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Die Berge zum Greifen nah: Dieses Foto entstand am 20. Oktober bei Föhnsturm auf dem Hohen Peißenberg.

Wetterrückblick: Experten warnen vor Hurrikans

Der vergangene Oktober begann wechselhaft und kalt – und so endete er auch. Er war niederschlagsreicher als die meisten seiner Vorgänger, dennoch zeigte er sich auch an einigen Tagen als „Goldener Oktober“, wie das Observatorium auf dem Hohen Peißenberg berichtet.

Die unbeständige Witterung der letzten Septemberdekade setzte sich zunächst auch im Oktober fort. Tiefdruckgebiete zogen vom Atlantik über England nach Südskandinavien, deren Ausläufer Deutschland von Nordwest nach Südost überquerten. Die erste Oktoberdekade war also durchwegs von Tiefdruckeinfluss geprägt. Nachts sanken die Temperaturen am 2. Oktober auf zwei Grad Celsius ab, der Automat des Observatoriums meldete im Dauerregen sogar die ersten Schneeflocken dieser Saison.

Am 4. Oktober passierte Deutschland eine harmlose Luftmassengrenze, die eine interessante Geschichte hinter sich hatte: Schon am 29. September hatte sich ein Wirbelsturm über dem tropischen Atlantik zu einem extrem starken Hurrikan ausgewachsen. Er verfehlte mit seiner Zerstörungskraft die Azoren nur knapp, die Wellen auf dem Atlantik erreichten Höhen von bis zu 15 Metern. Der Wirbelsturm zog dann als starkes Tief abgeschwächt Richtung Irland, wurde in die Frontalzone eingebettet und kam hier als harmlose Luftmassengrenze an. Noch nie zuvor ist so weit östlich auf dem Atlantik ein Hurrikan dieser Stärke beobachtet worden. Hurrikans speisen ihre Energie aus der Meeresoberfläche. Je wärmer diese ist, desto mehr Energie können sie aufnehmen. Es ist kein Zufall, dass die Temperatur im Ostatlantik in diesem Jahr besonders hoch ist – als Folge der allgemeinen Erderwärmung. Forscher sind der Ansicht, dass der Trend sich fortsetzt und künftig auch Europa mit einer Hurrikansaison rechnen muss.

Kalte Meeresluft aus Nordwesten ließ die Tagesmaxima am 5. und 6. Oktober unter zehn Grad verharren, was zuletzt im Mai der Fall war. Anschließend stellte sich die klassische Westwetterlage ein, denn Islandtief und Azorenhoch hatten Position bezogen, weshalb nun täglich Regengebiete das Land überquerten. Bis Dekadenende fielen 82 Liter Niederschlag pro Quadratmeter – mehr als die Menge, die im langjährigen Durchschnitt für den ganzen Monat zu erwarten gewesen wäre. Häufig war es neblig und windig.

Die zweite Dekade zeigte sich dagegen warm und fast sommerlich auf dem Hohen Peißenberg. Mit Südwestwinden und dem Aufbau eines Hochdruckgebietes wurde der Altweibersommer eingeleitet. Die Temperaturen stiegen auf dem Hohen Peißenberg an fünf Tagen über 20 Grad. So wurden am 13., 15. und 20. Oktober – auch mit Föhnunterstützung – bei extremer Fernsicht, neue Tagesmaximarekorde aufgestellt, welche sich in der Spanne von 21,8 bis 23,8 Grad bewegten. Die Sonne schien an einzelnen Tagen nochmal bis zu zehn Stunden.

Die Südwest- bis Südströmung brachte uns nur einige Wolken mehr, es blieb auch über die dritte Dekade hinaus sehr mild. Vom 10. bis 26. Oktober fielen nur zwei Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Am 28. Oktober überquerte uns eine Kaltfront, welche durch Stau an den Alpen länger blieb. Es regnete drei Tage lang, auch einige Schneeflocken fielen. Ab dem 29. Oktober lagen die Temperaturen auch durchwegs unter fünf Grad.

Insgesamt fiel der Oktober mit einer Monatsmitteltemperatur von 10,7 Grad um 2,7 Grad zu warm aus. Es war der siebtwärmste Oktober seit Bestehen unserer Temperaturmessreihe 1781. An acht Tagen wurden 20 Grad überschritten. Niederschlag fiel seit Jahresbeginn bereits über 100 Liter pro Quadratmeter zu viel – ein Plus von elf Prozent im Vergleich zum langjährigen Mittel.

Siegmar Lorenz

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