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Als „Ärgernis“ für Huglfing bezeichnete Bürgermeister Bernhard Kamhuber die B 472.

Die B 472 als Belastung für den Ort

Huglfing und der Wunsch nach Tempo 30

Die B 472 ist für Huglfing eine Belastung. Um den Verkehr einzubremsen, will die Gemeinde nun einen Antrag auf punktuelle Tempolimits stellen - mit geringen Erfolgsaussichten.

Huglfing – „Die B 472 ist für uns ein Ärgernis“, brachte es Bürgermeister Bernhard Kamhuber im Gemeinderat auf den Punkt. Das „Ärgernis“ würden die Huglfinger am liebsten auf eine Umfahrung verlegen. Doch ob das Megaprojekt je realisiert wird, steht in den Sternen. Im aktuellen Bundesverkehrswegeplan wird die Huglfinger Umgehung nur in der Rubrik „Weiterer Bedarf“ aufgelistet.

„In den nächsten 15 Jahren passiert da gar nix“, prognostizierte Kamhuber auf Nachfrage. Damit stellt sich für die Hungerbachtal-Gemeinde aber zwangsläufig die Frage, was sie alternativ tun kann. In der jüngsten Bürgerversammlung wurden drei Anträge auf verkehrsrechtliche Maßnahmen eingebracht. Einer beinhaltete die Forderung nach einer durchgängigen Einführung von Tempo 30 auf der Ortsdurchfahrt. In die Praxis umsetzbar ist das allerdings nicht: Zunächst einmal ist für Tempobeschränkungen auf Bundesstraßen nicht die Gemeinde, sondern das Landratsamt zuständig. Des Weiteren sind laut der Straßenverkehrsordnung Tempo-30-Zonen auf übergeordneten Straßen generell nicht möglich. Theoretisch denkbar und vom Gesetzgeber als Ausnahme zugelassen wären streckenbezogene Tempolimits zum Beispiel in Bereichen von Seniorenheimen, Schulen und Kindergärten. Allerdings liegen genau diese Einrichtungen in Huglfing nicht direkt an der Ortsdurchfahrt.

Kamhubers Kunstgriff

Kamhuber nahm deshalb bei der Diskussion im Gemeinderat einen Kunstgriff vor: So müsse doch in diese Schutzbestimmung logischerweise auch der Schulweg mit aufgenommen werden – und der führe für viele Kinder eben über die Ortsdurchfahrt. Seinem Vorschlag, einen Antrag zu stellen, der sich punktuell auf eine Geschwindigkeitsreduzierung an den drei Querungshilfen (auf Höhe der westlichen und östlichen Einmündung der Steinbruchstraße sowie am Übergang zum alten Sportplatzgelände) beschränkt, folgte der Gemeinderat. „Damit haben wir vielleicht noch einen Hauch einer Chance“, so Kamhuber. Unabhängig von den Erfolgsaussichten des Antrags sei es „wichtig, Nadelstiche zu setzen und den Behörden zu zeigen, dass wir in Huglfing mit der Verkehrssituation nicht zufrieden sind“. Keine Illusionen machte sich Harald Bauer (CSU/Bürgervereinigung): „Den Antrag können wir gerne stellen, aber das Landratsamt wird in Huglfing nie im Leben Tempo 30 zulassen.“

Der Weilheimer Polizeichef verwies darauf, dass sich die Anzahl der jährlichen Schulwegunfälle im Landkreis im einstelligen Bereich bewegt. Außerdem würden durch eine Geschwindigkeitsreduzierung in Huglfing Begehrlichkeiten von anderen Kommunen geweckt. „Aber wer fährt denn schon gerne mit Tempo 30 durch Weilheim?“, gab Bauer zu bedenken.

Der zweite Antrag, der in der Bürgerversammlung zur Ortsdurchfahrt gestellt wurde, erwies sich ebenfalls als problematisch. Ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen wäre unter gewissen Voraussetzungen (Schutz der Bevölkerung vor Lärm und Abgasen) rechtlich möglich, allerdings stellt sich die Frage, wohin der Lkw-Verkehr umgeleitet werden soll. Entlang der B 2 an Etting vorbei und dann über die Weilheimer Südspanne Richtung Oderding? Für die Huglfinger ist das keine wirkliche Alternative, sie wollen nicht nach dem Sankt-Florians-Prinzip vorgehen.

Auf Vorschlag des Rathauschefs beschloss der Gemeinderat, eine Lärmpegelmessung in Auftrag zu geben: „Mich interessiert, ob die zulässigen Grenzwerte an der Ortsdurchfahrt eingehalten werden“, so Kamhuber. Mit den Ergebnissen lasse sich dann womöglich bei den Behörden besser argumentieren. Zudem hofft man in Huglfing, dass sich der Lkw-Verkehr ab 1. Juli wieder mehr auf die Autobahnen verlagert. Ab dann gilt auch auf Bundesstraßen die Mautpflicht.

Tempo 30 im ganzen Ort?

In der Bürgerversammlung wurde noch ein dritter Antrag gestellt, wonach auf sämtlichen Gemeindestraßen im Huglfinger Ortsbereich Tempo 30 gelten soll. Wie Bürgermeister Bernhard Kamhuber im Gemeinderat ausführte, müsste dazu als Voraussetzung erst einmal ein „flächenhafter Verkehrsplan“ erstellt werden. Dabei müsse untersucht werden, wo Tempolimits rechtlich angeordnet werden dürften und an welchen Stellen nicht. Harald Bauer warnte in dem Zusammenhang vor allzu großer Euphorie: „Die Vorfahrtsregel ,rechts vor links’ ist zum Beispiel noch kein zwingender Grund für Tempo 30. Das Ergebnis wird ernüchternd sein.“ Auch bestehende Tempolimits oder ausgewiesene Spielstraßen würden bei der Planerstellung bezüglich ihrer rechtlichen Zulässigkeit auf den Prüfstand kommen: „Der Schuss kann auch nach hinten losgehen“, warnte Bauer. Dennoch: Der Gemeinderat beschloss, zusammen mit einem Verkehrsexperten einen „flächenhaften Verkehrsplan“ für Huglfing zu erstellen.

Bernhard Jepsen

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