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Das „Waldhaus“ war in Echt das Gut Rechetsberg bei Huglfing.

Vor 30 Jahre drehte das ZDF „Waldhaus“

Huglfing wurde kein zweites Glottertal

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Was kaum noch jemand weiß: In Huglfing wurde eine TV-Serie gedreht, die der Schwarzwaldklinik nacheifern sollte. Ihr Name: „Waldhaus“.

Huglfing – Große ZDF-Produktionen wie „Die Schwarzwaldklinik“ erreichten in den 80er Jahren Kultstatus und veranlassten Scharen von Serienfans dazu, zum Drehort ins Glottertal zu pilgern. Dass etwa zur selben Zeit auch im Pfaffenwinkel mit massenhaft Filmtourismus gerechnet wurde, ist heute nur Wenigen bekannt. Der Plan, mit der Serie „Waldhaus“ an den Erfolg der Klinik im Schwarzwald anzuknüpfen, ging nicht auf. Gedreht wurde in und um Huglfing.

Quote bringen sollte die Familie Kurwaski, die das im Grünen gelegene Landhotel „Waldhaus“ führt. Neben der Lösung innerfamiliärer Konflikte behandelten die Folgen Themen wie Tier- und Naturschutz. Wie das „Weilheimer Tagblatt“ im Jahr 1987 berichtete, würde die Serie „Familiär-Menschliches mit viel stimmungsvollem Heimatgefühl verbinden“.

Um für den Besuch zahlreicher Fans nach der Erstausstrahlung am 16. November vor 30 Jahren um 20.15 Uhr gewappnet zu sein, bereitete sich die Gemeinde laut dem heutigen Bürgermeister Bernhard Kamhuber damals sorgfältig vor: „Soweit ich mich erinnere, wurden damals sogar spezielle Verkehrsanordnungen für Busse getroffen. Man hat befürchtet, dass es einen ganz großen Ansturm gibt.“ Als Schauplatz der „Geschichten aus einem Landhotel“ diente das Anwesen Gut Rechetsberg. Weitere Sets waren der Bahnhof Huglfing, der Markt Murnau und der Staffelsee.

Doch weder ein prominenter Sendeplatz zur Prime-Time am Sonntagabend, noch die Besetzung mit bekannten Schauspielern wie Hansi Kraus, Heinz Moog, Maria Singer und Loni von Friedl konnten das „Waldhaus“ retten. Schon nach der ersten Staffel wurde die Serie eingestellt. Hansi Kraus, der einen der Söhne des Hotelier-Ehepaares spielte, erinnert sich gern an die Produktion zurück: „Das war einer der schönsten Drehs, die ich je gemacht habe – und dann noch in so einer tollen Gegend. Ich habe es geliebt!“

In seiner Rolle als Dieter Kurwaski, einem „Schnösel mit Porsche“, sollte sich Kraus ursprünglich „vom Hallodri zum erfolgreichen Politiker entwickeln“ – doch so weit kam es nicht.

Dass das „Waldhaus“ nicht zur nächsten „Schwarzwaldklinik“ wurde, lag laut Kraus unter anderem an „internen Querelen im ZDF“. Zusätzlich sei die Pilotfolge der Serie nie ausgestrahlt worden, was bei den Zuschauern für Verwirrung sorgte: „Dann gab es gleich anfangs schlechte Presse.“ Der „Spiegel“ titelte „Kopflos durch den Pfaffenwinkel“, die „Zeit“ gar „Das martert unsere bayerische Seele“.

Im Gegensatz zur Beschreibung der Serie auf einem Filmportal im Internet verneint Schauspieler Hansi Kraus, dass es sich bei der Serie um eine „Low Budget Produktion“ handelte: „Das war ein aufwendiger Dreh. Der Sender hatte extra ein Haus gekauft und Umbauten an der Location vorgenommen. Als Schauspieler habe ich da gut verdient. Eigentlich hätte das Projekt bis ins Jahr 2000 laufen sollen.“

Trotz schlechter Einschaltquoten und vernichtenden Kritiken scheint die Serie rund um die großen und kleinen Probleme des Familienbetriebes im idyllischen Landhotel nicht vollends ins Vergessenheit geraten zu sein. Zumindest findet sich im Internet eine Fangemeinde, die bis heute bedauert, dass die 17 Folgen der ersten Staffel nicht als DVD-Sammlung erschienen sind. Der Wunsch nach seichter Unterhaltung aus Huglfing lässt einen Nutzer auf dem Online-Portal „TV Wunschliste“ auch nach 30 Jahren nicht los – er schwärmt von den „angenehmen Handlungen zum Entspannen ohne Katastrophen“.

Marion Neumann

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