+
Mit Postkarten wie dieser von Bad Hohensulz konnten die Touristen Urlaubsgrüße schicken. 

Reiseführer für die Gegend um den Hohen Peißenberg

Erquickende Rodelfahrten und mehr

  • schließen

In Zeiten von Smartphones und Apps sind analoge Reiseführer aus der Mode gekommen, früher waren sie hingegen unverzichtbar. Vor rund 100 Jahren gab es sogar einen Reiseführer über die Gegend um den Hohen Peißenberg.

Peißenberg – „Das kleine Büchlein, das die Gegend um den Hohen Peißenberg beschreibt, ist noch vor dem Jahre 1917 entstanden, da die Bahnlinie noch in Unterpeißenberg endete“, weiß der Hohenpeißenberger Hobby-Heimatforscher Rudi Hochenauer. Es wird unterschieden zwischen den Orten Unterpeißenberg, Ammerhöfe und Hohenpeißenberg. Ein Großteil der Beschreibung widmet sich dem Berg selbst, der in den höchsten Tönen gelobt wird: „Das Klima ist infolge des Waldbestandes und einer Höhenlage zwischen 600 und 1000 Metern ein sehr zuträgliches und besonders für einen längeren Aufenthalt sehr geeignet“, heißt es. Es finden sich in dem Büchlein auch eine große Anzahl an Wandermöglichkeiten rund um den Berg, unterschieden wird in Spaziergänge, Halbtagestouren zu Fuß, per Bahn oder Wagen.

„Es finden sich aber auch Stellen“, die falsch oder schlecht recherchiert sind“, so Hochenauer. So heißt es, „bei günstiger Fernsicht können sich bewaffnete Augen sogar an einigen Höhen des Bayerischen Waldes und selbst des Fichtelgebirges erfreuen.“ „Von einem knapp 1000 Meter hohen Berg einen anderen Berg in gleichen Höhe zu sehen, ist nicht möglich. Von einem 2000 Meter hohen Berg hat man eine Sichtweite von 160 Kilometern“, so Hochenauer.

Falsch ist auch die Aussage über Matthäus Günther, dem Freskanten der Maria-AichKirche und der Gnadenkapelle auf dem Berg. Im Reiseführer steht „Tritschenkreut (Heissenbauer) ist die Geburtsstätte des berühmtesten Kirchenmalers des 18. Jahrhunderts, Matthäus Günther, und dessen Bruders Ignaz, einer der bedeutendsten Rokokobildhauer, deren Enkel heute noch auf diesem Hofe ansässig sind.“ „Ignaz Günther war mit Matthäus Günther nicht verwandt, er wurde im Jahre 1725 in Altmannstein geboren und war somit 20 Jahre jünger als Matthäus Günther“, weiß Hochenauer.

Belegbare Fakten sind über Unterpeißenberg zu lesen: „Die Gemeinde mit 4000 Einwohnern besteht aus einem stattlichen Dorf und den Riedschaften Fendt, Roßlaich, Sulz, Stadl, Wört a. Ammer und Eich mit Wallfahrtskirche.“ Der Ort „ist Sitz eines Königlichen Bergamtes, hat eine neu erbaute Pfarrkirche und Schule“.

Für Unterkunft und Verpflegung sorgten seinerzeit eine Reihe gutgeführter Gasthöfe und ein Hotel. Das Hotel „Bad Hohensulz“ zum Beispiel wird gelobt, durch seine Eisen und Schwefelquellen war es weit bekannt. Es war ein Nobelhotel mit Bädern und Schwimmbad im Freien und besaß sogar eine eigene Brauerei. „,Bad Hohensulz’ dürfte sich in heutiger Zeit sicher als Fünfsternehotel bezeichnen werden“, sagt Hochenauer. Und auch der „Weinbauer“ bot vor 100 Jahren eine „Restauration in herrlicher, freier Südlage mit prächtiger Fernsicht ins Gebirge von der Terrasse aus“, steht im Reiseführer. Es gab „auf dem Wege der beliebten Route Peissenberg-Hohenpeissenberg Warme und kalte Speisen zu jeder Tageszeit. Reine in- u. ausländische Weine. ff. Bier, Frischen Kaffee. Gute Bedienung. Billige Preise.“

Die Region um den Hohen Peißenberg war nicht nur im Sommer attraktiv. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurde für den Winterurlaub und Wintersport geworben: „Sobald der erste Schnee dieses Gebiet in sein Winterkleid gehüllt hat, ruft unser bayer. Rigi seine alten Winterfreunde zu einem anregenden und erfrischenden Wintersport in sein Revier“, steht im Reiseführer. Alljährlich fänden sich viele Sportreibende ein und würden neue Freunde des „genußreichen Skilaufes oder erquickender Rodelfahrten“. Von Unterpeißenberg bis hinauf zum Gipfel entwickle sich dann ein reges Treiben, wobei in den Höhenlagen besonders der Skilauf gepflegt werde, während in den Anlagen des Bades Sulz und am Guggenberg. schöne Rodelbahnen zur Verfügung stünden, die gut angenommen würden.

Und das leibliche Wohl kam auch in der kalten Jahreszeit nicht zu kurz: „Auch im Winter ist überall für gute Unterkunft und Verpflegung gesorgt, so daß Peissenberg mit zu den günstigsten Standquartieren für Wintersport gezählt werden darf“, liest man im Reiseführer.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Über tausend Eisläufer zum Eismärchen-Start
Das Eismärchen in Penzberg läuft seit Freitag. Die Stadt meldet ein erfolgreiches Startwochenende - obwohl das Wetter so ziemlich alles zu bieten hatte von Sturm über …
Über tausend Eisläufer zum Eismärchen-Start
Bei Bahnübergang soll’s jetzt schnell gehen
Der Landkreis wird sich verstärkt für mehr Verkehrssicherheit am Bahnübergang Forster Straße in Peißenberg einsetzen. Was genau gemacht werden soll, wird noch geklärt.  
Bei Bahnübergang soll’s jetzt schnell gehen
Ein buntes Feuerwerk der Turnkunst
Beim Adventsturnen des TSV Weilheim erlebten die Zuschauer ein buntes Feuerwerk der Turnkunst. Rund 350 Kinder und Jugendliche begeisterten das Publikum.
Ein buntes Feuerwerk der Turnkunst
Im „Flow“ mit dem Klang-Erspürer
Er ist in Weilheim ein gern gesehener Gast, der Musiker Martin Kälberer. Mit seinem Soloprogramm „Suono“  trat  er wieder einmal im Stadttheater auf. 
Im „Flow“ mit dem Klang-Erspürer

Kommentare