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Seit 13 Jahren ist Franz Müller Wächter der Kirchturmuhr in Hohenpeißenberg. 

Franz Müller seit 13 Jahren im Einsatz

Wächter der Kirchturmuhr

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Franz Müller zieht die Hohenpeißenberger Kirchturmuhr auf – seit 13 Jahren, an jedem Morgen. Da kommt ihm das mögliche Ende der Zeitumstellung sehr gelegen.

Hohenpeißenberg Verschlafen hat Franz Müller, 72, noch nie. „Kein einziges Mal“, betont er. Einen Wecker braucht er dafür nicht. Seine „innere Uhr“ regelt das. „Ich wache von ganz allein auf.“ Pünktlich um 7.30 Uhr steht er also vor der Kirchenuhr in der Hohenpeißenberger Wallfahrtskirche und zieht diese per Hand auf – seit 13 Jahren, an jedem Morgen.

Das 1886 eingebaute und denkmalgeschütze Uhrwerk in der Kirche Mariä Himmelfahrt ist ein Relikt aus alten Zeiten. Bayernweit zählt es zu den letzten verbliebenen, die komplett mechanisch funktionieren. In fast jeder Kirche laufen die Uhren mittlerweile elektrisch. Heißt: Sie stellen sich automatisch, Hand anlegen muss bei ihnen niemand.

Müller nimmt einen Seilzug zu Hilfe 

Franz Müllers Dienste hingegen sind täglich gefragt. Mit Hilfe eines Seilzuges zieht er jeden Morgen ein Gewicht nach oben, das daraufhin aufs Steuerrad drückt. Auf diesem wandert ein Pendel hin- und her. „Das gibt den Zeittakt vor“, erklärt Müller. Die drei großen Spannrollen, die sich in dem historischen Uhrwerk verstecken, zieht er am Ende auf. Sie geben die Schläge zu jeder viertel wie zur vollen Stunde vor und betreiben den Zeiger. Tik-Tak. „Ein schönes Geräusch“, sagt Müller.

Als er vor 13 Jahren davon hörte dass sein Vorgänger aus Altersgründen aufhört, meldete sich Müller spontan bei der Hohenpeißenberger Gemeinde und gab eine Bewerbung ab. „Für einen Rentner ist das eine optimale Aufgabe“, sagt der gelernte Betriebsschlosser. Seither wohnt Müller, der ursprünglich aus Peiting stammt, als Wächter der Uhr gemeinsam mit seiner Frau direkt neben der Kirche. „So habe ich kurze Wege.“ Im Sommer pflegt er zudem den Kirchgarten, im Winter räumt er Schnee.

Pragmatische Sichtweise 

Zwei außerordentliche, jährlich wiederkehrende Einsätze bleiben Müller künftig wohl erspart. Nachdem die Europäische Union (EU) in den vergangenen Wochen eine europaweite Umfrage zur Zeitumstellung gestartet hatte, hat EU-Präsident Jean-Claude Juncker gestern verkündet, das Ergebnis schon bald in die Tat umsetzten zu wollen. Mehr als 80 Prozent der 4,6 Millionen Teilnehmer hatten sich dafür ausgesprochen, den Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit aufzugeben.

Müllers pragmatischer Kommentar: „Mir is’ recht. So fällt etwas Arbeit schon mal weg.“ Bislang hatte er zur Umstellung jeweils das Pendel per Hand gestoppt und das Einstellrad möglichst exakt nach hinten beziehungsweise nach vorn gedreht.

Dass sich Franz Müller so akribisch um die historische Uhr der Wallfahrtskirche kümmert, ist für Thomas Dorsch ein Glücksfall. „Seine Arbeit ist extrem wertvoll“, sagt der Bürgermeister, der zugleich Kirchenpfleger ist. Der menschliche Kontakt gebe dem Kirchturm „eine ganz eigene Seele“. Damit dies auch in den kommenden Jahren so bleibt, plant Dorsch, die Uhr einer Generalüberholung zu unterziehen. „Manche Dinge sind inzwischen ordentlich ausgeleiert. Da müssen wir unbedingt ran.“

Abschied werde ihm schwerfallen

Müller hofft, seinen Job noch möglichst lange erledigen zu können. „Solange es gesundheitlich geht, mache ich weiter“, unterstreicht er. Sollte er doch einmal aufhören, wünscht er sich, dass die Gemeinde einen Nachfolger findet. „Es wäre sehr schade, wenn die Uhr deshalb durch eine elektrische ersetzt werden müsste – aber ich glaube, da findet sich jemand.“ Ob ihm der Abschied dann schwerfalle? „Wahrscheinlich schon“, sagt der zweifache Vater. „Nach all den Jahren ist die Uhr ja fast schon wie ein drittes Kind.“

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Juncker will Zeitumstellung abschaffen - auch Merkel mit klarer Meinung.

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