Die Trachtler aus Huglfing zeigt dieses Gruppenbild aus dem Jahr 1933.
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Die Trachtler aus Huglfing zeigt dieses Gruppenbild aus dem Jahr 1933.

Trachtler-Jubiläum

„D’Werdenfelser“ aus Huglfing werden 100

Was wäre das für ein Fest geworden: Der „Gebirgstrachten-Erhaltungsverein D’Werdenfelser Huglfing“ wird 100 Jahre alt. Und ohne Pandemie würde wohl eine pfundige Festwoche mit allem, was zum bayerischen Brauchtum gehört, stattfinden, wenn man sich an die Feiern etwa zum 70. und 80. Geburtstag der Trachtler erinnert.

VON RALF SCHARNITZKY

Huglfing – „Treu dem guaden oiden Brauch“, unter diesem Motto, das auch heute noch für die etwa 250 Mitglieder gilt, stand die Gründungsversammlung am 5. Juni 1921. Im Gasthaus Höck trafen sich auf Initiative des Bergmanns Hans Achmüller „24 heimatverbundene Buam und 9 Deandl’n“, um den Grundstein für einen Trachtenverein zu legen. „Sie machten es sich zur Aufgabe, auch in dem friedlichen Ort im Hungerbachtal die Oberländer Tracht und die guten alten Sitten und Gebräuche zu erhalten und zu fördern“, schrieb Hans Baur, damals und heute 1. Schriftführer der „D’Werdenfelser“, in einer Festschrift.

Diese 151-seitige Broschüre erschien 2001 anlässlich der Festwoche, bei der Mitte Mai gleich fünf Vereine ein Jubiläum feierten: 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr, 125 Jahre Schützengesellschaft, 80 Jahre Trachtler, 50 Jahre Musikkapelle und 30 Jahre Spielmanns- und Fanfarenzug. Baur erzählt im Rückblick: „So etwas hatte es in Huglfing noch nie gegeben. Das Fest dauerte zehn Tage und war ein voller Erfolg.“ So ein ähnliches Fest wäre heuer im Sommer unter Vorstand Josef Sepp geplant gewesen – zusammen mit dem SC 1920 Huglfing, der sein 100-Jähriges im vergangenen Jahr nicht feiern konnte.

Es sind die Feste, Feiern, Umzüge und Prozessionen sowohl zu weltlichen wie auch kirchlichen Anlässen in Huglfing, die nicht nur das Leben des Trachtenvereins prägen, sondern mit denen die Trachtler auch das Leben im Ort mitgestalten. Bürgermeister Markus Huber, dem die Förderung und Unterstützung des Ehrenamtes und des Vereinslebens ein persönliches Anliegen sind, lobt seine Vereine: „Hier werden Werte wie Gemeinschaft und Zusammenhalt geschaffen, hier sind Menschen füreinander da, hier entsteht Dorfgemeinschaft.“ Bürger könnten sich einbringen und Traditionen würden gefördert und erhalten: „So auch bei unseren Trachtlern.“

Auch in der Oberländer Trachtenvereinigung – Huglfing ist eines der nördlichsten Mitglieder – sind „D’Werdenfelser“ seit Jahrzehnten aktiv: Sie sind nicht nur gern gesehener Gast bei den Feiern anderer Trachtenvereine im Oberland. Die großen Gaufeste mit Umzügen von Hunderten Trachtlern und Musikkapellen haben sie auch schon selbst veranstaltet – das erste Mal 1954. Wichtige Termine sind in nicht von der Pandemie betroffenen Vereinsjahren unter anderem auch die Beteiligung an Leonhardifahrten, Theateraufführungen, Trachtenkranzl und die Christbaumversteigerung.

Eines der wohl größten Ereignisse in der Vereinsgeschichte fand am 16. Dezember 1977 statt: „Nach unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden und einer 13-monatigen Bauzeit“, wie Schriftführer Baur aufzählt, konnte das im alpenländischen Stil auf einer Anhöhe über dem Hungerbachtal errichtete Trachtenheim eingeweiht werden: „Brauchtum und Vereinsleben sollten zum Wohle der Dorfgemeinschaft hier ein bauliches Zuhause finden“, heißt es in der Chronik des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins.

Ende der vergangenen Woche hat der Trachtler-Vorstand sich zusammengesetzt und beschlossen, für Anfang September einen Freiluft-Gottesdienst mit Totengedenken zu planen. Der genaue Termin muss noch mit dem SC Huglfing abgestimmt werden. Ob danach eine kleine Feier beziehungsweise ein Ausschank möglich ist, hänge von der Corona-Situation ab, hieß es nach der Sitzung.

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