so warmen 10. Mai gab. Die heiße nordafrikanische Luft führte deutschlandweit zu einigen Hitzetagen (Maxima über 30 Grad).

Am 11. Mai – zu Beginn der zweiten Dekade – überquerte eine Kaltfront die Region. So wurde es wieder nur 7 Grad warm. In der gesamten zweiten Dekade fielen täglich Niederschläge – auf dem Hohen Peißenberg erneut auch wieder als Schnee und Graupel. Dazu wehte der Wind meistens sehr stürmisch mit Windspitzen der Windstärken 6 bis 9 der Beaufort-Skala. Die Tageshöchsttemperaturen bewegten sich in diesem Zeitraum nur zwischen 7 und 15 Grad.

Während der dritten Dekade führte ein Hoch über Russland zum Stau der vom Atlantik kommenden Tiefdruckgebiete über Mitteleuropa. Daher war auch das Pfingstwetter kühl und windig, zeitweise regnete es. Selbst südlich der Alpen, bis zur Oberen Adria, war das Wetter nicht besser.

Ab dem 28. Mai kam die Luft dann aus östlicher Richtung. Das führte in Süddeutschland jedoch noch nicht zu einer Erwärmung, dafür blieb es trocken. Am 31. Mai schien die Sonne mit 15,2 Stunden bisher am längsten. Während dieser Dekade lagen die Maxima auf dem Hohen Peißenberg auch nur zwischen 11 und 15 Grad Celsius. Insgesamt fiel der Mai auf dem Hohen Peißenberg mit einer Mitteltemperatur von 8,2 Grad um 1,4 Grad zu kalt aus. Deutschlandweit war dieser Mai der kälteste seit dem Jahr 2010. Die niedrigste Temperatur im Mai betrug auf dem Hohen Peißenberg am 2. Mai 0 Grad Celsius.

Dass April und Mai zu kalt ausfielen, war zuletzt im Jahr 1991 der Fall. Die Mitteltemperatur der dritten Februardekade von 9 Grad wurde erst wieder in der dritten Maidekade erreicht – alle dazwischen liegenden Dekaden waren kälter.

Im Mai fielen 131 Liter pro Quadratmeter Niederschlag – das entsprach exakt dem langjährigen Durchschnitt. An sechs Tagen fiel Schnee. Messbarer Niederschlag fiel an 21 Tagen. Im Mai schien die Sonne 182 Stunden – nur sechs Stunden weniger, als es das langjährige Mittel anzeigt.

Der diesjährige Mai war besonders windig. An 23 Tagen wehte der Wind in Böen stark, das heißt mehr als 12 m/s (43 km/h) und an sieben Tagen stürmisch, das heißt über 18 m/s (65 km/h). Die höchste Windspitze betrug am 25. Mai 25 m/s (90 km/h).

Siegmar Lorenz

Dipl.-.Ing.(FA), Wetterbeobachter im Observatorium auf dem Hohen Peißenberg

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