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Alle Kaninchen sind von „RHDV-2“ bedroht. Eine Impfung kann sie davor schützen. 

„RHDV-2“ auf dem Vormarsch

Seuche grassiert im Landkreis - „So schnell habe ich Kaninchen noch nie sterben sehen“

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Die Kaninchenseuche „RHDV-2“ ist in der Region angekommen. Mindestens vier Kaninchen sind in den vergangenen Tagen in Hohenpeißenberg daran gestorben. Eine Impfung kann die Tiere vor dem ansteckenden Virus schützen.

Hohenpeißenberg – Die Sprechstunde am Montag vor einer Woche wird die Tierärztin Maria Guggenberger-Staudacher so schnell nicht vergessen. Eine Familie aus dem Hohenpeißenberger Ortsteil Hetten war am Sonntag von einem Ausflug nach Hause gekommen und hatte ein totes Kaninchen im Stall gefunden. Die anderen drei Kaninchen der Familie wurden am nächsten Morgen in die Tierarztpraxis zu Guggenberger-Staudacherin Hohenpeißenberg gefahren: „Als mir die drei Kaninchen gebracht wurden, haben sie noch ganz gut ausgesehen“, sagt die Tierärztin. Eines habe Fieber gehabt, was für Kaninchen nichts Außergewöhnliches sei, alle drei seien ein wenig schlapp gewesen. Am Nachmittag waren sie tot. Guggenberger-Staudacher hat viel Erfahrung mit Tieren, aber so etwas hat sie noch nie erlebt: „So schnell habe ich Kaninchen noch nie sterben sehen“, sagt die Tierärztin.

Sie hat eines der toten Tiere an die LMU nach München zur Sektion geschickt, wo es untersucht wurde. Der Verdacht der Hohenpeißenberger Tierärztin bestätigte sich: „Es war eindeutig ,RHDV-2’ positiv.“ An der Universität in München gehören diese Befunde inzwischen zum Alltag: „An der Uni haben sie alle zwei bis drei Tage ein an ,RHDV-2“ gestorbenes Kaninchen auf dem Tisch“, sagt die Tierärztin. In Hohenpeißenberg sehe das anders aus: Ihres Wissens nach seien das die ersten Fälle des für Kaninchen äußerst gefährlichen und sehr ansteckenden Virus im Dorf.

Erkrankung ist nicht meldepflichtig

Wie sich das Virus in Weilheim, Peißenberg, Schongau Penzberg und anderen Gemeinden im Landkreis ausgebreitet hat, lässt sich schlecht sagen, denn die Viruskrankheit ist weder anzeige- noch meldepflichtig. Der Vorläufer des Virus „RHD-1“, der laut Guggenberger-Staudacher „Chinaseuche“ genannt wurde, war anzeige- und meldepflichtig, aber die wesentlich aggressivere Mutation, das „RHDV-2“, das sich seit zwei bis vier Jahren auch in Europa vermehrt ausbreitet, ist es nicht mehr.

Das Virus wird auf vielen Wegen übertragen: über den direkten Kontakt, über Gegenstände, Grünfutter und Insekten. „Es ist hartnäckig und kann noch tagelang auf Gegenständen nachgewiesen werden“, sagt die Tierärztin. Bei den in Hohenpeißenberg gestorbenen Kaninchen geht sie davon aus, dass eines durch einen Mückenstich angesteckt wurde und dieses dann die anderen drei Stallkollegen infiziert hat.

In welchem Ausmaß die Kaninchenseuche um sich greift, hängt nach der Einschätzung von Guggenberger-Staudacher davon ab, wie sich das Wetter und die Temperaturen entwickeln und von der Entscheidung der Kaninchenbesitzer. Die Kaninchen können mit einer Impfung vor einer Ansteckung geschützt werden. Seit einem Jahr sind neue, auf die Mutation angepasste Impfstoffe auch in Deutschland zugelassen. In Einzeldosen kostet eine Impfung zwischen 35 und 45 Euro, wenn gleich eine größere Menge an Kaninchen geimpft wird, kann es bis zu einem Drittel günstiger werden für die Kaninchenbesitzer. Das Problem dabei ist allerdings, dass eine angebrochene Dosis Impfstoff innerhalb von zwei Stunden verbraucht sein muss.

Beim Verein der Rassegeflügel, Vogel und Kaninchenzüchter Weilheim und Umgebung ist noch kein Fall von „RHDV-2“ bekannt, wie der Vorsitzende Josef Fischer sagt. Seine Vereinsmitglieder und er hätten alle ihre Kaninchen dagegen geimpft. Auch bei den Tiermärkten und bei den Ausstellungen sei diese Impfung für Kaninchen Pflicht. „Wer bei der Anlieferung kein gültiges Impfzeugnis vorlegen kann, darf nicht ausstellen“.

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass sich auch die Hasenpest in Bayern ausbreitet. Auch sie ist ansteckend und sogar für Menschen gefährlich.

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