Solisten und der Tölzer Knabenchor geben Orffs „Carmina Burana“ vor dem Iffeldorfer Gemeindestadl zum Besten.
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Ohne Orchester, aber mit Leidenschaft und Abstandsregeln: Die Aufführung von von Orffs „Carmina Burana“ vor dem Gemeindestadl in Iffeldorf geriet zum unvergesslichen musikalischen Triumph über die Krise.

Aufführung anders als vergleichbare

Gemeindestadl in Iffeldorf statt Carnegie Hall in New York

In Iffeldorf waren fantastische Solisten und der Tölzer Knabenchor zu Gast. Ihre Aufführung von Orffs „Carmina Burana“ war umjubelt.

Iffeldorf – Was für ein fantastisches Konzert! Am frühen Sonntagabend wurde auf einer Wiese vor dem Gemeindestadl in Iffeldorf „Carmina Burana“ von Carl Orff aufgeführt. Eine Besonderheit, ein Juwel, wie sich herausstellte. Denn diese Aufführung war in vielerlei Hinsicht so ganz anders als vergleichbare. 400 begeistert Zuhörer sprangen spontan auf, als der berühmte Schluss „O Fortuna“ verklungen war.

Mit Inbrunst wurden hier von über achtzig Mitgliedern des KlangKunst Chors Iffeldorf und Gästen des „#trotzcorona“-Chors die markanten Töne heraus geschmettert. Endlich durfte man wieder singen! „Eigentlich hätten wir dieses Konzert im Mai in der Carnegie Hall in New York aufgeführt“, erklärte Andrea Fessmann, Künstlerische Leiterin, dem Publikum zu Beginn. Aber wie es überall im kulturellen Bereich passierte – coronabedingt wurden Pläne durcheinandergewirbelt.

Doch Andrea Fessmann kämpfte. Sie schaffte es, unter den erschwerten Probenbedingungen eine Aufführung aus dem Boden zu stampfen, die ihresgleichen sucht. Es gab kein Orchester. Allein das ist schon spektakulär. Mit zwei Klavieren (Anne Horsch und Klaus Fessmann) und einem gewaltigen Percussion Ensemble „INDEX 4“, setzte Fessmann das typisch Orff‘sche Klangbild in einer bewundernswerten Form um. Trotz vorheriger Skepsis vermisste man zu keinem Zeitpunkt das Orchester. Im Gegenteil. Die Intensität der Musik, ihr so eigentümlicher Charakter, wurde hier besonders unterstrichen und kam zur Entfaltung. Großartiges leistete der hochkonzentrierte Chor dabei. Auf über dreißig Meter auseinandergezogen, in großen Abständen zueinander – die Hygienemaßnahmen schrieben es vor –, wirkten die Chormitglieder zunächst ungewöhnlich verloren und einsam dastehend. Aber das war nur das äußere Bild. Gesanglich entpuppte sich der Chor aus einem Guss. Die Einsätze, die Intonation, die Ausdruckskraft – alles passte hervorragend.

Man spürte die Lust, die Freude jedes Einzelnen, dieses Konzert aufführen zu können. Und dann noch die Solisten. Der mexikanische Tenor Oscar de la Torre sang mit klarer Stimme herzergreifend die schwindelerregend hohen Töne der skurrilen Cantate vom singenden gebratenen Schwan „Cignus ustus cantat“.

Thomas Hamberger (Bass) verkörperte mit dröhnendem Bass den Abt von Cucanien. Und Anna Karmasin (Sopran) verzauberte mit ihrer volltönenden, klaren Stimme das Publikum bei dem innigen Lied „In Truitina“. Noch eine Besonderheit erwartete das Publikum. Die Passagen des Kinderchors übernahm an diesem Abend der Tölzer Knabenchor und rundete mit klaren, hellen Stimmen dieses fantastische Konzert ab. Es wird sicherlich als musikalischer Triumph in Erinnerung bleiben.  Regina Wahl-Geiger

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