Hochbetrieb herrschte heuer in den Obstpressen.

Obstpressen 

Apfelrekord: Mosten bis zum Umfallen

Beim Obstpressen im Schongauer Land sind dieses Jahr alle Rekorde gebrochen worden. Das ist auf die reichhaltige Apfelernte zurückzuführen – und die vielen freiwilligen Helfer in den Gartenbauvereinen, die mit enormem Einsatz wochenlang ihren Job beim Mosten verrichteten – bis zum Umfallen.

Weilheim-Schongau – „So ein gutes Ergebnis hatten wir noch nie“, sagt Richard Socher, seit zehn Jahren für die Obstpresse in Peiting zuständig. Ein Blick in sein Betriebsbuch verrät: 126 000 Liter Apfelsaft sind in Peiting von Anfang August bis Ende Oktober gepresst worden. Im Vergleich dazu: Letztes Jahr waren es gerade mal 28 000 Liter – also 100 000 Liter weniger.

Von überall her sind Äpfel nach Peiting angeliefert worden. „Sogar in Reutte in Tirol haben wir Stammkunden“, berichtet Richard Socher. Gut 20 Zentner Äpfel hat heuer allein die Gärtnerei der Herzogsägmühle angeliefert. Auch die einzelnen Kindergärten sind mit einem Bollerwagen voll Äpfel an der Obstpresse vorbeigekommen und haben aufmerksam zugeschaut, wie aus den Äpfeln Most gemacht wird. Manche Leute haben das Obst auch einfach vor der Tür abgestellt. „Allein davon sind 2400 Liter gepresst worden, die dann kostenlos an die Kindergärten und an die Tafel in Schongau weitergeben worden sind“, teilte Socher mit.

Der Gartenbauverein Altenstadt-Schwabniederhofen ernste gemeinsam mit dem Kindergarten Altenstadt Äpfel von zwei Bäumen in der Nähe des Kindergartens. Dazu kam dann noch eine Zugabe von Äpfel und Birnen aus der gemeindlichen Streuobstwiese in Schwabniederhofen. Gepresst wurde in Bernbeuren. Dort konnten 80 Liter Saft gewonnen und an den Akltenstadter Kindergarten übergeben werden.

Weil der Andrang in Peiting heuer so groß war, ist an fünf Tagen in der Woche gepresst worden, manchmal bis zu zwölf Stunden lang. „Eine Knochenarbeit“, räumt der Peitinger Presswart ein.

Die meisten Kunden haben ihren Apfelsaft erhitzen lassen, manche nahmen ihn auch roh mit, um daraus Essig zu machen. Den geben sie den kranken Kühen. „Das ist ein gutes Hausmittel“, hat sich Socher sagen lassen.

Ein Rekordergebnis beim Obstpressen kann auch Isolde Jahl vom Obst- und Gartenbauverein in Reichling vermelden. „Wir haben heuer drei Wochen früher angefangen als sonst“, sagt die Vorsitzende. Beim Mosten waren insgesamt 35 Helfer zur Stelle, die in drei Schichten gearbeitetet haben. Wieviel Liter Apfelsaft gewonnen wurden, das behält Isolde Jahl (noch) für sich, denn genau das ist die Preisfrage beim Helferessen am 23. November im Gasthof Mitschke in Reichling. Dort gibt es kleine Preise für diejenigen Helfer, die der Literzahl am nächsten kommen.

Von einem „Spitzenjahr“ spricht auch Sabine Birk von der Obstpresse in Bernbeuren, die von Mitte August bis Ende Oktober in Betrieb war. „Wir haben auch Trauben zu Saft gepresst“, berichtet Birk. Die Literzahlen wollte sie jedoch nicht verraten.

