Schrieb einen Brandbrief an die Staatsregierung: Andrea Fessmann, Leiterin der Iffeldorfer Meisterkonzerte.
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Schrieb einen Brandbrief an die Staatsregierung: Andrea Fessmann, Leiterin der Iffeldorfer Meisterkonzerte.

Konzert-Verbote wegen Corona-Pandemie

„Da wird mir himmelangst“ - Meisterkonzerte-Chefin schreibt Brandbrief an Staatsregierung

  • vonWolfgang Schörner
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Mit einem Brandbrief hat sich Andrea Fessmann, künstlerische Leiterin der Iffeldorfer Meisterkonzerte, an die Staatsregierung gewandt. Sie sorgt sich vor allem, weil wegen der wieder verschärften Corona-Einschränkungen vielen Künstlern die Lebensgrundlage entzogen wird. Über die Zukunft der eigenen Konzertreihe sagt: „Wir dürfen nicht aufgeben.“

Iffeldorf – Für die Sängerin und Dirigentin Andrea Fessmann, ihre Iffeldorfer Meisterkonzerte und den KlangKunst-Chor ist das Corona-Jahr ein einziges Auf und Ab. Von einer Berg- und Talfahrt hatte sie im Frühjahr gesprochen. Für ihren KlangKunst-Chor starb damals ein lange vorbereitetes Projekt, eine Aufführung der „Carmina Burana“ in der New Yorker Carnegie-Hall. Bergauf ging es dann wieder im Sommer. Der Klangkunst-Chor gab die „Carmina Burana“ zwei Mal als Open-Air in Iffeldorf. Und auch Meisterkonzerte konnten, unter Hygiene- und Abstandsregeln, an zwei Tagen im September und Oktober stattfinden. „Wir mussten jede Gelegenheit beim Schopf packen“, sagt Andrea Fessmann. „Musik ist nun mal unser Leben.“

Mit Iffeldorfer Meisterkonzerten und KlangKunst ist es erst mal wieder vorbei

Seit Anfang November ist es wieder vorbei. Das nächste Meisterkonzert wäre am 29. November. Andrea Fessmann hat zwar eine Sondergenehmigung beantragt für den Fall, dass die Infektionszahlen sinken und ein Ende des Lockdowns absehbar ist. Ihr Hoffnung geht aber gegen Null. Mittlerweile ist sie überzeugt, dass ebenso das letzte Konzert am 12. Dezember abgesagt werden muss, auch wenn sie dies noch nicht getan hat.

Brandbrief an Staatsregierung: Fessmann sieht sich als Kämpfer für andere Künstler

Mit dem ersten Lockdown im Frühjahr und den Regelungen im Sommer sei sie klar gekommen, sagt die Iffeldorferin. Sie habe gehofft, dass die Regeln so bleiben oder sogar leichter werden. Ein harter Schlag war nun, dass es angesichts der gestiegenen Infektionszahlen wieder zu schärferen Einschränkungen kam und Kulturstätten geschlossen wurden. Deshalb jetzt auch der Brandbrief, den Andrea Fessmann als Kulturschaffende und Vorsitzender der Iffeldorfer Meisterkonzerte an den bayerischen Ministerpräsident Markus Söder und mehrere seiner Minister gerichtet hat. Darin fordert sie die Staatsregierung auf, Konzerte der klassischen Musik mit „ausgefeilten Hygienekonzepten und Lüftungsregeln“ vom Verbot auszunehmen. Sie verweist darauf, dass die Kultur gegenüber den Wirtschaft ungleich behandelt wird. Fessmann sorgt sich vor allem, weil Künstlern durch die Verbote „die Lebensgrundlage entzogen wird“. Sie hätten kein Einkommen mehr, sagt sie. Die versprochenen Künstlerhilfen kommen nur schleppend, gar nicht oder sind zu wenig. „Ich frage mich, wie die Künstler leben sollen“, sagt sie. „Da wird mir himmelangst.“

Andrea Fessmann: „Die Menschen leben nicht vom Brot allein“

Sie selbst, sagt Andrea Fessmann, habe das Glück, dass sie an der Musikhochschule einen Lehrauftrag hat und ihr Mann eine gute Rente. „Wir kommen über die Runden.“ Außerdem lebe man an einem der schönsten Plätze auf der Welt, habe ein Dach über den Kopf, fließendes Wasser und keinen Krieg. Sie wisse das zu schätzen, versichert die Iffeldorferin. Sie fühle sich aber, was den Brandbrief angeht, „als Kämpferin für andere“. Zugleich gelte, sagt sie: „Die Menschen leben nicht von Brot allein,“ Die Gesellschaft brauche Kunst und Kultur. Es sei berührend gewesen, als sich im Sommer bei Auftritten in München Zuhörer mit Tränen in den Augen bedankt hätten.

Die Iffeldorferin will aber nicht missverstanden werden. „Ich bin keine, die sagt, man braucht keine Maske.“ Infektionsschutz ist wichtig – das hat sie auch in ihrem Brandbrief deutlich gemacht. Andererseits verweist sie auf die Studie „Restart-19“, wonach Kulturveranstaltungen mit bestimmten Hygieneregeln möglich erscheinen.

Planungen für Meisterkonzerte 2021: „Man darf sich nicht schrecken lassen“

Und wie steht es mit den Iffeldorfer Meisterkonzerten und dem KlangKunst-Chor? Lässt sich angesichts der Unsicherheit überhaupt für nächstes Jahr planen? „Na, klar“, antwortet Andrea Fessmann. „Man darf sich nicht schrecken lassen.“ Angst lähme, sagt sie. „Und wenn wir uns lähmen lassen, geben wir auf.“ Das erste Meisterkonzert im kommenden Frühjahr plant sie gleich mit Ersatzterminen als Open-Air im Sommer. Und für den KlangKunst-Chor suche sie Stücke aus, die auch im Freien aufgeführt werden können. „Es ist mühsam und kostet dreimal so viel Energie, und es ist teuer, aber man macht zumindest etwas,“ sagt sie. Man müsse legale Möglichkeiten finden und sie kreativ nutzen. Mit vereinten Kräften werde man das hinkriegen, sagt Fessmann, die der Gemeinde Iffeldorf und den Konzertbesuchern für die Unterstützung dankt. „Wir stehen auf dem Gaspedal“, sagt sie. „Und gleichzeitig ist die Handbremse gezogen.“

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