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Bietet am Bahnhof Huglfing eine Ausstellung, die erst irritiert, dann fasziniert, dann philosophisch anregt: Fotografin Marita Bullmann, die am Starnberger See aufgewachsen ist und heute in Essen lebt. 

ausstellung am bahnhof huglfing  

Eine liebevolle Demontage des Reisens

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen...  Marita Bullmann  reflektiert in  Fotos und Filmen über das Reisen.

Huglfing – Ein Kunst-Erleben ist immer auch eine Reise zu sich selber: Diesen Gedanken stellte Laudator Zoltán Jókay der neuen Schau im „ausstellwerk“ voran. Auf zwei Flächen widmet sich Marita Bullmann dabei dem „Aggregat des Fernen / des Fernwehs / der nahen Fernen“. Ganz bewusst habe sie sich die Räume am Bahnhof ausgesucht – weil sie perfekt mit ihrem Thema des „Transitorischen“ korrespondieren, so die in Essen lebende Künstlerin. Mit verfremdeten Filmen und Fotos konfrontiert die 34-Jährige die Besucher mit Eindrücken von Reisen, wie man sie gerade eben nicht erwartet. Da ist ein Film über Menschen, die am Strand auf die Kamera zulaufen. Bullmann aber bricht die banale Perspektive: „Ich habe Standbild für Standbild von der Leinwand einzeln abfotografiert.“ Dass sie nicht die perfekte Taktung traf, ist Absicht. Nun ruckeln die Einstellungen, bleiben zu lange stehen oder zu kurz. Gerade das Nicht-Perfekte macht eigentlich langweilige Szenen zu einem Bewegtbild-Puzzle, mit dem sich das Gehirn gern beschäftigt. Über den optischen Reiz hinaus entsteht eine weitere Ebene der Reflexion, als wolle die Künstlerin fragen: Erinnern – wie geht das überhaupt? Und wie zuverlässig oder vollständig ist es?  Und was bleibt vom Reisen? Im Güterschuppen gibt Bullmann drei Antwortversuche: Es bleibt die reine Ästhetik der Bewegung und des Wegseins – umgesetzt als wunderbar analoge 3D-Fotoarbeit von Zugvögeln. Es bleibt ein leerer Filmstreifen – in Schleifen hängt er von der Decke. Aber wir können ihm eine Tonspur aufsprechen, eine philosophische Selbstreflexion einprägen – ein intensives fünfminütiges Hörstück der Künstlerin lässt es im Kopfhörer deutlich werden.

Unterm Strich wird unser poetischer Anspruch, ja unsere Vergötterung von Ortsveränderungen und insbesondere von Reisen durch Marita Bullmann zwar fragmentiert, aber nicht gänzlich zerstört: eine irritierende, aber letztlich doch liebevolle Demontage, umgesetzt in philosophischen Installationen.

Zu sehen

bis zum 14. Mai: Sa/So 14-17 Uhr.

Andreas Bretting

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