Menschen schwimmen in einem See
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Dort, wo sich heute der Badesee in Hohenpeißenberg befindet, gab es vor einigen Jahrzehnten schon einmal einen See.

Vorgänger des Stiefelweihers

Wie ein Badesee in Hohenpeißenberg entstand und verschwand

Dort, wo heute der Stiefelweiher ist, gab es vor über 80 Jahren schon einmal einen Badesee in Hohenpeißenberg. Anhand alter Unterlagen lassen sich die Geschichte seiner Entstehung und der Grund für sein Verschwinden erzählen.

  • Der Stiefelweiher ist nicht der erste Badesee in Hohenpeißenberg
  • Vor über 80 Jahren geb es bereits einen Badesee
  • Doch dieser kam und verschwand wieder

Hohenpeißenberg – Damals gehörte der „Gasthof Hetten“ samt großer Landwirtschaft sowie eigener Metzgerei der Familie Herb. Im Jahr 1924 verunglückte Herb senior auf den Weg nach Peiting mit dem Fahrrad tödlich. Zunächst führte seine Witwe die Gastwirtschaft und die Landwirtschaft mit den Söhnen unter Schwierigkeiten weiter.

Um 1929/30 wurde von den Fußballern rund 300 Meter südlich der heutigen Nordstraße ein Fußballplatz gebaut, der Grund gehörte zur Hettenwirtschaft, und Frau Herb war einverstanden mit der Baumaßnahme. Die Wiese, auf welcher der Fußballplatz entstand, musste am unteren Bereich mit Aushubmaterial angefüllt werden. Das Baumaterial, welches in unmittelbarer Nähe gewonnen wurde, kam auf Schubkarren, diese wurden dann zum zukünftigen Fußballplatz gekarrt. Dadurch entstand eine etwa zehn Meter lange und sieben Meter breite Grube – eine Art Torfgrube –, welche sich bald mit Wasser füllte. In unmittelbarer Nähe verlief auch der Hettenbach, der heute verrohrt ist und in den Schwarzlaichbach fließt. Die Kinder spielten gerne in dem Moorloch, es machte großen Spaß, wenn sie bis zum Bauch in der breiigen Moormasse herumwühlten und darin stecken blieben.

Der Abfluss des Baches, der die Moorwiesen entwässert, lag ein wenig höher als heute. Deshalb konnte sich bei viel Regen ein richtiger kleiner See bilden.

Im Jahr 1934 verkaufte Familie Herb für 80 000 Reichsmark den gesamten Besitz an Sixtus Britzger. Der neue Eigentümer war ein sehr rühriger Mann, der die Fußballer ihren Platz weiter herrichten und benutzen ließ. Die Fußballer und die Zuschauer kamen ja nach den Spielen gerne in die Wirtschaft. Nachdem immer mehr Zuschauer zu den Fußballspielen kamen, wurde der Moortümpel in den Sommermonaten zum wilden Badeplatz.

Der Badesee war nicht so tief. Es reichte aber offenbar für waghalsige Sprünge.

Offenbar brachte das Sixtus Britzger auf die Idee, neben dem Sportplatz das Wasser des Moortümpels zu einem richtigen Bad auszubauen. Vermutlich in den Jahren 1935/36 unterbreitete er der Gemeinde Hohenpeißenberg den Vorschlag, anstelle des bisherigen Tümpels ein richtiges Bad zu bauen. Die Gemeinde hatte nichts dagegen.

Britzger ließ den Tümpel erweitern und vertiefen und für Nichtschwimmer einen Holzboden am Nordeingang verlegen. Der Bretterboden war etwa vier Meter lang. Das so erweiterte Bad fand reichlich Zuspruch und Hohenpeißenberger lernten dort schwimmen.

Das Bad wurde in den Sommermonaten gut besucht, vor allem für die Kinder war es ein beliebter Treffpunkt – bis Sixtus Britzger in der Nähe des Bades einen Kiosk errichten wollte und vermutlich in den Jahren 1936 oder 1937 einen entsprechenden Antrag an die Gemeinde stellte. Dieser wurde aber abgelehnt.

Die Familie Britzger hatte mit den neuen nationalsozialistischen Machthabern wenig am Hut, und das dürfte der wahre Grund für die Ablehnung gewesen sein. Britzger senior hatte mit der Landwirtschaft und dem Gasthaus genug zu tun, für die Ziele der Nationalsozialisten war er nicht zu gewinnen.

Die Ablehnung seines Antrages ärgerte ihn so, dass er die Bretter wieder entfernen ließ. Schließlich verschwand die Badestelle wieder.

Die Eichenbretter, welche einmal als Boden im Schwimmbad lagen, wurden dann von Hausbesitzern im Hetten als Zaunbretter verwendet. Teilweise hielten sie dort bis in die 1970er Jahre hinein. Sixtus Britzger ist der Urgroßvater des heutigen Hettenwirtes, Michael Britzger.

Die Informationen

für diesen Artikel hat Rudi Hochenauer unter anderem aus dem Nachlass eines inzwischen verstorbenen Hohenpeißenbergers, der auf die Bitte Hochenauers hin alles aufgeschrieben hatte, was er über das Entstehen und Verschwinden der Bademöglichkeit in Hohenpeißenberg wusste.

Rudi Hochenauer

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