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Die Mitglieder des neuen Vereins „Taking Hands Namibia“ stellen sich vor.

Hohenpeißenberg

Neuer Verein will Kindergarten in Namibia eröffnen

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
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In Hohenpeißenberg hat sich ein neuer Verein gegründet: „Taking Hands Namibia“ plant im Slum von Omaruru eine Integrative Kinderbetreuungseinrichtung zu eröffnen. Wenn alles nach Plan läuft, soll dieser noch heuer eröffnet werden. Doch in der Pandemie ist das noch komplizierter als sonst.

Hohenpeißenberg – Angefangen hat alles mit einer Reise: Monika Bitzl ist begeistert von Afrika. Sie reist – wenn es nicht wie im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie verboten ist – regelmäßig in den Kontinent, der als der ärmste auf dem Erdball gilt. Auf einer Reise durch Namibia im Jahr 2019 hat die Hohenpeißenbergerin Andrea Bertelsmann kennengelernt, die in und vor den Wellblechhütten des Slums „Hakahana“ in Omaruru als Ergotherapeutin arbeitet und behinderte Kinder behandelt.

Monika Bitzl ist Physiotherapeutin und Osteopathin und nach kurzer Zeit haben die beiden Frauen zusammengearbeitet und behinderte Kinder behandelt. Die Hohenpeißenbergerin hat mehrere Wochen in Omaruru gearbeitet „und so das Leben von Familien mit einem behinderten Kind in Namibia kennengelernt“, berichtet Bitzl auf der Homepage des neu gegründeten Vereins. „Taking Hands Namibia“.

Das Leben in Afrika ist für Buben und Mädchen mit Behinderung und deren Familien hart: „Es gilt als Makel, ein behindertes Kind zu haben“, sagt Bitzl. Die Buben und Mädchen würden weggesperrt und versteckt, die Väter verließen die Familien oft und die Mütter seien mit ihren beeinträchtigten Kindern auf sich alleine gestellt.

Deswegen hatte Andrea Bertelsmann schon geraume Zeit die Vision von einem Kindergarten für behinderte und nichtbehinderte Kinder, wo es mittags ein gesundes Essen gibt, und Nachmittags für Schüler eine Hausaufgabenbetreuung. Von dieser Vision hat sie Monika Bitzl erzählt. Und diese fing Feuer: „Mir wurde klar, dass diese Vision verwirklicht werden muss.“

Zurück in Deutschland begann die Hohenpeißenbergerin damit, Mitstreiter zu suchen und wurde schon bald in ihrem Heimatdorf fündig. Im November des vergangenen Jahres wurde der Verein „Taking Hands Namibia“ mit Monika Bitzl als Vorsitzender gegründet und hat jetzt schon etwa zwölf Mitglieder. Das erste Mitglied war Bürgermeister Thomas Dorsch, wie Monika Bitzl, Barbara Grüner und Felicitas Schelle bei der Vorstellung von „Taking Hands Namibia“ vor dem Hohenpeißenberger Rathaus berichten.

Innerhalb der vergangenen zwei Monate haben die Mitglieder schon so viele Spenden sammeln können, dass sie in Namibia loslegen könnten, wenn die Infrastruktur bereits stehen würde. „Wir haben Freunde und Bekannte angesprochen und richtig getrommelt“, erzählt Barbara Grüner.

Doch damit ist es nicht getan: Der Verein verfolgt das Ziel, am Vormittag im Kindergarten 15 behinderte und 30 nichtbehinderte Kinder zu betreuen, für die es mittags ein gemeinsames, gesundes Essen mit den 15 bis 20 Schulkindern geben soll, die am Nachmittag die Hausaufgabenbetreuung besuchen. Monika Bitzl rechnet damit, dass der laufende Betrieb rund 5000 Euro im Monat kosten wird. Deswegen bittet der Verein um Spenden, um die Kinderbetreuungseinrichtung an den Start bringen und am Laufen halten zu können. Die Mitglieder würden sich zudem über weitere Mitstreiter freuen und sind insbesondere auf der Suche nach jemandem, der die Homepage noch vollends aufbauen und betreuen könnte.

Im Moment warten die Mitglieder von „Taking Hands Namibia“ darauf, dass sie auch in Namibia eine Organisation gründen können, um dort mit ihrem Projekt starten zu können. Doch dabei hakt es noch, wie Monika Bitzl erzählt: „Wegen der Corona-Pandemie ist es noch schwerfälliger als sonst.“ Der Verein hat sogar schon ein Grundstück in Aussicht, das sich für den Betrieb des Integrativen Kindergartens und der Nachmittagsbetreuung eignen würde: Es gibt im Elendsviertel „Hakahana“ einen leer stehenden Kindergarten mit passendem Grundstück, das der Verein vielleicht zu äußerst günstigen Konditionen nutzen kann. „Wir warten auf die Genehmigung“, sagt Monika Bitzl.

Derzeit tut Unterstützung in Afrika Not, wie die Mitglieder von „Taking Hands Namibia“ erzählen. Die Corona-Pandemie habe das Elend und das Leid in den afrikanischen Ländern noch vergrößert: „Es gibt keine Arbeit mehr, die Menschen verhungern“, sagt Monika Bitzl. Gleichzeitig haben sich viele Hilfsorganisationen zurückgezogen, Im Sommer habe sie ein Hilferuf der drei in Namibia lebenden Vereinskollegen ereilt.

Weil „Taking Hands Namibia“ noch nicht in Afrika tätig werden kann, haben sich die Mitglieder an die „Stiftung Namibia“ gewendet, die ebenfalls ein Hohenpeißenberger Verein ist. Zusammen haben die beiden Vereine 20 Tonnen an Essen gekauft und verteilt. Die Menschen seien sehr dankbar gewesen für die Nahrungsmittel.

Es sei eine gute Zusammenarbeit mit dem anderen „Afrika-Hilfe Verein“ “, sagt Monika Bitzl. Die beiden Hohenpeißenberger Afrika-Vereine würden sich nicht in die Quere kommen, weil der eine verschiedene Projekte unterstütze und „Taking Hands Namibia“ eine Einrichtung betreiben will. Die Arbeitsplätze in der Kinderbetreuungseinrichtung sollen mit Menschen aus dem Elendsviertel besetzt werden, damit auch auf diese Weise geholfen werden kann.

Kontakt

„Taking Hands Namibia- Deutschland“, Telefon: 08805/921997, E-Mail: vorstand@takinghands.com,

Bankverbindung: Sparkasse Oberland: IBAN: DE 73 7035 1030 0032 6031 51

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