Jan Kasperlik von Allied Racing.
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Unter beengten Verhältnissen muss derzeit bei „Allied Racing“ gearbeitet werden, doch das soll sich bald ändern. Jan Kasperlik (vorn) ist neuer Eigentür des Schunk-Areals.

Allied Racing

Kfz-Werkstatt statt Maschinenbau: Rennstall zieht aufs „Schunk“-Gelände

Die Firma Schunk in Huglfing ist Geschichte. Ende September wechseln Grundstück und Gebäude endgültig den Besitzer: Neuer Eigentümer ist Jan Kasperlik, der in der Gemeinde eine Kfz-Werkstatt und den Rennstall „Allied Racing“ betreibt. Der Betrieb in der Hauptstraße wächst seit Jahren – und muss deshalb erweitern.

Huglfing – „Das ist wie ein Sechser im Lotto“, freut sich Kasperlik. Der Huglfinger Unternehmer, lagert seine Motorsportabteilung ins Gewerbegebiet „Auwiese“ aus. „Die beiden 600 und 1200 Quadratmeter großen Hallen sind ideal für uns“, sagt der 42-jährige Familienvater, der auch selbst Rennen fährt. Das Bürogebäude der Firma Schunk wird er extern vermieten. „Die Gebäude sind auf dem Stand der Technik. Wir müssen fast nichts renovieren“, lobt Kasperlik.

Die Hallen, in denen schon Vermessungsarbeiten im Gang sind, werden leer übergeben: „Mit den Maschinen dort können wir nichts anfangen. Das ist nicht unser Geschäft.“ In die kleinere Halle werden sieben Hebebühnen eingebaut. Auf denen werden hauptsächlich die elf Rennwagen zwischen den Einsätzen betreut: Porsche Carrera und GT3- und GT4-Fahrzeuge, die an verschiedenen Markenrennserien auf zahlreichen europäischen Strecken teilnehmen – etwa an diesem Wochenende die GT World Challenge im englischen Brands Hatch und am Wochenende drauf am Nürburgring der Grand-Prix. In die große Halle kommen unter anderem der Karosseriebereich mit vier schalldichten Spenglerarbeitsplätzen und das Reifenlager.

Im Motorsport-Bereich sind zwölf Festangestellte tätig und etwa 20 Freie, die vor allem zu den Rennen mitfahren. Die Fahrer der Rennwagen sind entweder Profis, die sich auf die Fahrerplätze einkaufen – also nicht wenig Geld dafür bezahlen, dass sie eine Rennserie in den „Allied-Racing“-Boliden fahren dürfen. Oder es sind Nachwuchsfahrer, die in der firmeneigenen „Academy“ ausgebildet werden. Sie zieht von Peißenberg in die große Halle um – dort gibt es zusätzliche Rennsimulatoren und ein Fitnessstudio.. „Für die kostenpflichtigen Plätze haben wir eine Warteliste. Der Kartsport boomt und bei uns folgt dann der nächste Schritt.“

Durch die Auslagerung der Motorsport-Abteilung wird Platz zur Vergrößerung der Kfz-Werkstatt an der Hauptstraße geschaffen, in der normale Straßenfahrzeuge aller Marken repariert und gewartet werden: „Wir haben mit unseren vier Hebebühnen viel zu wenig Kapazitäten.“ Der Zeitraum zwischen Anmeldung und Termin für den Kunden sei zu lang. „Wir müssen schneller werden.“ Deshalb wird der Bereich von 290 auf fast 500 Quadratmeter vergrößert.

Sieben Mitarbeiter sind in der Werkstatt beschäftigt. Die ebenfalls auf dem Gelände befindliche Tankstelle gehört der Ehefrau von Kasperlik und wird auch von ihr betrieben. In der Werkstatt und den Hallen werden außerdem Straßenfahrzeuge im Bereich Fahrwerk, Fahrverhalten und Motor-Optimierung umgebaut – früher nannte man das Tuning, Kasperlik nennt es lieber Performance.

Drei der ehemaligen Schunk-Mitarbeiter sind von Kasperlik in seinen Betrieb übernommen worden. Andere haben neue Arbeitsplätze gefunden, sind arbeitslos gemeldet oder in vorzeitige Rente gegangen. Nachdem die Belegschaft nach der überraschenden Kündigung auf Anraten von IG-Metall-Gewerkschaftsfunktionär Helmut Dinter noch einen Betriebsrat gegründet hatte, konnte in Verhandlungen noch eine – allerdings eher geringe – Erhöhung der von der Geschäftsführung angebotenen Abfindung erreicht werden. Die Schunk GmbH & Co KG aus Baden-Württemberg, nach eigenen Angaben Kompetenzführer in der Spann- und Greifsystem-Technik mit 34 Länder-Gesellschaften, hatte die Schließung wegen „sehr schwacher Auslastung und dem Strukturwandel auf dem Automobilmarkt verstärkt durch die Auswirkungen der Pandemie“ für Ende September angekündigt. Doch schon jetzt heißt es bei der auf der Web-Seite angegebene Telefonnummer: „Diese Rufnummer ist uns nicht bekannt.“

Ralf Scharnitzky

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