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Dankbarer Händedruck für ihren Lebensretter. Ingrid Klauser zusammen mit Jörg Wurzer, der sie am Ammerwehr bei Peißenberg vor dem Ertrinken gerettet hat. 

Aus der Ammer gerettet

„Ich bin dem Jörg so dankbar, dass ich noch lebe“

Peißenberg   - „Ich bin dem Jörg so dankbar, dass ich noch lebe“, sagt Ingrid Klauser. Sie bedankte sich bei dem Mann, der sie  aus der Ammer gerettet hatte.

Ingrid Klauser kam auf Krücken. Der Überlebenskampf der 75-jährigen Frau aus Böbing am vorvergangenen Sonntag im Ammerwehr bei Peißenberg (wir berichteten) hat bei ihr zu schweren Muskelverspannungen geführt. Doch als sie am gestrigen Freitag in Peißenberg vor ihrem Lebensretter stand, da legte sie die Gehhilfe schnell beiseite, und es folgte eine herzliche Umarmung. „Ich bin dem Jörg so dankbar, dass ich noch lebe“, sagte die 75-Jährige.

Ursprünglich war Ingrid Klauser davon ausgegangen, dass ihr Lebensretter Joachim heißt. Sie hat nach ihm gesucht. Doch bereits am nächsten Tag stellte sich heraus: Der Mann, der sie aus den Fluten der Ammer rettete, heißt Jörg, und sein Nachname ist Wurzer.

Der 45-jährige Familienvater, der von Beruf Qualitätsleiter bei „Aerotech“ in Peißenberg ist, hat am vergangenen Sonntagnachmittag als Einziger von vielen Badegästen die gefährliche Situation am Ammerwehr richtig erkannt – und dann beherzt eingegriffen, als es um Leben oder Tod ging.

„Ich stand zusammen mit meiner Tochter Kira oberhalb des Wehrs und wollte gerade runterrutschen, da habe ich gesehen, wie im Strudel ein Kleidungsstück durchgewirbelt wurde – und dann kam auf einmal ganz kurz auch ein Gesicht zum Vorschein“, erinnert sich Jörg Wurzer. Und der 45-jährige Peißenberger zögerte dann keine Sekunde, sprang sofort das Wehr hinunter und versuchte, die Ertrinkende zu greifen. Das ist ihm auch gelungen. Mit beiden Händen zog er die völlig erschöpfte Ingrid Klauser aus dem Wasser und hielt sie aufrecht fest.

„Ruhig schnaufen, das kriegen wir schon“, beruhigte Jörg Wurzer die 75-jährige, die einige Zeit benötigte, bis sie wieder bei vollem Bewusstsein war. Dann wurde Ingrid Klauser ans Ufer geleitet, wo sie sich an einem schattigen Platz von dem riesigen Schrecken erholen konnte. Ins Krankenhaus wollte sich Ingrid Klauser nicht bringen lassen, weil daheim ihr Hund Titti wartete, wie sie erzählt. Und immer wieder blickt sie Jörg Wurzer, der sie vor dem Tod bewahrt hat, dankbar an.

„Wenn man die Ammer kennt, ist es am Wehr bei Niedrigwasser gar nicht so gefährlich“, so die Einschätzung von Jörg Wurzer. Er kennt den Fluss schon aus seiner Kindheit. Im Gegensatz zu Ingrid Klauser, die an der falschen Stelle übers Wehr rutschte und dies dann beinahe mit ihrem Leben bezahlen musste.

„In die Ammer gehe ich nie mehr rein“, hat sich die 75-jährige Böbingerin geschworen. 

Michael Gretschmann

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