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Die Wärme im April sorgte dafür, dass die Natur aus dem Winterschlaf erwachte, so wie auf dieser Weide bei Rieden, wo Angela von Drachenfels dies Bild aufnahm. foto: privat

Wetterrückblick

 April war um 5,2 Grad zu warm

Der vergangene April machte seinem Ruf, für unbeständiges Wetter zu sorgen, keine Ehre. Wie das Observatorium auf dem Hohen Peißenberg in seinem Wetterrückblick berichtet, beherrschten Wärme und Trockenheit den vergangenen Monat.

Hohenpeißenberg– Im April dominierten Dauersonnenschein und Trockenheit. An den ersten beiden Apriltagen lag noch eine dünne Schneedecke – bis zu vier Zentimeter hoch – auf dem Hohen Peißenberg, verursacht durch den Kaltfrontdurchgang am 29. März. Bis zum 12. April herrschte trockenes Hochdruckwetter mit rund 13 Stunden Sonnenschein täglich. Die Tageshöchsttemperaturen stiegen von nur 5 Grad Celsius am Monatsersten bis zum 12. April stetig an. An diesem Tag war es auf dem Hohen Peißenberg, erstmals wärmer als 20 Grad.

Das wolkenlose und sonnenscheinreiche Frühlingswetter bei Ostwinden und geringen Luftfeuchten trocknete die Böden oberflächlich in einigen Teilen Deutschlands bereits so weit aus, dass die Waldbrandwarnstufen vier bis fünf ausgerufen wurden und Waldbrände ausbrachen. Das Osterwetter (vom 10. bis 13. April) gestaltete sich unter dem Einfluss warmer Mittelmeerluft warm und sonnig, erst am Ostermontag erreichte uns eine Kaltfront mit polarer Luft von Norden. Während eines Gewitters fielen fünf Liter Niederschlag pro Quadratmeter – als Regen, Hagel und Schnee. Die Abkühlung war nur von kurzer Dauer. Am 14. April betrug das Tagesmaximum nur 4,5 Grad.

Nun folgten wegen der trocken-kalten Festlandluft noch zwei Nächte mit Nachtfrösten bis -1,9 Grad auf dem Hohen Peißenberg – bayernweit kühlte die Luft jedoch nachts verbreitet bis -6 Grad Celsius, am Erdboden vereinzelt bis -11 Grad Celsius, aus. Bis zum 18. April erwärmte sich die Luft erneut auf Werte von über 20 Grad Celsius.

In den letzten Apriltagen kam der Dauerregen

Eine Kaltfront überquerte uns dann in der Nacht vom 18. auf den 19. April mit leichtem Regen (vier Liter pro Quadratmeter). Danach blieb es weiterhin sonnig, die Tagesmaxima lagen aber nun bis zum Monatsende unter 20 Grad. Zur Mitte der dritten Dekade wurde eine allmähliche Umstellung der Großwetterlage eingeleitet. Zunächst bewirkte eine schwache Nordströmung einen leichten Temperaturrückgang, auch zeigten sich mehr Wolken. Der 28. April brachte die grundlegende Wende. Nun übernahmen Tiefdruckgebiete vom Atlantik die Regie. Zunächst zog eine Gewitterzelle von Südwesten zu uns, danach setzte der lang ersehnte Dauerregen ein. So fielen vom 28. bis 29. April auf dem Hohen Peißenberg 35,5 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. In Weilheim waren es sogar 51 Liter pro Quadratmeter. Auch am 30. April fiel weiterer Regen.

Blühphasen haben sich um zwei Wochen nach vorn verlagert

Auf dem Hohen Peißenberg werden schon seit Jahrzehnten traditionell Beobachtungen an Pflanzen und Bäumen durchgeführt, weshalb sich die Auswirkungen des Klimawandels besonders dokumentieren lassen. In den letzten 60 Jahren haben sich nach unseren Beobachtungen die Blühphasen um reichlich zwei Wochen nach vorn verlagert. Blühten beispielsweise die Schneeglöckchen in den 60er Jahren meist erst ab Anfang März, blühen sie heute im Durchschnitt bereits Mitte Februar, in Einzelfällen bereits im Januar. Die Haselblüte wurde heuer bereits am 24. Januar – im Schnitt um zwei Monate verfrüht – beobachtet. Der Huflattich blühte vier Wochen zu früh.

Insgesamt fiel der April auf dem Hohen Peißenberg mit einer Monatsmitteltemperatur von 10,3 Grad um 5,2 Grad zu warm aus. Damit war er der viertwärmste April seit Bestehen unserer Messreihe 1781. Es war nun schon der elfte Monat in Folge, welcher zu warm ausfiel. Das hat es zuvor noch nicht gegeben.

Wegen der Corona-Einschränkungen war die Stickstoffdioxidbelastung in weiten Teilen Europas heuer im April verglichen mit der des Vorjahres um 30 Prozent geringer. Dieser Effekt, wird sicherlich nur vorübergehend sein. Ein langfristiger ist nur durch weltweite Klima- und Umweltpolitik zu erreichen.


Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter im Observatorium auf dem Hohen Peißenberg

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