Die Plakate und Schilder, die Eltern vor der Grundschule aufgestellt haben, standen dort nicht lange.
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Die Plakate und Schilder, die Eltern vor der Grundschule aufgestellt haben, standen dort nicht lange.

Vor der Grundschule Hohenpeißenberg

Schilder als Zeichen des Protests gegen die Testpflicht

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
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Mit einer Protestaktion haben Eltern vor der Grundschule Hohenpeißenberg ihren Unmut über die Testpflicht an den Schulen zum Ausdruck gebracht. Rektor Stefan Schmid ließ die Schilder entfernen, bevor der Unterricht begann. Er hält die Schule für den falschen Ort für Aktionen dieser Art.

Hohenpeißenberg – Er sei kein Coronaleugner und habe auch nichts mit Verschwörungstheorien am Hut, sagt Maximilian Oswald, der Vater von zwei Grundschulkindern ist und mit seiner Familie in Hohenpeißenberg lebt. „Ich halte mich an alle Maßnahmen und finde es wichtig, Masken zu tragen“, sagt er. Kontaktbeschränkungen, Ausgangssperren, Homeschooling, Wechselunterricht, Maskenpflicht im Unterricht, all das habe die Familie ohne Murren mitgetragen. „Aber das mit der Testpflicht geht zu weit. Ich möchte das uns und unseren Kindern nicht antun“, sagt der Vater.

Es gebe genügend Studien, die zeigten, dass Kinder nicht die Infektionstreiber seien, für die sie zu Beginn der Corona-Pandemie gehalten wurden. „Die, die am wenigsten beitragen, müssen am meisten ausbaden“, sagt Oswald. Während für die Kinder in den Schulen schon seit Monaten selbst im Freien auf dem Pausenhof Maskenpflicht herrsche, gebe es im Arbeitsleben noch immer so gut wie keine verpflichtenden Maßnahmen. Für die Wirtschaft gelte noch immer keine Masken- und schon gar keine Testpflicht und in den Schulen werde das alles verpflichtend gemacht. „Es kann doch nicht sein, dass Schutzmaßnahmen für erwachsene Arbeitnehmer ein unzumutbarer Eingriff sind und für Kinder nicht“, sagt Oswald.

„Was kommt als nächstes?“, habe er sich gefragt, als die Testpflicht an Schulen beschlossen wurde: „Da möchte ich als Vater dagegensteuern“, sagt Oswald. Und seine Frau und er seien nicht die einzigen Eltern, bei denen das Maß voll war. „Es machen sich viele Eltern Sorgen um ihre Kinder“, sagt der Vater. Also haben sich ein paar Hohenpeißenberger Väter und Mütter zusammengetan und Sprüche wie „Keine Tests an symptomfreien Kindern“, „Ich habe meine Grundrechte verloren“ und „Liebe Eltern, steht endlich auf für eure Kinder“ auf Pappschilder und Plakate geschrieben und zum ersten Schultag nach den Osterferien vor der „Primus-Koch-Grundschule“ in Hohenpeißenberg aufgestellt. Damit hätten sie niemanden persönlich angreifen wollen, so der Vater: „Wir wollten ein Zeichen setzen.“

Diese Schilder standen dann auch am Morgen, als Rektor Stefan Schmid an der Schule ankam, noch da. Aber nicht mehr lange. „Wir haben sie um 7 Uhr entfernt“, sagt der Schulleiter. Es sei ihm wichtig gewesen, dass keines der Kinder, die sich an jenem Morgen zum ersten Mal in der Schule getestet haben, die Sprüche und Schilder zu sehen bekommen habe. „Ich wollte nicht, dass dieKinder eingeschüchtert werden“, sagt Schmid. Die Protestaktion der Eltern lehne er ab. Jeder solle seine Meinung äußern können, aber an der richtigen Stelle. „Die Schule ist nicht der Ansprechpartner dieser Aktion. Aber es war dann unser Problem vor Ort“, sagt der Rektor.

Auch der Elternbeirat der Hohenpeißenberger Grundschule spricht sich gegen diese Aktion aus, wie die Vorsitzende Gudrun Lanz gegenüber dieser Zeitung sagt: Im Gremium sei die Testpflicht zu Beginn sehr kritisch gesehen worden. „Wir können die Emotionen der Eltern voll und ganz verstehen, aber es war der falsche Ort und unserer Meinung nach kontraproduktiv“, sagt die Vorsitzende. In der Pandemie-Zeit gehe es darum, das Beste aus der Situation zu machen.

Schmid hat für die Eltern, die Bedenken dagegen haben, dass sich ihre Kinder sich in der Schule selber testen eine Alternative organisiert: Sie können vor Schulbeginn gemeinsam mit ihrem Nachwuchs zu einem der Hohenpeißenberger Hausärzte gehen und dort einen Test machen lassen. „Es herrscht diesbezüglich eine große Solidarität in Hohenpeißenberg.“

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