Obwohl in den vergangenen Jahren große Summen am Standort Huglfing der Firma Schunk Montageautomation investiert wurden, schließt man das Werk und hat allen Mitarbeitern überraschend gekündigt.
+
Obwohl in den vergangenen Jahren große Summen am Standort Huglfing der Firma Schunk Montageautomation investiert wurden, schließt man das Werk und hat allen Mitarbeitern überraschend gekündigt.

Betriebsrat soll noch gegründet werden

Schunk-Schließung: IG Metall will „helfen, zu retten, was eigentlich nicht mehr zu retten ist“

Es traf sie völlig überraschend: Vor wenigen Tagen bekamen die 35 Beschäftigten der Schunk Montageautomation GmbH in Huglfing die Kündigung für Ende September überreicht. Nun soll noch schnell ein Betriebsrat gewählt werden, der mit der Unternehmensleitung einen Sozialplan aushandeln will.

Huglfing – Es ist noch nicht lange her, da investierte die Schunk GmbH & Co. KG aus Baden-Württemberg massiv in ihr neues Zweigwerk in Huglfing: 2015 wurde eine zweite Fertigungshalle gebaut. Das Familienunternehmen hatte die 2003 gegründete Firma Gemotec, die nach der Finanzkrise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, 2010 übernommen und als Zulieferer in ihr Portfolio eingegliedert.

Keine Rede von Interessensausgleich oder Sozialplan

Das Unternehmen nennt sich selbst Kompetenzführer in der Spann- und Greifsystem-Technik. Die Firma betreibt 34 eigene Ländergesellschaften und neun Produktionswerke. Noch 2019 versprachen die Geschäftsführer Heinz-Dieter Schunk und Henrik Schunk, mehr als 80 Millionen Euro in vier Werke zu investieren. Und nun das: Mitte Februar wurde den Beschäftigten mitgeteilt, dass der Fertigungsstandort Huglfing zum 30. September geschlossen wird.

Auf Anfrage der Heimatzeitung erklärte die Firma schriftlich, dass man damit auf die „zuletzt sehr schwache Auslastung in Huglfing, bedingt durch den Strukturwandel auf dem Automobilmarkt und verstärkt durch die Auswirkungen der Pandemie“ reagiere. Johannes Ketterer, Executive Vice President Business, wird so zitiert: „Jetzt ist es wichtig, dass wir mit den Beschäftigten vor Ort ein bestmögliches Übergangsszenario umsetzen.“ In den Kündigungen, die „aus dringenden betrieblichen Gründen“ mit der sogenannten Auslauffrist von sieben Monaten ausgesprochen wurden, waren die Beschäftigten lediglich dazu aufgefordert worden, sich rechtzeitig nach anderen Jobs umzuschauen und sich arbeitssuchend zu melden. Keine Rede von Interessensausgleich oder Sozialplan.

Betriebsrat soll noch gegründet werden, um zu verhandeln

Rechtlich ist dies allerdings auch nicht notwendig: Denn in Huglfing gibt es keinen Betriebsrat – also keinen Verhandlungspartner. Helmut Dinter von der IG Metall in Weilheim kommentiert das so: „Kein Betriebsrat und damit kein Sozialplan und keine Abfindung. Blöd gelaufen, so geht der Weltkonzern mit seinen Mitarbeitern um.“ Gewerkschafter Dinter, der von den 35 Beschäftigten (zwei hatten bereits vor Kurzem von sich aus gekündigt) zu Hilfe gerufen wurde, will nun dabei „helfen, zu retten, was eigentlich nicht mehr zu retten ist“.

Am kommenden Montag soll trotz der schon ausgesprochenen, aber noch nicht vollzogenen Kündigungen ein Betriebsrat mit drei Mitgliedern gewählt werden. Für Dinter bisher ziemlich einmalig: „Wir müssen sehen, wie sich das nach der Wahl rechtlich entwickelt.“ Eventuell könnte die Wahl angefochten werden.

Danach sieht es derzeit allerdings nicht aus. Wie am Mittwoch von Mitarbeitern zu erfahren war, hat das Unternehmen inzwischen wohl aufgrund der anstehenden Wahl ein Abfindungsangebot vorgelegt – allerdings bei weitem nicht so, wie die Gekündigten sich das vorstellen.

Mitarbeiter hatten nicht mit Schließung gerechnet

Die künftigen Betriebsräte werden deshalb die Firmenleitung auffordern, mit ihnen in Verhandlungen über Abfindungen, Interessensausgleich und Sozialplan einzutreten. Die Firma teilte auf Tagblatt-Nachfrage mit, dass sie „selbstverständlich mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten“ werde. Mit einer Schließung hatten die Huglfinger Mitarbeiter, unter denen noch drei ehemalige Gemotec-Gesellschafter sind, nicht gerechnet. „Wir haben erwartet, dass unser Betrieb verkleinert oder umgestaltet wird – aber eine Schließung: Nein“, erzählen einige der Gekündigten, die nicht genannt werden wollen.

Jetzt setzen sie auf die Verhandlungen, um wenigstens finanziell noch einiges zu erreichen: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Die Lauffener Firmenspitze hat Bürgermeister Markus Huber telefonisch über einen geplanten Verkauf des Grundstückes informiert. Allerdings sei der Verbleib des Firmengeländes, der Hallen und der Maschinen nicht geklärt. „Es findet eine Vernichtung von hochqualifizierten Arbeitsplätzen in Huglfing statt“, wird der Rathauschef deutlich. Da der Arbeitgeber seiner „sozialen Verantwortung nicht gerecht wird“, erklärt sich die Gemeinde mit der Belegschaft solidarisch: Es müssten wenigstens Abfindungen für deren langjährige Beschäftigung gezahlt werden.

VON RALF SCHARNITZKY

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare