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Vor dem Weilheimer Amtsgericht wurde verhandelt.

Strittiger Parkunfall

Strafbefehl wegen Unfallflucht: 80-jähriger Hohenpeißenberger wehrt sich erfolgreich

Einem 80-Jährigen aus Hohenpeißenberg ist vorgeworfen worden, sich unerlaubt von einem Unfallort in Peiting entfernt zu haben. Gegen den Strafbefehl hatte er Einspruch erhoben, der jetzt vor dem Amtsgericht Weilheim verhandelt wurde.

Peiting – Der 80-Jährige stritt den ihm zur Last gelegten Vorfall entschieden ab. Er soll am Ostersamstag dieses Jahres im Parkhaus des Peitinger V-Marktes beim Einparken ein anderes Fahrzeug beschädigt haben. Eine Zeugin hatte den Vorfall beobachtet, Fotos vom Schaden des Fahrzeugs und vom Nummernschild des angeblichen Unfallverursachers gemacht. „Der Mann ist ausgestiegen“, sagte die Zeugin vor Gericht.

Ob er sich einen möglichen Schaden angesehen habe, daran konnte sich die Frau aber nicht erinnern. Auch wusste sie auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Stefanie Rainer nicht ganz genau, ob der Mann in einem Links- oder Rechtsbogen eingeparkt hatte.

Ein wichtiger Punkt für die hinzugezogene Gutachterin, die den Fall später detailliert rekonstruierte. Die Zeugin meinte, einen Linksbogen gesehen zu haben, eine nicht beweiskräftige Vermutung in den Augen des Verteidigers.

Der 80-Jährige schilderte den Vorfall anders: So habe er zunächst seine Lebensgefährtin aussteigen lassen und dann versucht, rechts einzuparken. Dabei sei ihm aufgefallen, dass die Lücke zu klein war für seinen VW Tiguan. „Man hätte nicht mehr so gut ein- und aussteigen können“, erklärte er.

Um sich das anzuschauen, sei er ausgestiegen. Dann habe er sich entschieden, eine andere, größere Parkbucht zu nehmen. „Mein Fahrzeug hat rundum Sensoren. Wenn ich zu nah an dem anderen Fahrzeug gewesen wäre, hätte es gepiepst“, fügte er hinzu.

Seine Lebensgefährtin bestätigte in allen Punkten den Vorfall so, wie ihn der Mann geschildert hatte. Sie hatte aber zu einigen Fragen Erinnerungslücken. So wusste sie unter anderem nicht mehr, ob ihr Lebensgefährte ausgestiegen war oder nicht. An dem beschädigten Fahrzeug entstand ein Schaden in Höhe von 1800 Euro. Die Versicherung des angeblichen Unfallverursachers hat schon gezahlt.

Aber Strafbestand war ja das unerlaubte Entfernen vom Unfallort, das vor Gericht zweifelsfrei bewiesen werden musste. Dazu hatte eine Kfz-Sachverständige ein umfangreiches Gutachten erstellt, um zu klären, ob tatsächlich der Angeklagte der Unfallverursacher war. Sie hatte unter anderem Skizzen gemacht für Touchierungen bei einem Einparken im Linksbogen und im Rechtsbogen.

Überraschenderweise wiesen laut Gutachten der lange Kratzer am beschädigten Fahrzeug und die kleine Abschürfung am Fahrzeug des 80-Jährigen keine 100-prozentige Deckungsgleichheit auf. „Wenn er rechts eingeparkt hat, so wie er behauptet, ist so ein Schaden nicht möglich“, sagte die Gutachterin und erklärte weiter: „Wenn er links eingeparkt hätte, wäre der Schaden durchaus so möglich gewesen, aber an seinem Fahrzeug hätte ein größerer Schaden sein müssen.“

So konnte es also durchaus sein, dass der Angeklagte den Unfall gar nicht verursacht hatte. Und damit konnte auch der Tatvorwurf nicht zweifelsfrei aufrechterhalten werden. „In dubio pro reo“, sagte die Richterin und sprach den Mann mangels Beweisen frei.

VON REGINA WAHL-GEIGER

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