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Dr. Peter Winkler  befasst sich heute mit der Wissenschaftsgeschichte.  2016  wurde er mit dem Paulus-Preis der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft ausgezeichnet.

Was macht eigentlich... Dr. Peter Winkler?

Der Wissenschaft treu geblieben

Der langjährige Leiter des Observatoriums auf dem Hohen Peißenberg  ist der Wissenschaft weiter verbunden. Heute interessiert er sich für deren Geschichte. 

Hohenpeißenberg – Ziemlich genau zwölf Jahre ist es nun her, dass Dr. Peter Winkler vom Deutschen Wetterdienst als Leiter des meteorologischen Observatoriums auf dem Hohen Peißenberg in den Ruhestand verabschiedet wurde. Der gebürtige Rheinhesse hatte das Amt 1993 übernommen. Sein Steckenpferd war die Erforschung luftchemischer Prozesse in der Atmosphäre. Im Zuge seines Fachgebiets war der promovierte Meteorologe maßgeblich am Aufbau einer „Atmosphere Watch“-Globalstation an der weltweit ältesten Bergwetterstation beteiligt. Bereits vor seiner Hohenpeißenberger Zeit befasste sich Winkler ausgiebig mit luftchemischen Untersuchungen. Unter anderem initiierte er Ozonmessungen auf Forschungsschiffen und Fischereischutzbooten. Angesichts solch einer Biografie ahnt man schon, dass Winklers Forscherdrang nicht mit dem Eintritt in den Ruhestand endete. Der inzwischen 76-Jährige ist der Wissenschaft treu geblieben – wenn auch in einer etwas anderen Form. Winkler hantiert zumindest nicht mehr mit meteorologischen Messinstrumenten oder wertet Datenreihen aus. Er hat sich stattdessen voll und ganz der Wissenschaftsgeschichte verschrieben. Erst 2016 wurde Winkler mit dem Paulus-Preis der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft ausgezeichnet – für seine historischen Untersuchungen über die Dampfdruckmessungen auf dem Hohen Peißenberg von 1841-1867. Doch die Winkler’sche Forschungsarbeit ist nicht nur auf die Meteorologie beschränkt, sondern generell ausgelegt: „Man kann dabei viel über das Verständnis der heutigen Zeit lernen“, beschreibt der ehemalige Observatoriumsleiter die Faszination der Wissenschaftsgeschichte: „Man sieht die Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden – und die sich heute leider wiederholen. Aber der Mensch ist eben ein Mensch.“ Zur Wetterstation auf dem Hohen Peißenberg hat Winkler nur noch „lose Kontakte“, wie er im Gespräch berichtet: „Für die Wissenschaftsgeschichte muss man sich an anderen Stellen orientieren, da ist man mehr in Staatsarchiven und Bibliotheken unterwegs.“ Langeweile verspürt Winkler in seinem „Unruhestand“ jedenfalls nicht: „Ich hatte in meinem Leben immer sehr viele Ideen. Eigentlich könnte ich noch eine Sekretärin beschäftigen und drei Doktoranden betreuen“, erzählt er schmunzelnd. Natürlich gibt es für den passionierten Wissenschaftler auch ein Leben abseits der Forschung – zum Beispiel beim Hausaufgabenmachen mit der 13-jährigen Enkeltochter („da lernt man, wie Lernen heute geht“) oder beim Garteln und bei Reparaturarbeiten am Eigenheim im Weilheimer Süden: „Dadurch bleibt man fit. Gesundheitlich kann ich nicht klagen“, sagt Winkler, der im Kirchenchor singt und in der lokalen Agenda aktiv ist: „Meine Frau und ich sind in Weilheim sehr gut vernetzt.“

Das Engagement in der Agenda passt zu Winklers Einstellung. Er ist der Meinung, dass der Einzelne etwas bewirken kann – gerade im Kampf gegen den Klimawandel. Der ist für ihn, anders als von einigen selbsternannten Experten behauptet, kein natürliches Phänomen: „Da macht die Presse einen Riesenfehler, dass sie dem Märchen von der kühlen Sonne nicht stärker entgegentritt“, kritisiert Winkler: „Die Leute schüren nur Ängste und spielen die Politiker gegeneinander aus. Sie können ihre Theorien aber nicht beweisen.“ Der 76-Jährige sieht den Kohlendioxid-Ausstoß und damit den Klimawandel „ungebremst“ voranschreiten: „Was wir brauchen, ist Vernunft. Aber die Menschheit wird erst wach, wenn es Katastrophen gibt.“ Wie real der Klimawandel ist, dafür hat Winkler als seriöser Wissenschaftler eine historische Gegenüberstellung: In seiner Abhandlung „Die Geschichte der Meteorologie in Oberbayern“ wird auch über einen Tornado berichtet, der 1809 bei Erding wütete. „Das war damals ein ganz seltenes Ereignis. Heute hingegen kommt das bei uns häufiger vor“, so Winkler.

Bernhard Jepsen

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