Mehrere Ziegen und ein Esel stehen in einem Hof
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„Ein liebevolles Zuhause für gerettete Tiere“ will das Gut Aiderbichl in Iffeldorf sein. Per Postwurfsendung sucht die Stiftung derzeit nach neuen Spendern. Denn die Angst vor einem erneuten Lockdown ist groß.

Postwurfsendung verteilt

Gut Aiderbichl beklagt „dramatische Lage“ - und bittet um Spenden

  • Franziska Seliger
    VonFranziska Seliger
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Das Gut Aiderbichl in Iffeldorf scheint in einer akuten Notlage. Zumindest erweckt die Postwurfsendung diesen Eindruck, die im Laufe der vergangenen Tage an viele Haushalte im Umkreis des Guts verteilt wurde. Auf Nachfrage scheint die Lage aber nicht gar so dramatisch zu sein.

  • Das Gut Aiderbichl in Iffeldorf hat Postwurfsendungen verteilt
  • Darauf zu lesen ist, dass das Gut in einer Notlage ist
  • Doch so dramatisch scheint die Lage nicht zu sein

Iffeldorf – „Notruf!“. „6000 Tiere: Versorgung in ernster Gefahr!“: Diese Schlagworte springen einem als erstes ins Auge, wenn man die Postwurfsendung liest, die die Gut Aiderbichl Stiftung Deutschland unter anderem an Penzberger Haushalte verteilt hat. Umrahmt von den Fotos süßer Tierbabys, bittet die Stiftung darin um regelmäßige monatliche Spenden. Ein Abbuchungsauftrag, den man nur noch auszufüllen hat, liegt dem Schreiben bei. Der Spendenhöhe sind keine Grenzen gesetzt.

„Aufgrund der Corona-Krise waren unsere Gnadenhöfe monatelang für Besucher geschlossen. Die Konsequenz: keine Einnahmen und viel zu wenig Geld für die Versorgung unserer Tiere. Die Lage ist dramatisch“, heißt es in der Postwurfsendung. Auf Nachfrage bekräftigt Julia Mcfadden, Assistentin von Geschäftsführer und Stiftungsvorstand Dieter Ehrengruber, dass es allen insgesamt 30 Gut-Aiderbichl-Höfen derzeit finanziell schlecht gehe – nicht nur der Anlage an den Osterseen.

Mit dieser Postwurfsendung macht Gut Aiderbichl auf die angespannte Situation aufmerksam.

Die hoch dramatische Lage, die die Postwurfsendung vorgibt, relativiert sich zwar, wenn man mit Ehrengruber selbst spricht. „Wir sind nicht akut gefährdet“, antwortet Ehrengruber auf die Frage, ob der Fortbestand des Iffeldorfer Gnadenhofs massiv bedroht sei. Ernst sei die Lage aber sehr wohl.

Über zwei Monate lang, von 14. März bis 20. Mai, hatte das Gut an den Osterseen während des Lockdowns schließen müssen, schildert Ehrengruber. In dieser Zeit habe es keinerlei Einnahmen durch Eintrittsgelder oder im Bereich der Gastronomie gegeben. Im Vergleich zu 2019 hätte das Gut in diesen neun Wochen rund 285 000 Euro weniger Umsatz gemacht. Durch die fehlenden Besucher seien außerdem auch weniger Spendengelder eingenommen worden. Um wie viel weniger genau, das könne er aber nicht seriös sagen. Auch Patenschaften für Tiere seien keine mehr übernommen worden.

Besucher haben ihre Ausflüge storniert

Doch während die Einnahmen ausgeblieben seien, hätten die Tiere natürlich weiter gefüttert werden müssen. Nur die wenigsten der 28 Mitarbeiter auf der Anlage hätten deshalb in Kurzarbeit geschickt werden können, so Ehrengruber. „80 Prozent von ihnen brauchen wir für die Versorgung der Tiere.“ Die Löhne müssten also weiter gezahlt werden.

Seit 20. Mai sei der Hof zwar wieder geöffnet. Doch die Besucher von Busreisen – von denen man „sehr abhängig“ sei, – hätten ihre Ausflüge „zu 100 Prozent storniert“. Ähnlich massiv sei der Einbruch bei den Gruppenreisen – ebenfalls eine wichtige Besuchergruppe. Zusätzlich fänden coronabedingt keine Veranstaltungen und Events auf dem Iffeldorfer Gelände statt, aus denen sonst weitere Einnahmen generiert würden. Die Umsätze in den vergangenen Monaten seien darum deutlich hinter denen des Vorjahres zurückgeblieben. Konkrete Zahlen konnte Ehrengruber aber keine nennen.

Was das Gut derzeit am Leben halte, seien die normalen Besucher; darunter viele Familien. Dass sie kommen, „dafür bin ich dankbar“, sagt Ehrengruber. Damit das so bleibt, setze man auf der Anlage alles daran, die coronabedingten Hygienemaßnahmen genauestens umzusetzen und einzuhalten. Die „größte Angst“ von ihm und den Mitarbeitern sei es, Gut Aiderbichl erneut schließen zu müssen. „Es ist eine anstrengende Situation“, beschreibt Ehrengruber das tägliche Arbeiten in Zeiten der Krise und die Angst vor einem zweiten Lockdown.

Mit Postwurfsendung sollen neue Mitglieder gewonnen werden

Bleibt er aus, kommen die normalen Besucher auch weiterhin, und halten die bestehenden Mitglieder dem Gut ihre Treue durch regelmäßige Spenden, könne auf dem Gut weiter gearbeitet werden. Wenn es so weitergehe, „ist die Gefahr gebannt“.

Und die Postwurfsendung? Damit versuche man, neue Mitglieder zu gewinnen, die mit monatlichen Spenden unterstützen. Die Corona-Krise habe gezeigt: „Wir brauchen mehr zahlende Mitglieder im Monat, um schwere Zeiten zu überstehen.“

„Urlaub dahoam“ in der Corona-Krise: Das bedeutet Probleme für Iffeldorf und die Osterseen.

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