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Das Frühjahr trieb seltene Eis-Blüten: Der Wintereinbruch Ende April setzte den Bäumen kräftig zu.

Wetterrückblick des Observatoriums auf dem Hohen Peißenberg

Ein Frühjahr mit großen Temperatursprüngen

Insgesamt war das Frühjahr 2,5 Grad zu warm, doch es gab auch massive Frostschäden bei der Obstbaumblüte. Das und noch vieles mehr geht aus dem Wetterrückblick des Observatoriums auf dem Hohen Peißenberg hervor.

Hohenpeißenberg Der Frühling fiel heuer um 2,5 Grad zu warm aus. Die Temperaturspanne reichte von -5,0 Grad Celsius am 20. April bis 26,3 Grad Celsius am 29. Mai. Bemerkenswert war der extrem wechselhafte April mit sehr großen Temperatursprüngen, welche mit winterlichen Kaltlufteinbrüchen verbunden waren.

Es stellten sich jene Winterwetterlagen ein, welche, hätten sie in der Kernzeit des Winters stattgefunden, zu Temperaturen weit unter -20 Grad Celsius in Mitteleuropa geführt hätten und echte Belastungssituationen unter anderem für Verkehr und Energiewirtschaft gewesen wären.

So wurde auf dem Hohen Peißenberg am 10. April ein Temperaturmaximum von 20 Grad Celsius gemessen. Tage später, am 18. und 19. April , lagen selbst die Temperaturmaxima unter dem Nullpunkt (Eistage).

Der März war um 4,5 Grad zu warm – es war der drittwärmste März seit Beginn unserer Wetteraufzeichnungen – und die Vegetation war ihrer Zeit um 14 Tage voraus. Das ließ Schlimmes für die Baumblüte befürchten. Drei Eistage im April und vier Tage mit Minusgraden im Tagesmittel stellten jedoch keineswegs einen Ausnahmefall in der langjährigen Temperaturreihe dar. Klimawandelbedingt treiben die Pflanzen aber immer eher aus und werden dann anfällig für die fast immer auftretenden Frühjahrsfröste.

Und so kam es dann auch zu massiven Frostschäden bei der Obstbaumblüte im Alpenvorland, aber auch beim Raps. Auf dem Hohen Peißenberg erfroren selbst die Blätter der Birken und Maitriebe der Kiefern. Baden-Württemberg stufte die Frostschäden als Naturkatastrophe ein und kann daher Betroffenen, wie Weinanbauern, Entschädigungen zahlen. Der Frühling war reich an Niederschlägen. Es fielen 20 Prozent mehr als im langjährigen Durchschnitt. Bayern war das niederschlagsreichste Bundesland. Überdurchschnittlich sonnenscheinreich waren März und Mai. Die Sonne schien im Frühling insgesamt 15 Prozent mehr, als es von den Normalwerten her zu erwarten gewesen wäre.

Siegmar Lorenz

Wetterbeobachter am Observatorium auf dem Hohen Peißenberg

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