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Fastenprediger Rudi Michl machte sich so seine Gedanken über das Dorf und die Nachbarn.

Fastenpredigt in Iffeldorf  

Gut, dass es die Penzberger gibt

Beim Starkbierfest in Iffeldorf teilte Fastenprediger Rudi Michl aus. Aber im Dorf gab es wenig zum Derbleckn. Dafür aber bei den Nachbarn

Iffeldorf – Nein, eine Kopie will er nicht sein, der Rudi Michl. „Ich bin immer noch der Rudi Michl und kein Bonifatius oder Servatius“, stellte er darum auch gleich klar, als er beim alljährlichen Starkbierfest der Musikkapelle Iffeldorf im Gemeindezentrum hinters Rednerpult trat und von dort aus seinen ganz eigenen Rückblick auf das Jahr 2016 hielt.

Aber wie sollte er den Iffeldorfern denn bitteschön die Leviten lesen, wenn außer einem geklauten Fahrrad am Bahnhof nichts Arges passiert ist in diesem „Dorf der Glückseeligen“? Vergleiche mit dem großen Nachbarn Penzberg mussten also her. Den konnte man herrlich abwatschen und anhand der dortigen Querelen und Geschehnisse die Iffeldorfer Idylle wunderbar herausarbeiten. Da war natürlich die Renovierung der Penzberger Stadthalle, die dortigen Verzögerungen beim Baufortschritt und die Suche nach geeigneten Wirtsleuten ein Thema. Probleme, die die Iffeldorfer nicht kennen. Deren Rathaus sei immerhin pünktlich fertig geworden – inklusive eines Oval Offices für Bürgermeister Hubert Kroiß. Und während es in Penzberg gedauert habe, bis man zur Küche in der Stadthalle einen Wirt gefunden hatte, habe es der Chef im Landgasthof „Osterseen“ sogar mal geschafft, ohne Küche zu kochen.

Und erst der Penzberger Stadtplatz: Während er bekannt ist „als Partymeile mit intoleranten Nachbarn“, die sich schon ab 18 Uhr über Lärmbelästigung beklagen, seien die Iffeldorfer eine „lustige, tolerante und feierbegeisterte Gesellschaft“, die sich „g‘freit, wenn am Vitus-Platz was los ist“. Ja, bei der Fastenpredigt im Gemeindezentrum waren es nicht die Iffeldorfer, die abgewatscht wurden. Stattdessen waren es außer den Penzbergern auch noch die Antdorfer und Sindelsdorfer, die von Michl ihr Fett wegbekamen. Etwa für die Tatsache, dass beide Gemeinden bis dato keine Flüchtlinge aufgenommen haben. Dabei würden Flüchtlinge sicherlich sehr gern nach Sindelsdorf ziehen, wie Michl unkte. Warum? „Weil bekannt ist, dass Sindelsdorf 20 Jahre hinten dran ist.“ Angesichts der internationalen Krisen also noch ein sicheres Fleckchen Erde.

Und wie sieht der Fastenprediger die Zukunft seiner Osterseen-Gemeinde? Ganz einfach: Penzberg, als „Hauptstadt von Absurdistan“ verliert in Kürze sein Recht auf Selbstverwaltung und wird eingemeindet. Dann bräuchten die Iffeldorfer auch keine Mauer im Stile Donald Trumps mehr zu bauen. „Denn die können sich die Penzberger eh nicht leisten.“ Mit den Gewerbesteuereinnahmen der Stadt könnte man dann den Fischkalter überdachen und ihn zum Olympiatrainingsgelände für die Schwimmer erklären. Dann brauchen die auch kein Wellenbad mehr. Denn wenn am Osterseenufer der Wind blast, hat man ja automatisch Wellenbetrieb. Und der kost‘ nix.

Franziska Seliger

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