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Kein Durchkommen gab es an manchen Tagen zum Hohen Peißenberg.

Hohenpeißenberg

Wetterrückblick: Ein Januar wie noch keiner

Stürmischer Wind, Schneemassen und zahlreiche daraus resultierende Behinderungen im Straßenverkehr: Bis Mitte des Monats zeigte sich der Januar von seiner ungemütlichen Seite. Erst in der zweiten Monatshälfte brach ein ruhigerer Winter an, zeigt der Wetterrückblick.

Der Januar zeigte sich deutschlandweit als Bergwinter. Das bedeutet, er fand nördlich der Donau im wesentlichen nur in den Mittelgebirgen statt. Bei uns im Alpenvorland sah es ganz anders aus. In Höhenlagen über 800 Metern regierte der Dauerfrost. So war es bis zum 12. Januar auch auf dem Hohen Peißenberg. Durch die lang andauernde nördliche Strömung an die Alpen wurden die fast täglich durchziehenden Niederschlagsgebiete hier gestaut und der Schnee aus den Wolken gepresst. So schneite es im Anstau der Alpen und in den Alpen, aber auch bei uns im Vorland, ab dem 3. Januar oft und vom 6. bis 14. Januar anhaltend mit kurzen Unterbrechungen.

Auf diese Weise kamen Rekordsummen an Niederschlägen zusammen und es gab massive Behinderungen im Straßen- und Schienenverkehr. Ganze alpine Touristenregionen schneiten ein. Dazu wehte oft stürmischer Wind bis zur Windstärke 10 der Beaufort-Skala – auf dem Hohen Peißenberg war das am 8. Januar der Fall – sodass der Schnee zusätzlich verweht wurde. Dächer mussten von den Schneemassen befreit werden. Es bestand tagelanger Katastrophenfall von Garmisch-Partenkirchen bis zum Berchtesgadener Land.

Dem Klimawandel werden länger anhaltende gleiche Wetterlagen zugeschrieben, wie zum Beispiel die monatelangen Süd/Südwestwetterlagen im letzten Jahr. Doch welche realen Folgen würden wohl monatelang anhaltende Nordlagen im Winter im Stau der Alpen haben?

Zur Monatsmitte erreichten uns wärmere Luftmassen. Am 16. Januar wurde das Monatsmaximum von 5,9 Grad Celsius gemessen, der Niederschlag fiel vorübergehend als Regen, womit der Wassergehalt der Schneedecke wuchs und damit auch das Gewicht der ohnehin schneebelasteten Dächer. Nach der Monatsmitte führten Ostwinde kalte Festlandsluft nach Deutschland, sodass sich kurzzeitig fast überall Dauerfrost einstellte. Nun herrschte mal ruhiges Winterwetter, am 16. und 19. Januar verschönt durch jeweils acht Stunden Sonnenschein.

Ein Hoch über Osteuropa verhinderte nun den atlantischen Einfluss auf unser Wetter. Die gefürchtete und bereits in einschlägigen Wettermodellen schon mal herbeigerechnete nordsibirische Kaltluft schaffte es im Januar jedoch nicht bis zu uns. Stattdessen stieg das Quecksilber durch mildere Atlantikluft ab dem 26. wieder leicht über den Nullpunkt. Insgesamt fiel der Januar mit einer Monatsmitteltemperatur von -3 Grad um 1,4 Grad zu kalt aus. Im Januar gab es auf dem Hohen Peißenberg 20 Eistage, also Tage, an denen der Nullpunkt nicht überschritten wurde. Frost trat an allen Tagen auf. Am kältesten war es am 23. Januar mit -10,2 Grad. Bayern war im Januar das kälteste Bundesland in Deutschland.

Auch die konventionell gemessene Monatssumme des Niederschlags von 163 Litern pro Quadratmeter (die automatische Messung ergab 98 Liter pro Quadratmeter) stellt einen neuen Rekordwert dar. Das bedeutet, es fielen 268 Prozent der langjährig zu erwartenden Menge. Noch in keinem Januar seit Bestehen unserer Messreihe 1781 wurde so viel Niederschlag gemessen. Zweitniederschlagsreichster Januar war 1982 mit 136 Litern pro Quadratmeter. Bayern war zweitniederschlagsreichstes Bundesland.

Der Vormonat war der drittsonnenscheinärmste Januar seit 1937 – dem Bestehen dieser Messreihe. Die Sonne schien nur 56 Stunden und lag damit 39 Prozent unter dem Durchschnittswert. Vom 1. bis 14. Januar schien sie nur vier Stunden. Am 2. und 14. Januar traten Gewitter auf. Feuchte Luft und ein starker vertikaler Temperaturgradient bei aus Norden in etwa 5 Kilometern Höhe einfließender Höhenkaltluft machten das auch im Winter möglich. Die höchste Windspitze betrug am 13. Januar 104 Kilometer pro Sunde. Windstärke 6 im Mittel trat an vier Tagen auf.

Siegmar Lorenz

Dipl.-Ing.(FA) Wetterbeobachter Observatorium Hoher Peißenberg

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