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Oft steigen Jugendliche in den nächsten Zug und landen in einer anderen Stadt, wenn sie nach familiären Problemen von daheim ausbrechen wollen (Symbolbild). 

Vermisstenfälle mit Jugendlichen

Darum sollten Eltern es respektieren, wenn ihr Kind ausreißt 

Es ist ist ein Schreckenszenario für Eltern: Das eigene Kind ist verschwunden, die Polizei wird alarmiert. Eine Expertin weiß, wie man mit jugendlichen Ausreißern richtig umgeht. 

Huglfing – Die seit Montagabend vermisste Ines H. aus Huglfing ist wieder aufgetaucht: Die 15-Jährige wurde in der Nacht auf Mittwoch gegen 4 Uhr in Frechen nahe Köln in Gewahrsam genommen, teilte die Weilheimer Polizei mit. Sie war körperlich unversehrt und bei guter Gesundheit. Bis zu ihrer Abholung durch die Eltern kümmert sich das dortige Jugendamt um das Mädchen. Die genaueren Hintergründe für ihr Verschwinden, den Reiseweg und die Reisemittel müssen noch ermittelt werden. 

Immer wieder Vermisstenfälle in der Region - extremer Fall in Freiburg

Zuletzt wurde auch die 14-jährige Josefin aus Halbergmoos (Kreis Freising) gesucht. Sie verschwand für fast einen Monat, berichtete Merkur.de. Ebenfalls im Kreis Freising wurde auch im Juli eine 14-Jährige gesucht. Das Mädchen aus Au in der Hallertau wurde in München von der Polizei aufgegriffen. Bundesweit großes Aufsehen erregte auch der Fall von Maria H. aus Freiburg. Sie war fünf Jahre lang weg und tauchte Ende August plötzlich wieder auf. Der Fall wirft noch viele Fragen auf.  

Interview über jugendlichen Ausreißer: „Zunächst Ruhe bewahren“

Wir sprachen in diesem Zusammenhang mit Mechthild Gödde, Leiterin der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle Weilheim-Schongau.

Aus welchen Gründen brechen Kinder und Jugendliche von zuhause aus? 

Mechthild Gödde: Auslöser ist meistens ein Konflikt, in dem ein Kind oder ein Jugendlicher sich unverstanden und nicht wirklich geliebt fühlt. Schon kleine Kinder können manchmal ihre Koffer packen und damit drohen, dass sie weglaufen. Sie entkommen so einer unangenehmen Situation. Und sie „bestrafen“ die anderen Familienmitglieder dafür, dass sie „so gemein“ zu ihnen waren. 

Wie verhalte ich mich als Mutter oder Vater, wenn mein Kind nicht nach Hause kommt? 

Mechthild Gödde, Leiterin der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle Weilheim-Schongau

Gödde: Zunächst gilt es, Ruhe zu bewahren, denn in aller Regel kommen die Kinder von selbst zurück bzw. befinden sich an einem Ort, an dem sie sicher sind. Indem sie zum Beispiel bei befreundeten Familien „Asyl“ suchen. Deshalb ist auch der erste Schritt, im Freundeskreis der Kinder nachzufragen. Wenn die Eltern dann wissen, dass das Kind in Sicherheit ist, sollten sie einen Wunsch des Kindes, nicht sofort zurückzukehren, respektieren. Denn so kann auch der oder die Ausreißerin zum Nachdenken kommen und überlegen, ob es nicht doch gute Gründe gibt, nach zu Hause zurückzukehren – meistens kommen sie dann auch zu diesem Schluss. 

Hilfreich kann es sein, ein vermittelndes Gespräch zu führen, z.B. zusammen mit den „Gasteltern“, denen sich der junge Mensch in seiner Not vielleicht geöffnet hat. Denn in der Regel steckt ja hinter dem Wunsch, die Eltern durch Weglaufen zu bestrafen, die Not der Kinder, die mit wichtigen Anliegen in vielleicht schwierigen Lebensphasen bei ihren Eltern nicht das gewünschte Verständnis finden. In zugespitzten Situationen kann auch Hilfe bei den Erziehungsberatungsstellen und beim Jugendamt gesucht werden. 

Gibt es Warnsignale, bevor Kinder oder Jugendliche abhauen? 

Gödde: Häufige und eskalierende Konflikte in der Familie sind immer ein Warnzeichen, vor allem dann, wenn sie so verhärtet sind, dass kaum noch Aussöhnungen stattfinden. Nicht jedes „Keiner versteht mich ...“ und Zuknallen der Zimmertür sollte überbewertet werden. Aber ernst genommen werden und Anlass dazu sein, in einem ruhigen Moment im gemeinsamen Gespräch die Situation zu verstehen und gemeinsam auf die Suche nach Lösungen zu gehen. Auch dann, wenn die Ursachen gar nicht im Zusammenleben in der Familie liegen. Gerade bei Jugendlichen wird in der Familie häufig der Druck abgeladen, der ganz woanders, zum Beispiel in der Schule oder im Umgang mit Gleichaltrigen, seine Ursache hat. 

Die Fragen stellte Kathrin Hauser

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