Haben es gerade noch nach Hause nach Hohenpeißenberg geschafft: Laura Gruber und ihre Familie. 

Traumreisen, die im Albtraum endeten

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Viele Deutsche waren im Ausland unterwegs, als sich die Corona-Krise zuspitzte, fast weltweit Ausgangssperren verhängt und Grenzen geschlossen wurden. Auf Reisen waren auch ein Peißenberger Ehepaar und eine Hohenpeißenberger Familie, die inzwischen wohlbehalten wieder zu Hause sind.

Peißenberg/Hohenpeißenberg – Auf diese Reise hatten sich Heide Klement und ihr Mann Ernst lange gefreut: Das Peißenberger Ehepaar hatte geplant, von Ende Februar bis Mitte April mit ihrem Camper rund acht Wochen lang durch Marokko zu reisen. Am Anfang verlief alles noch nach Plan: Am 21. Februar fuhren die 78-Jährige und der 80-Jährige in Peißenberg Richtung Südwesten los. Zwei Tage reisten sie durch Frankreich, wo sie Freunde besuchten, um schließlich in der südfranzösischen Hafenstadt Sète die schon lange gebuchte Fähre nach Marokko zu nehmen.



Am 25. Februar fuhr das Ehepaar in Nodor, nahe der algerischen Grenze vom Schiff. Damals ahnten die Peißenberger nicht, dass ihre Reise wegen der Corona-Pandemie um rund die Hälfte kürzer ausfallen würde als geplant. „Wir hatten vielleicht etwas von einem Virus in China gehört, aber nie damit gerechnet, dass das so ausarten könnte“, sagt Heide Klement.

Zunächst genossen ihr Mann und sie die marokkanische Kultur, die Freundlichkeit der Menschen, die Städte und Siedlungen, die direkt aus „1000 und einer Nacht“ zu kommen scheinen. „Diese Gassen mit den schönen Häusern, das Leben spielt sich alles im Freien ab. Es ist unwahrscheinlich“, schwärmt Heide Klement. Die Peißenberger sind über den Hohen Atlas gefahren, auf Kamelen geritten, haben eine Nacht in der Dünenwüste erlebt und sich von Sonnenuntergang und -aufgang dort verzaubern lassen, sind durch enge Gassen gebummelt, haben eine aus Lehm gebaute Stadt besichtigt. „Wir sind in die marokkanische Lebensart eingetaucht“, sagt Heide Klement.

Währenddessen spitzte sich die Lage zuhause in Europa und in Oberbayern zu. „Wir waren über unsere Kinder immer auf dem Laufenden und trotzdem relativ unbeschwert“, erzählt die 78-Jährige.

In der letzten Woche der Reise überschlugen sich die Ereignisse jedoch. Ihre Kinder hätten sich so große Sorgen gemacht, dass sich Klements schließlich auf den Weg in die Hauptstadt Agadir machten, wo sie einen marokkanischen Freund haben, und von wo aus sie das arabische Land besser verlassen konnten. „Unsere Kinder haben uns für einen der Flüge des Auswärtigen Amtes für gestrandete Urlauber angemeldet“, sagt Heide Klement.

Auf dem Campingplatz in Agadir, wo die Peißenberger sich einquartiert hatten, haben sie schließlich die Nachricht erhalten, dass sie sofort zum Flughafen kommen sollten. „Wir haben schnell zwei Rucksäcke gepackt, unseren Camper zu unserem Freund gebracht und er hat uns zum Flughafen gefahren.“ Dort seien sie als älteres Paar bevorzugt behandelt worden: „Wir waren gleich im ersten Flieger und saßen in der ersten Reihe“, sagt Heide Klement. Ein paar Stunden später seien sie in München gelandet.

Das Wohnmobil stehe nun bei dem Freund in Agadir. Es wartet darauf, die Reise zu Ende zu fahren, die das Ehepaar Klement nach gut der Hälfte abbrechen musste. Und das haben sie fest vor: „Wenn alles vorbei ist, fliegen wir wieder runter, machen unsere Reise fertig und fahren mit dem Camper wieder nach Hause“, sagt Heide Klement.

Aufregend endete auch für Laura Gruber und ihre Familie der Traum von der Weltreise. Die Familie aus Hohenpeißenberg war seit dem Sommer des vergangenen Jahres unterwegs (wir berichteten) und wollte eigentlich erst Anfang Mai wieder in die Heimat zurückkehren. Doch dann kam die Corona-Pandemie.

Nachdem Laura Gruber, ihr Mann Thomas Schiller und die Zwillinge Konstantin und Johannes vier Monate in Neuseeland gelebt hatten, ist die Familie Anfang Februar für zwei Wochen auf die Cook-Inseln geflogen, verbrachte ein paar Tage in den USA, von wo aus es weiter nach Südamerika ging. „Wir sind am 4. März nach Kolumbien eingereist. Da wurde uns schon Fieber gemessen und wir bekamen Handzettel verteilt“, erzählt Laura Gruber. Nach zwei Wochen haben sich die Ereignisse überschlagen: „Plötzlich gab es überall Einreisestopps“, erzählt die Hohenpeißenbergerin, und es hieß, sie als Deutsche dürften das Hotel nicht mehr verlassen. Täglich habe sich die Lage verschärft. Nachdem die Familie verschiedene Flüge gebucht hatte, die sie jeweils nicht antreten konnte, wurden so gut wie alle Flüge nach Südamerika gestrichen. Die Hohenpeißenberger haben sich an die Deutsche Botschaft gewandt, wo ihnen geraten wurde, so schnell wie möglich nach Europa zu kommen.

„Mein Mann ist zum Flughafen und hat dort Tickets ergattert“, erzählt Laura Gruber. In der Zwischenzeit habe sie das Nötigste eingepackt, den Rest des Gepäcks aufgegeben, die Kinder geschnappt und sei ebenfalls zum Flughafen gefahren. Im Abflugbereich hätten alle Mundschutz getragen und Abstand gehalten. „Wir haben dort gesessen und auf die Tafel gestarrt, ob der Flug nicht doch noch gestrichen wird.“ Erst als der Pilot auf der Startbahn Gas gegeben hatte, sei ihnen klar geworden, dass sie dieses Flugzeug tatsächlich zurück nach Europa bringen würde. „So weit entfernt ist mir die Heimat auf der ganzen Reise nie vorgekommen“, sagt Laura Gruber.

Barcelona habe einem Geisterflughafen geglichen, hunderte Flieger seien auf dem Flugfeld gestanden: „Es war wie in einem Endzeitfilm.“ Nach fast 24 Stunden Reisezeit landete die Familie schließlich in München und die siebenmonatige Weltreise, die sie eigentlich noch nach Panama und Costa Rica hätte führen sollen, hatte ein abruptes Ende genommen. „Auch wenn es jetzt ein totaler Kulturschock ist, wir sind angesichts der Umstände sehr erleichtert, dass wir hier sein können“, sagt Laura Gruber.

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