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Die Kirche auf dem Hohen Peißenberg gehörte lange zur Pfarrei Peiting, ehe die Pfarrei Hohenpeißenberg gegründet wurde. Heute gehört das Gotteshaus zum Pfarrverband Peiting-Hohenpeißenberg.

Blick in die Geschichte von Hohenpeißenberg

Pfarrer Kochs Kampf für eine eigene Pfarrei

1818 wurde der heutige Ort Hohenpeißenberg eine selbstständige Gemeinde. Doch schon vorher war eine eigene Pfarrei Hohenpeißenberg gegründet worden. Der Weg dorthin war allerdings lang.

Hohenpeißenberg – In der Regierungszeit von Napoleon I. und von König Max I. Joseph „erarbeitete“ sich der erste Pfarrer vom Hohen Peißenberg, Primus Koch, diese Pfarreigründung. Zu der Pfarrgemeinde zusammengefasst wurden um den Berg verteilte Bauernhöfe und Söldner-anwesen.

Viele Jahrhunderte lang hatten die Menschen aus dem heutigen Hohenpeißenberg, vom sogenannten Bergviertel, zur Peitinger Pfarrei gehört, und wenn sie starben, wurden sie in Peiting beerdigt. Ihre Siedlungsgebiete waren erst im Besitz der Welfen und wechselten dann zu den Staufern, das Gebiet des heutigen Orts Hohenpeißenberg war damals sehr dünn besiedelt.

Konradin, der letzte Staufer, wurde am 29. Oktober 1268 in Neapel hingerichtet, und damit erbten seine Wittelsbacher Onkel sein verpfändetes Gebiet vom Lechrain. Zu diesem gehörte nicht nur Schongau, sondern auch ein Großteil des späteren Altlandkreises Schongau.

Und wenn die Stadt Schongau kürzlich ihre 750-jährige Zugehörigkeit zum Hause Wittelsbach und zu Bayern feierte, wird Folgendes nicht erwähnt: Auch der gesamte Bereich von Peiting, welcher damals seine östliche Grenze dort hatte, wo heute der Fernsehturm auf dem Hohen Peißenberg steht, war einmal Staufergebiet. Diese uralte Grenze verläuft vom Eierbacheinlauf in die Ammer hinauf auf den Berg und nördlich an einem Graben entlang hinunter bis Tritschenkreuth. Der Bereich war früher Welfen- und dann Staufergebiet, bis er wittelsbachisch wurde.

Primus Koch, Augustinerchorherr aus Rottenbuch und dann erster Pfarrer von Hohenpeißenberg, Gründer der dortigen Schule und erster Schulleiter, konnte sich diesen Erfolg der Gründung einer eigenen Pfarrei auf seine Fahnen schreiben.

Den Friedhof gibt es seit 1804

1804 wurde auf dem Hohen Peißenberg der erste Friedhof errichtet. Primus Koch tat da schon die ersten wegweisenden Schritte in Richtung einer eigenen Pfarrei. Besonders die Bauern Kaspar Finsterwalder vom „Schusterheiß“ und Philipp Baudrexl vom „Hettpeter“ waren treibende Kräfte für den Bau des Friedhofs gewesen. Mit vielen Helfern gelang dieses Vorhaben.

Pfarrer Primus Koch auf einem Öl gemälde aus dem Jahr 1812, das Bild entstand kurz vor seinem Tod. 

Pfarrer Kochs unermüdlicher Einsatz für die neue Pfarrei trug Früchte. Nachdem schon am 24. März 1809 die schriftliche Genehmigung für dieses „Bergviertel“ von höchster Stelle vorgelegen hatte, dauerte es noch geraume Zeit, bis es zur Verkündigung des freudigen Ereignisses an das Volk kam.

Am 4. Dezember 2018 jährte sich für den Ort Hohenpeißenberg und die Pfarrei ein Ereignis: 208 Jahre davor waren sicher viele Hohenpeißenberger zu Fuß nach Peiting gegangen, um etwas ganz Besonderes zu hören. Am 4. Dezember 1810, dem Namenstag der heiligen Barbara, verkündete Pfarrer Anton Bock von Peiting den Mitgliedern der neuen Pfarrei Hohenpeißenberg von der Kanzel aus: „Auf gnädigsten Befehl des hochwürdigsten Ordinariates zu Freising soll ich euch in Kenntnis setzen, dass ihr nun der Pflichten entbunden, die ihr einst eurer Mutterkirche Peiting schuldig euch angelobt, indem ihr nun zur selbständgen Pfarrei geworden seid.“

Primus Kochs gelang es, aus der Pfarrei Unterpeißenberg, welche zum Bistum Augsburg gehört, noch zwölf Höfe mit in die neue Pfarrei zu bringen. Der Weg zum Berg war ja für diese Bewohner viel kürzer als nach Unterpeißenberg zur Kirche St. Johann.

Mit in die Pfarrei Hohenpeißenberg kamen damals Höfe aus den heutigen Ortsteilen Vorder-, Mitter- und Oberschwaig, Oberbuchau, Tritschenkreuth, Fuchshölle und Bschorrwald. Insgesamt bestand die Pfarrei damals aus 63 Höfen mit gesamt 375 Einwohnern.

Primus Koch konnte sich an der erreichten Selbstständigkeit nicht lange erfreuen. Er verstarb schon im März 1812.

Heute hat Hohenpeißenberg zwar keine 63 Höfe mehr, sondern weit mehr Häuser und an die 4000 Einwohner. Und seit dem Jahr 2015 gibt es mit Peiting einen Pfarrverband.

Rudolf Hochenauer

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