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Sahara-Stimmung auf dem Hohen Peißenberg: Als am 30. Juni die Sonne aufging, versprach sie einen heißen Tag, der dann auch folgte. 

Beängstigender Wetterrückblick

Tropische Nächte und 313 Sonnenstunden auf dem Hohen Peißenberg

Der Juni 2019 schlug wieder einmal Rekorde, was Sonne und Hitze angeht: Noch nie hat in einem Juni so lange die Sonne auf dem Hohen Peißenberg geschienen, wie dem Wetterrückblick von Wetterbeobachter Siegmar Lorenz im dortigen Observatorium zu entnehmen ist.

Hohenpeißenberg– Nach dem etwas unterkühlten Mai mit spätwinterlichen Zügen war dieser Juni wieder der wärmste seit Beginn flächendeckender Messungen. Aus klimatologischer Sicht bleibt zum Mai noch klarzustellen, dass ein zu kalter Monat keinerlei Abstriche am Klimawandel bedeutet. Nach zuvor deutschlandweit 13 zu warmen Monaten – eine Ausnahme war in Süddeutschland dieser Januar – war ein zu kalter Monat statistisch überfällig. Im Mittel des letzten Jahrzehnts gab es meistens noch wenigstens zwei Monate im Jahr, die kälter waren als der Durchschnitt.

Der Juni begann mit Hochdruckeinfluss, dann folgte feuchtwarme Südwestströmung mit einzelnen Gewittertagen. Der erste Sommertag (wärmer als über 25 Grad Celsius) auf dem Hohen Peißenberg war in diesem Jahr der 3. Juni. Am Pfingstmontag, am 10. Juni wurde unsere Region von einer so genannten Superzelle heimgesucht. Davon spricht man, wenn sich ein Gewittercluster, das sich über mehrere Kilometer erstreckt, längere Zeit hält und sich die Windparameter mit der Höhe ändern.

Die Zutaten für die Entstehung waren optimal, denn ein Tief über West- und Mitteleuropa saugte aus Südosten feuchtwarme Luft an und von Westen strömte gleichzeitig kühle Atlantikluft heran. Treffen Winde aus unterschiedlichen Richtungen zusammen, entstehen in sehr feuchter Luft sehr schnell kräftige Gewitter. Im kilometerlangen Aufwindbereich werden Wassertröpfchen in große Höhen gewirbelt und gefrieren zu Eis. Sie fallen als Eiskörner herunter, heften sich an andere Regentropfen an und vergrößern sich. Dieses Auf und Ab kann sich mehrfach wiederholen, dann wachsen die Hagelkörner, bis sie von den Aufwinden nicht mehr getragen werden können und schließlich ganz nach unten fallen.

Erst kam die Superzelle, dann die Hitzewelle

Diese Superzelle zog vom Allgäu aus über den Ammersee nach Nordosten. Der Hohe Peißenberg wurde, wie so oft, nur gestreift. Der Gewitterzelle war als Indikator für sehr hohe Windgeschwindigkeiten eine Böenwalze vorgelagert. Es wurden Hagelkörner bis zu einer Größe von acht Zentimetern beobachtet, welche nicht nur Autoscheiben, Dachfenster und Hausfassaden zertrümmerten, sondern auch in Gärten große Verwüstungen anrichteten. Unter der Superzelle war es minutenlang fast nachtdunkel.

In der zweiten Juni-Dekade blieb es überwiegend sommerlich mit leichteren Schauern und Gewittern. An vier Tagen blieben die Tagesmaxima unter 20 Grad Celsius. In der dritten Dekade stellte sich eine extreme Hitzewelle ein, weil heiße Saharaluft den Kontinent erreichte. Diese war massiv staubdurchsetzt, weshalb die Sichtweite vom 25. bis 27. Juni sehr reduziert war.

Am 28. Juni drehte der Wind vorübergehend auf nördliche Richtungen. Am 30. Juni kam die Saharaluft wieder zurück. Der letzte Tag des Monats trieb die Temperaturen landesweit oftmals bis 39 Grad in die Höhe. Oben auf dem Hohen Peißenberg gab es tropische Nächte, da das Thermometer am 26. und 30. Juni 20 Grad Celsius nicht unterschritt.

Der Juni war sehr trocken und sehr heiß

Der Vormonat war der zweitwärmste Juni seit Beginn unserer Temperaturaufzeichnungen. Nur der Juni 2003 war noch um ein Grad wärmer. Am kältesten war es am 6. und 7. Juni mit jeweils 8,2 Grad Celsius. Im Gegensatz zum Mai war der Juni sehr trocken. Die Junisonne schien 313 Stunden. Es war der sonnigste Juni seit Bestehen dieser Messreihe (1937) auf dem Hohen Peißenberg.

Im Mai und Juni trat das Phänomen der „stationären Wetterlagen“ auf. Diese sind eindeutig klimawandelbedingt. Dabei verlagern sich die Druckgebilde (Hoch und Tief) kaum oder bilden sich an ähnlicher Stelle immer wieder neu aus.

Eine Hauptursache ist die Störung der westlichen Luftströmung, welche normalerweise in unseren Breiten von Islandtief und Azorenhoch erzeugt wird. Dieser Mechanismus geht aber durch die immer schnellere Erwärmung der Arktis und die Erhöhung der Meeresflächentemperatur verloren. So sind auch längeranhaltende Südströmungen mit Saharaheissluft denkbar, all diese Erscheinungen bedeuten keine guten Aussichten für unser Klima.


Siegmar Lorenz

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