Soviel Most wie noch nie ist heuer auch aus der Obstpresse in Rott geflossen. Martina Mayerhöfer, die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins in Rott, nennt Zahlen. 71 000 Liter Apfelsaft waren es heuer. Da wurden die 16 000 Liter vom vergangenen Jahr bei weitem übertroffen. Bisher lag das Rekordergebnis in Rott bei 50 400 Liter. Ein Loblied stimmt Mayerhöfer auf das junge Press-Team in Rott an, das vor allem an den Wochenenden fleißig mitgeholfen hat. Dies gilt für die Rentner, die meistens freitags zur Stelle waren. „Bei dem großen Andrang am Wochenende waren wir abends manchmal erst um 21.30 Uhr mit dem Putzen fertig“, berichtet Mayerhöfer, die aber auch kritische Worte findet. Vor allem für diejenigen Obstanlieferer, die sich nicht die Mühe gemacht haben, die Menge vorher abzuwiegen. „Statt wie angekündigt vier Zentner wurden 16 Zentner angeliefert. Dadurch haben sich für die Nachfolgenden Wartezeiten von bis zu zwei Stunden ergeben“, so die Vorsitzende des Rotter Obst- und Gartenbauvereins.

Auch in Hohenpeißenberg war die Obstpresse gefragt wie nie. „Unsere Presse ist etwas kleiner“, erklärt Georg Vogl, erster Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Hohenpeißenberg, „aber wir haben in diesem Jahr 66 Tonnen Äpfel verarbeitet. Das sind drei Mal so viele wie normalerweise.“ Damit seien die Kapazitäten der Maschine, die aus dem Jahr 1954 stammt, erreicht gewesen. Einige Anrufer, die vorbeikommen wollten, musste Vogl deshalb abweisen. „Es haben Leute aus Rosenheim und München angerufen.“

„Wir haben dieses Jahr an 31 Tagen gepresst, waren durchschnittlich zehn Stunden pro Presstag am Arbeiten inklusive eineinhalb bis zwei Stunden Endreinigung pro Presstag“, vermeldet Roberta Leimbach von der Obstpresse in Steingaden. Das Ergebnis der Arbeit: 148 000 Liter Apfelsaft. „Das ist Rekord für unsere Obstpresse“, verrät Leimbach.

„Was uns das Leben schwer gemacht hat, das war, dass Kunden von überall her angerufen haben. An einem Montag haben wir telefonisch 150 Anfragen gehabt. Wahnsinn! Aber mit unserem guten Team haben wir auch diese Presssaison überstanden – trotz so mancher Auseinandersetzung mit Kunden“, atmet Roberta Leimbach auf.

VON MICHAEL GRETSCHMANN

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lagerfeuer trotz Dürre: Feuerwehr rückt in Weilheimer Hardt aus
Ein nicht ordnungsgemäß gelöschtes Lagerfeuer im Weilheimer Hardt rief die Feuerwehr auf den Plan. Die Einsatzkräfte rückten mit drei Fahrzeugen aus. 
Lagerfeuer trotz Dürre: Feuerwehr rückt in Weilheimer Hardt aus
Radwegbau rückt wieder näher
Bürgermeister Martin Höck brachte zur Jörgisgmoa, zur der 120 Bürger in den Gasthof „Post“ gekommen waren, gute Nachricht mit: Der Radweg nach Dießen könnte endlich …
Radwegbau rückt wieder näher
Treibholzsperren doch erst nächstes Jahr
Schlechte Nachricht für die Anlieger der Bachstraße: Den vom Wasserwirtschaftsamt „zeitnah“ zugesagten Bau von Treibholzsperren an den Zuläufen zum Wörthersbach wird es …
Treibholzsperren doch erst nächstes Jahr
In der Endrunde: Diese Pählerin will Bayerische Milchkönigin werden 
Die 25-jährige Pählerin Verena Weber will die nächste Bayerische Milchkönigin werden. Demnächst kämpft sie mit rund zehn weiteren Kandidatinnen um den Titel. 
In der Endrunde: Diese Pählerin will Bayerische Milchkönigin werden 

Kommentare