Auch im vergangenen Sommer suchten viele Abkühlung in den Seen in der Region.
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Auch im vergangenen Sommer suchten viele Abkühlung in den Seen in der Region. Foto (a): gronau

Wetterbeobachter warnen

Tropennächte setzen den Menschen zu

Auch wenn der vergangene Sommer keine Hitzerekorde brach, hält Siegmar Lorenz, der Wetterbeobachter im Observatorium auf dem Hohen Peißenberg ist, die Entwicklung insgesamt für besorgniserregend, wie er in seinem Bericht „Sommer-Special und Klimawandel“ schreibt.

Hohenpeißenberg – Der Sommer 2020 war zwar „nur“ der 16.wärmste unserer langjährigen Messreihe, lag aber dennoch noch knapp 2 Grad (immer Celsius) über dem Jahreszeitenmittel. Die Hitzewellen der letzten Sommer traten deutschlandweit gehäufter auf und wurden länger. Was früher als heißer Sommer galt, ist heutzutage ein durchschnittlicher Sommer. Selbst die kühlsten Sommer der letzten 25 Jahre blieben meist deutlich über dem langjährigen Durchschnitt der Jahre vor 1990.

So beträgt die durchschnittliche Jahreszeitentemperatur des Sommers auf dem Hohen Peißenberg 14,3 Grad. Den kühlsten Sommer der letzten 25 Jahre gab es 1996 mit einer Durchschnittstemperatur von 14,0 Grad. Alle anderen 24 Sommer lagen über der durchschnittlichen Jahreszeitentemperatur von 14,3 Grad Celsius. Die Steigerung zu immer wärmeren Sommern setzte sich in diesem Zeitraum ungebremst fort.

Bekanntlich gab es im Jahr 2003 mit 19,1 Grad den bisher wärmsten Sommer. Im Jahre 1816 dagegen fiel der Sommer aus, was ein Blick in unsere historischen Aufzeichnungen verrät: Das Sommerjahreszeitenmittel betrug nur 11,5 Grad. Eine solche Sommer-Mitteltemperatur ist aus heutiger Sicht kaum vorstellbar. Dieses „Jahr ohne Sommer“ stand weltweit im ursächlichen Zusammenhang mit dem Ausbruch des Vulkans „Tambora“ im Jahr 1815 im heutigen Indonesien – dem wohl größten Vulkanausbruch in der Menschheitsgeschichte.

Erst viele Jahre später wurde dieser Zusammenhang überhaupt erst erkannt. Noch einige Jahre danach suchten Seuchen und Hungersnöte die Menschen auf der ganzen Welt heim. Rauch, Asche, Gas, Aerosole der Explosionswelle sowie Schwebepartikel verdunkelten damals die Sonne weltweit für längere Zeit und kühlten so auf dem gesamten Erdball die Atmosphäre aus.

Kann man diesen Vulkanausbruch jedoch noch als eine Laune der Natur auslegen, das heißt, ein vom Zutun der Menschheit unabhängiges und nicht zu verhinderndes Ereignis, so sind wir heute selber an den immer heißeren Sommern schuld.

Die drei heißesten Sommer der Messgeschichte lagen alle in den 2000er Jahren. Damit verbunden sind unangenehme Begleiterscheinungen wie Dürren, Hitzebelastungen, Waldbrände, zunehmender Wassermangel, Gletscherschmelzen sowie das Auftauen des Permafrostbodens in den alpinen Bereichen oder den Weiten Sibiriens. Auch Tropennächte (Nächte in denen 20 Grad Celsius nicht unterschritten werden) setzen den Menschen in dicht bebauten Städten gesundheitsmäßig immer mehr zu. Sie werden immer häufiger.

Siegmar Lorenz

Wetterbeobachter im Observatorium auf dem Hohen Peißenberg

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