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Erster Fall in Bayern: Raubtier aus Asien reißt Schafe

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Von: Boris Forstner

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Bei Jakob Buchner nahe Huglfing sind drei Schafe gerissen worden. Die Untersuchung ergab nun, dass es sich um einen Goldschakal handelt.

Huglfing – Weitab jeder Siedlung, liegt der Weiler Grasleiten mitten im Wald zwischen Huglfing, Uffing, Böbing und Peißenberg. Nur zwei Höfe gibt es in dieser Idylle, Jakob Buchner bewohnt einen davon. Seit vergangenem Jahr betreibt der 69-Jährige zusammen mit einem Bekannten eine Schafhaltung, 50 bis 60 weiße und schwarze Waldschafe tummeln sich auf der Wiese rund 150 Meter entfernt vom Hof. Zum Teil war die Herde nicht einmal eingezäunt, sagt Buchner, was sollte schon passieren?

Das änderte sich schlagartig am 28. April. An diesem Morgen fand Buchner drei tote Schafe verteilt über die Weide, übel zugerichtet und zum Teil angefressen. Zwei erst zwei Tage alte Zwillings-Lämmer waren zudem verschwunden. „Ich habe gleich gedacht, das muss ein Wolf gewesen sein“, sagt Buchner, der sofort die Fachleute des Landesamts für Umwelt (LfU) verständigte. Die sind zuständig für derartige Fälle von großen Beutegreifern.

War es ein Wolf? Experte ist skeptisch

Doch der angereiste Mitarbeiter, der den Vorfall dokumentierte und genetisches Material entnahm, war eher skeptisch, erinnert sich Buchner. „Der hat gesagt, dann hätten die Schafe anders ausgeschaut. Er meinte, das sei kein großes Raubtier gewesen und hatte eher einen Fuchs im Verdacht.“ Vielleicht wurde der Fall deshalb nicht mit allergrößter Priorität behandelt.

Landwirt Jakob Buchner mit den scheuen Waldschafen, die sich bei der Hitze in den Schatten zurückgezogen haben.
Landwirt Jakob Buchner mit den scheuen Waldschafen, die sich bei der Hitze in den Schatten zurückgezogen haben. © Foto: Boris Forstner

Denn erst vergangene Woche, nach mehr als drei Monaten, wurde Buchner telefonisch das Ergebnis des DNA-Tests durchgegeben. Das verblüffende Ergebnis: Keiner von beiden hatte Recht – es handelte sich bei dem Raubtier um einen Goldschakal.

Der Goldschakal - ein Zuwanderer aus Asien

Der Goldschakal schaut aus wie eine Mischung aus Fuchs und Wolf, ähnelt in seinem Beutefangverhalten laut LfU aber einem Fuchs und ist mit einer Schulterhöhe von 35 bis 50 Zentimeter auch nur wenig größer. Er ist die einzige Schakal-Art, die in Europa vorkommt und eigentlich in tropischen und subtropischen Regionen Asiens heimisch. In Europa ist der Goldschakal vor allem auf dem Balkan häufig, breitet sich seit einiger Zeit aber immer weiter nach Westen und Norden aus. Mittlerweile gibt es größere Populationen auch in Österreich und Norditalien. In Deutschland tappte ein Goldschakal 2012 in eine Fotofalle im bayerischen Wald, es war der erste Nachweis in Bayern.

Dieses unerwartete Resultat sorgte auch im LfU für einige Aufregung. Denn der Goldschakal wurde in Bayern bisher nur neun Mal nachgewiesen, entweder durch den Fund eines toten Tiers, den genetischen Nachweis oder Bildmaterial, 14 weitere angebliche Sichtungen konnten nicht bestätigt werden. Doch der Fall in Grasleiten „ist der erste Nutztierriss in Bayern, der nachweislich auf einen Goldschakal zurückzuführen ist“, sagte ein LfU-Sprecher – eine Sensation.

Raubtier treibt sich wohl schon eine ganze Zeit in der Gegend herum

Buchner glaubt, dass sich das Raubtier, das hierzulande noch äußerst selten ist, schon länger in der Gegend herumgetrieben hat. Denn ein Bekannter habe zur damaligen Zeit ein Raubtier im Wald gesehen und gedacht, es sei ein Wolf. „Das könnte der Goldschakal gewesen sein“, mutmaßt Buchner.

Schakal im Bayerischen Wald
Dieser Goldschakal, der 2012 in eine Fotofalle im Bayerischen Wald tappte, war der erste Nachweis des Tiers in Bayern. Jetzt hat das Tier nahe Huglfing zugeschlagen. © Nationalpark Bayerischer Wald

Normalerweise wird Tierhaltern, die einen Verlust durch einen großen Beutegreifer erleiden, der materielle Schaden ersetzt – bei Buchner wären das nach eigener Schätzung rund 400 Euro. Das Problem: „Der Goldschakal zählt nicht zu den großen Beutegreifern und besitzt einen geringeren Schutzstatus als Wolf, Bär oder Luchs. Ein Schadensausgleich auf Grundlage der Ausgleichregelung Große Beutegreifer ist folglich nicht möglich“, teilte das LfU mit.

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Erster Nutztierriss in Bayern durch einen Goldschakal: Neue Regelungen?

Weil es der erste nachgewiesene Nutztierriss eines Goldschakals in Bayern gewesen sei, müssten auch mögliche Regelungen für einen Umgang mit dem Goldschakal erst geprüft werden, einschließlich der Frage einer Aufnahme in das Bayerische Jagdrecht, so der Sprecher.

Buchner hofft jetzt, dass der Goldschakal längst weitergezogen ist. Die Chancen stehen gut, schließlich ist seit Ende April schon viel Zeit vergangen und seitdem nichts mehr passiert. Seine Schafe sind seitdem immer eingezäunt – aber im Fall der Fälle wäre das für den Goldschakal vermutlich kein unüberwindbares Hindernis.

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