Die Firma Schunk in Huglfing soll Ende September geschlossen werden. Jetzt haben sich die Mitarbeiter etwas kurioses einfallen lassen.
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Die Firma Schunk in Huglfing soll Ende September geschlossen werden. Jetzt haben sich die Mitarbeiter etwas kurioses einfallen lassen.

Neuer Betriebsrat nicht eingeweiht

Betrieb vor dem Aus - jetzt suchen die Mitarbeiter selbst einen Käufer

Ab Ende September soll die Firma Schunk Montageautomation GmbH in Huglfing geschlossen werden. Jetzt ergreifen die Mitarbeiter einen anderen Weg, zu dem sie sogar vom Mutterkonzern ermuntert wurden.

  • Die Produktionsstätte der Firma Schunk soll in Huglfing geschlossen werden
  • Als Termin wurde Ende September genannt
  • Jetzt haben die Mitarbeiter einen neuen, sehr kuriosen Weg gefunden, um ums Überleben zu kämpfen

Huglfing/Weilheim – Neben den geplanten Verhandlungen des neugewählten Betriebsrats um einen Sozialplan gehen die 35 Mitarbeiter der Huglfinger Firma Schunk Montageautomation GmbH jetzt noch einen anderen Weg: Sie suchen selbst einen Käufer für den Betrieb, der Ende September geschlossen werden soll.

Die Mitarbeiter wurden dazu ausdrücklich vom Mutterkonzern Schunk GmbH & Co. KG ermuntert. In die Wege geleitet hat die Suche nach Interessenten Roland Knott, der Chef der Huglfinger Qualitätssicherung. Er untersteht direkt dem Geschäftsführer des Zweigwerks im Gewerbegebiet Auwiese, Bernd Schellenbauer, der in ersten Linie Prokurist und Finanzchef des Familienunternehmens in Lauffen am Neckar ist. Bei einem Gespräch, das gleich nach den Kündigungen Mitte Februar stattfand, gab Schellenbauer „grünes Licht dafür, dass wir uns darum kümmern dürfen“, erzählt Knott. Die Mitarbeiter seien vor Ort, hätten Kontakte und Netzwerke in der Region – anders als Schellenbauer, der in der Zentrale in Baden-Württemberg sitzt.

Mitarbeiter suchen Käufer: Landratsamt Weilheim-Schongau hilft dabei

Quälitätssicherer Knott wandte sich mit der Bitte um Unterstützung auch an Landrätin Andrea Jochner-Weiß, die zusagte, sich darum zu kümmern. Das Ergebnis: Eine Mitteilung der Wirtschaftsförderung, die von der Landratsamts-Pressestelle nun an die Medien verschickt wurde, mit der Überschrift: „Wirtschaftsförderung des Landkreises unterstützt die Belegschaft und sucht neuen Unternehmer für die Produktionsstätte in Huglfing“. Auf Nachfrage bestätigte Wirtschaftsförderin Simone Adelwart, dass die Unterstützung in der Versendung der Mitteilung bestehe und das Landratsamt natürlich nicht selber nach einem Käufer suche.

Ungehalten reagierte die neue Betriebsratsvorsitzende Petra Barnsteiner, als sie von der Erklärung über die Suche nach einem Käufer hörte: „Das dürfen wir doch gar nicht, wir sind doch nicht die Besitzer.“ Auch der Satz in der Landratsamts-Pressemitteilung „es gibt nicht nur eine Produktionsstätte zu kaufen, sondern auch zahlreiche hochqualifizierte Arbeitskräfte, die möglicherweise bald vor dem Aus stehen“, verärgerte sie: „Jetzt verkaufen die uns schon.“

Verkauf der Produktionsstätte in Huglfing: „Stellen lediglich Kontakt zwischen Interessenten und Zentrale her“

Das firmeninterne Missverständnis hat sich inzwischen geklärt: Dass Gespräch zwischen Knott und Schellenberg hatte vor der Betriebsratswahl stattgefunden, Petra Barnsteiner war also nicht involviert – und bis Mittwoch allerdings auch nicht informiert. „Natürlich können wir nicht selbst verkaufen“, erläutert Qualitätssicherer Knott: „Wir stellen lediglich den Kontakt zwischen Interessenten und der Zentrale in Lauffen her.“

Die Firmenleitung hat übrigens einen ersten vom Betriebsrat vorgeschlagenen Termin zu Gesprächen über Sozialplan und Interessensausgleich abgesagt. Ein zweiter, nach der Absage nachgeschobener Terminvorschlag wurde akzeptiert. Vorsitzende Barnsteiner meint skeptisch: „Jetzt müssen wir halt abwarten, ob das Gespräch diesmal zustande kommt.“ Ralf Scharnitzky

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