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Nahm das Hohenpeißenberger Dorfgeschehen aufs Korn: Bruder Johannes alias Hans Seidl bei der Josefifeier.

Von der Monstermöhre zum Insektenhotel

Ein fast volles Haus hatte die Hohenpeißenberger „Knappschafts- und Trachtenkapelle“ bei ihrer Josefifeier am Samstag. Rund 200 Gäste waren ins „Haus der Vereine“ gekommen, um sich den Spott von Bruder Johannes, alias Hans Seidl, anzuhören.

Hohenpeißenberg  Nicht nur die „Bichlmeis“ bekamen den Spiegel vorgehalten. Auch über die Nachbarn zog Bruder Johannes, alias Hans Seidl her. Über eine Dame, die die Ortsdurchfahrt von Hohenpeißenberg wenig attraktiv findet, meinte er, sie sei wohl noch nie in Peißenberg gewesen. Die „Boochramma“ bekamen aber noch mehr zu hören. Ihr Verhältnis zu den Naturwissenschaften sei wohl nicht das beste. Abgesehen vom Kreisel, der immer noch erwähnt werden muss, fiel Johannes auf, dass die inzwischen an einen anderen Standort versetzte Uhr nicht nur auf ihren Ziffernblätten unterschiedliche Zeiten anzeigt, sondern auch immer noch die gleiche Entfernung zum „Kaufland“ ausweist.

Auch die „Laien von der Frau von der Leyen“ bekamen ihr Fett weg. Als sie bei einer Übung eine Funkzentrale auf dem Berg aufbauen wollten, stellten sie fest, dass dort oben mitten im Winter alles voll Schnee war. Und so riefen sie bei der Gemeinde an, ob „nicht bittschön da droben“ Schnee weggeräumt werden könnte. Den Grund dafür vermutete Bruder Johannes darin, dass die letzten zehn einsatzfähigen Schneeschaufeln der Bundeswehr in Berchtesgaden im Einsatz waren.

Auch wenn der Großteil des Spotts sich auf die Taten von Männern bezog, Quotenfrauen gab es in der einstündigen Rede auch. Eine Frau hätte in der Bürgerversammlung rumgejammert, weil das Wasser aus dem Stiefelweiher abgelassen wurde. Das könne man doch wegen der armen Fische nicht machen. Und da habe der „halt immer so korrekte“ Bürgermeister ihr dies mit dem notwendigen Abfischen erklärt. Er, der Bruder Johannes, hätte da mehr Fantasie gehabt, und erklärt, dass im Herbst das warme Badewasser abgelassen werden muss, „weil man im Winter ja ein kaltes braucht – zum Schlittschuhlaufen“.

Neben all den kleinen Missgeschicken griff der Fastenprediger auch eine ernstes Thema auf: die Verschwendung von Steuergeldern durch Subventionen. 460 000 Euro sollen für die Bepflanzung rings und den neuen Schächen ausgegeben werden. Billiger dürfe es nicht sein, weil es sonst keinen Zuschuss gäbe. Immerhin gebe dafür auch ein ganzes Hotel – „ein Insektenhotel“. Nicht nur bei diesen Ausgaben, sondern auch in zwei anderen Angelegenheiten waren die Hohenpeißenberger an der Spitze: beim Volksbegehren für die Insekten und bei den Stimmen für die AfD bei der Landtagswahl. „Ob das am End’ sogar irgendwie zusammenhängt?“, fragte sich Bruder Johannes.

Eine andere Gefahr geht indes von dem „schönen Holzgemüse“ aus, „das der Bratsch Michi mit Schülern gebastelt hat“. Einige der gelben Rüben seien inzwischen morsch geworden und von Baum gefallen. Der Fastenprediger sieht schon die Schlagzeile: „Unschuldiger Bürger von mörderisch-morscher Monstermöhre gemeuchelt“.

Langfristig macht sich Johannes aber mehr darüber Gedanken, dass Hohenpeißenberg von Peiting übernommen werden könnte. „Fast alle lebenswichtigen Sachen kriegen wir mittlerweile aus Peiting“, stellte er fest. Nicht nur Brot, Fleisch und Wurst, sondern auch Trinkwasser und Weihwasser kämen aus der Nachbargemeinde. Jetzt fehle nur noch, „dass irgendwann der Asam da drunten hockt“. Dagegen helfe nur Hohenpeißenberger Solidarität. Miteinander könnte man vieles schaffen, sogar, dass im Dorf wieder „das schöne Erdbeerhäusl stehen wird“. Dafür müsse man halt Erdbeeren essen, „so lang bis’ schnackelt“.


Alfred Schubert

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