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Die Autorin  Regina Koch mit ihrer Nichte  Stefanie Stängl, die die Murmeltierbilder zeichnete.

Aktuelles Interview mit Autorin Regine Koch

„Beim Wandern fällt mir schon etwas ein“

Hohenpeißenberg - Regine Koch (61) hat ihr zweites Buch der Reihe „Im Tal der Murmeltiere“ veröffentlicht. Weitere Bücher sollen folgen.

Die Hohenpeißenbergerin Regine Koch (61) hat ein Faible für die Natur und Murmeltiere. Und so kam es, dass sie vor etwa einem Jahr ihr erstes Kinderbuch über das Abenteuer zweier Murmeltiere verfasst hat. Im November erschien die Fortsetzung. Die Heimatzeitung hat sich mit der Autorin über das neue Buch, das Schreiben und Kinder unterhalten.

Frau Koch, warum schreiben Sie ausgerechnet Kinderbücher?

Da ich Musiklehrerin bin, habe ich viel mit Kindern zu tun. Dadurch fühle ich eine ganz bestimmte Nähe zu Kindern und Jugendlichen.

Wollen Sie mit Ihren Büchern bei Kindern etwas Bestimmtes bezwecken?

Ja, ich will Ihnen die Natur näher bringen, weil sie heutzutage ja doch viel Computerspiele spielen, im Internet surfen und auf ihr Smartphone schauen. Dadurch haben sie nur noch wenig Kontakt zur Natur. Wobei das hier auf dem Land nicht ganz so extrem ist, in München macht sich das noch mehr bemerkbar. Mich hat sogar mal ein Kind, das schon älter war, gefragt, was ein Murmeltier ist. Vieles wusste ich aber zu Beginn selbst nicht über diese Tiere, für die Bücher habe ich mich viel mit ihnen beschäftigt und einiges über ihre Lebensart gelernt.

Ist das Leben der Figuren im Buch denn dem Leben der Murmeltiere im wahren Leben ähnlich?

Ja, absolut. Ich habe deren reales Leben in die Geschichten eingearbeitet. Ihre Gruppenkonstellation und wo sie leben beispielsweise. Ich versuche da sehr korrekt zu sein.

Was fasziniert Sie an den Tieren so sehr?

Sie können nur unter bestimmten Bedingungen leben. Also nur, wenn ihre Umgebung dauerhaft nicht wärmer ist als 20 Grad, das vertragen sie sonst nicht. Auch der Winter darf nicht zu lang sein, sonst überleben sie nicht. Sie sind alles andere als flexibel.

Woher kommt Ihre enge Verbindung zur Natur?

Seit ich 13 Jahre alt bin, ist die Natur sozusagen meine zweite Heimat. Ich gehe sehr gern und oft wandern, in Graubünden in der Schweiz zum Beispiel, oder auch im Lechtal. Und deshalb ist es auch so schön, dass ich in Hohenpeißenberg lebe.

Sie haben erwähnt, dass Sie Musiklehrerin sind, machen Sie das hauptberuflich? Wie kamen Sie zum Schreiben?

Ja, ich bin Gitarristin und Musiklehrerin und gebe privat Gitarrenunterricht. Zur Literatur bin ich gekommen, weil ich in einer theaterpädagogischen Einrichtung der Bayrischen Staatstheater in München viel mit Texten zu tun hatte und dadurch einiges darüber gelernt habe.

Was zeichnet ein gutes Kinderbuch aus?

Es muss eine Identifikationsebene geben, die Kinder müssen die Hauptfiguren mögen. Aber es braucht auch eine gewisse Ambivalenz, um interessant zu sein. Also zum Beispiel auch mal Charaktere, die fies sind. So, wie es im wirklichen Leben halt auch ist. Man muss aber auch nicht alles auserzählen, Kinder können selber denken.

Haben Sie dafür ein Beispiel, dass das konkreter veranschaulicht?

Die Murmeltiere können Farben und Pflanzen nicht benennen. Den Kindern muss ich nicht erklären, dass das so ist, ich lasse es einfach offen. Auch um ihnen Raum für ihre eigene Fantasie zu lassen.

Glauben Sie, Kinder werden oft unterschätzt?

Ja. Kinder haben eine Persönlichkeit, die schon früher eine Eigenständigkeit aufweist, als viele meinen.

Wie lange haben Sie zum Schreiben der Fortsetzung gebraucht?

Von der Umsetzung bis zur Produktion habe ich ein gutes Jahr gebraucht. Beim ersten Buch hat der Vorlauf etwas länger gedauert, da ich unter anderem erst noch einen Verlag finden musste.

Beim Schreiben welcher Szenen empfanden Sie besonders viel Freude?

Im ersten Band war es, als Monte im Gletscher verschwindet. Und im zweiten Band war es es die Geschichte mit der Coladose, in der er sich einzwickt, weil er dran leckt. Lustigerweise habe ich später mal beim Wandern in einem Kuhfladen eine Coladose gefunden. Da musste ich wirklich lachen.

Für welches Kindesalter eignen sich die Bücher?

Für Kinder ab sechs Jahren, wobei man sie Fünfjährigen auch gut vorlesen kann. Und bis zur Pubertät mögen es auch die größeren gerne

Haben Sie einen Tipp für Personen, die auch ein Kinderbuch schreiben wollen?

Man sollte die ganze Geschichte vorher schon im Kopf haben und wissen, was man inhaltlich vermitteln will. Denn es ist gar nicht so einfach, in dieser Branche Fuß zu fassen – es gibt Berge von Kinderbüchern, der Markt ist voll.

Und was machen Sie, wenn Sie mal nicht weiterkommen?

Mir Zeit lassen. Das geht, da ich ja hauptberuflich etwas anderes mache. Oder ich gehe wandern. Da fällt mir dann schon etwas ein.

Die Fragen stellte Luca von Prittwitz

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