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Markus Huber in Huglfing ist einer der neuen Bürgermeister im Landkreis.

Neue Amtszeiten

Landkreis: Kaltstart in das Bürgermeisteramt

  • Andreas Baar
    vonAndreas Baar
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Gleich 18 neue Bürgermeister brachten die Wahlen im Landkreis. Sie starten im Mai ins Amt. Für Neulinge gibt es eigentlich Einführungsseminare – doch die fallen wegen der Corona-Krise flach.

Landkreis – Die Wochen nach einer Kommunalwahl sind traditionell beim Bayerischen Gemeindetag und dem Bayerischen Selbstverwaltungskolleg in Fürstenfeldbruck die Zeit des großen Hallos. Hunderte von frisch gewählten neuen Bürgermeistern und Gemeinderäten treffen sich in den Einführungsseminaren. Grundlagen der Verwaltung stehen genauso auf dem Lehrplan wie Haushalts- und Baurecht sowie Öffentlichkeitsarbeit. Doch wegen der Corona-Krise haben beide Einrichtungen ihren Seminarbetrieb vorerst bis 19. April eingestellt. Die Zeit drängt aber, im Mai starten die neuen Amtszeiten.

Dreitägige Kurse

Eigentlich sollten die neuen Bürgermeister schon jetzt beim Bayerischen Gemeindetag in dreitägigen Kursen die Schulbank drücken können. Aber: „Es ist alles abgesagt“, sagt Sprecher Wilfried Schober. Überlegt worden war virtuelles Lernen über Webinare im Internet – das wurde allerdings verworfen. Schober: „Die Leute wollen doch die Referenten sehen.“ Laut Sprecher („Es wird alles hektisch umgestellt“) sollen die nächsten Kurse im Idealfall nun Mitte Mai starten. „Wir wollen das noch vor den Sommerferien durchziehen.“ Problem: Die Rathauschefs sind dann im Amt und haben einen vollen Terminkalender.

Braucht gute Verwaltung

Dass ein neuer Bürgermeister seinen Job ohne Seminar antritt, ist gemäß Schober kein Problem. Der Gesetzgeber gehe davon aus, dass der Betreffende eh eine „gewisse Grundkenntnis“ hat, weil er oftmals bereits im Gemeinderat saß, und zudem „die Wähler wissen, wenn sie wählen“. Wichtig ist nach Ansicht des Gemeindetags vor allem eines: Dass der Neuling eine funktionierende Verwaltung hinter sich hat.

Ratserfahrung in Huglfing

In Huglfing ist für 7. Mai die konstituierende Sitzung des Gemeinderats geplant. Es wird der erste Auftritt des hauptamtlichen Rathauschefs Markus Huber (SPD/Unabhängige). Ganz unvorbereitet geht er nicht an das Amt heran – obwohl sein gebuchtes Seminar der Krisensituation zum Opfer fiel. Huber hat sich zur Sicherheit für Ende April für einen dreitägigen Kurs beim Selbstverwaltungskolleg in Fürstenfeldbruck angemeldet. Weil er als einziger Kandidat antrat, hatte er zudem eine gewisse Planungssicherheit: Bereits im November besuchte Huber am Kolleg ein Grundlagenseminar für Bürgermeister-Anwärter. „Das war wirklich topp.“ Er bekam viele nützliche Infos und Literatur, zudem beruhigte der Kontakt mit den Verwaltungsprofis den Neuling, der aus der Baubranche kommt: „Man hat gesehen, dass die auch nur mit Wasser kochen.“

Vorgänger hilft

Huber liest sich jetzt nicht nur ein, sondern nutzt die guten Kontakte zu seinem Vorgänger Bernhard Kamhuber und der im Huglfinger Rathaus sitzenden VG. „Ich werde täglich rübergehen.“ Einen Vorteil hat der neue Rathauschef auch noch: Er sitzt bereits seit sechs Jahren im Gemeinderat.

Neuling in Steingaden

Auf die Erfahrung im Gremium kann Max Bertl nicht setzen. Er ist als neuer Bürgermeister in Steingaden ein Frischling in der Lokalpolitik. Einen Termin für die konstituierende Mai-Sitzung gibt es noch nicht, aber Bertl steht in den Startlöchern. Eigentlich hat die VG-Verwaltung für ihn und den ebenfalls neuen Premer Amtskollegen Andreas Echtler (CSU) vom 22. bis 24. April ein Seminar beim Fürstenfeldbrucker Kolleg gebucht. „Wenn es denn stattfindet“, schränkt Bertl ein. Er kann sich zumindest auf die reichhaltige Erfahrung seines Vorgängers und Langzeit-Bürgermeisters Xaver Wörle stützen. „Wir hatten schon einen Einführungstermin.“ Zudem steht er mit dem Rathaus in ständigem Mailkontakt. „Ich habe mir auch Lesestoff besorgt“, erklärt Bertl. Das Studium der Fachliteratur muss er derzeit mit seiner Arbeit als Banker koordinieren: Bertl ist noch Leiter der Sparkassen-Geschäftsstellen in Rottenbuch, Böbing und Bad Bayersoien, bevor er ab Mai seinen hauptamtlichen Posten in Steingaden antritt.

Begehrter Termin

Ein begehrter Termin ist beim Bayerischen Gemeindetag derzeit noch nicht von der Absageflut betroffen: Anfang Oktober findet in Bernried eine „Bürgermeisterwoche“ statt. „Das ist eine sehr beliebte Geschichte“, weiß Sprecher Schober. In der Klinik Höhenried lassen sich viele Amtsinhaber mal gründlich durchchecken.

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