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Nur in mir regte irgendwie / der Reißverschluss die Phantasie: Hans-Gunther Hoche (71) rezitiert in seinem Iffeldorfer Zuhause die „musikalische Schlittenfahrt“. 

Chorsänger, Geschichtsforscher und Lyriker

Ein „Hochelied“ auf Iffeldorf: Hans-Gunther Hoche im Porträt

Iffeldorf - Er ist Chorsänger, Geschichtsforscher und Lyriker. Im Ruhestand wurde er an den Osterseen in Iffeldorf heimisch. Hans-Gunther Hoche im Porträt:

 „Ein Mensch stand – vielmehr war’s genau / in diesem Falle eine Frau – / in einer Kirche drinnen / vor einer Schar von Sängerinnen / und Sängern – also einem Chor / nebst ein paar Musikern davor...“. Die Anfangszeilen der „musikalischen Schlittenfahrt“ verraten schon recht viel über den Schöpfer dieser Reime, Hans-Gunther Hoche: über seine Lust am Dichten nach Art von Wilhelm Busch, sein Gespür für skurrile Situationen, seine Liebe zur klassischen Musik und nicht zuletzt über sein „Heimisch-Werden“ in Iffeldorf.

Zunächst zum Heimisch-Werden: Auf der Suche nach einer Bleibe auf dem Land wurde das Ehepaar Hoche, das bis vor zehn Jahren in München wohnte, auf Gut Steinbach fündig. Die Naturidylle unweit von Iffeldorf war genau das Richtige für jemand, der quasi als Berufsurlauber 35 Jahre lang rund um den Globus unterwegs war und vier Jahre in Brasilien gelebt hat. Hoche arbeitete in der Flugtouristik-Branche und suchte für die „Lufthansa“ in fast 60 Ländern der Erde nach interessanten Ferienzielen. Was mitunter stressig war, aber seine Reize hatte. Er lernte viele Orte noch vor dem großen Ansturm kennen, zum Beispiel Tibet, Bhutan oder Albanien schon bald nach dem Ende des kommunistischen Regimes.

Dem Iffeldorfer Neubürger war aber bewusst, dass fürs Heimisch-Werden der Kontakt zu den Einheimischen mindestens so wichtig ist wie Ruhe und Beschaulichkeit. Ihm kamen drei Möglichkeiten in den Sinn: einen Hund anschaffen, Mitglied in einem Verein werden oder in einem Chor mitsingen. Nach dem Erlebnis der „musikalischen Schlittenfahrt“ entschied sich Hoche für Letzteres.

Sein Gedicht beschreibt nämlich keinen winterlichen Ausflug, sondern den Reißverschluss an der „Edelrobe“ von Dirigentin Andrea Letzing, der sich während eines Konzerts selbständig machte: „…Das Dirigieren kaum gestartet / löste am Nacken unerwartet / der Schlitten sich am Reißverschluss / um folgenreich, ihr zum Verdruss / kontinuierlich abwärts strebend / vom Rücken einen Teil frei gebend…“. Trotz des Malheurs leitete Letzing den „KlangKunst“-Chor beim beschriebenen Konzert unbeirrt bis zu einer Pause während des Rezitativs, das „vom Generalbass sekundiert / sowas wird meist nicht dirigiert / drum zog sie sich jetzt kurz zurück / und fand gleich jemanden zum Glück / der ihren Schlitten auf die Schnelle / zurückschob an die richt’ge Stelle. / Sie nahm nun wieder frei von Pein / den Platz als Dirigentin ein. / Von da an lief, es lässt sich ahnen / das Chorkonzert in ernsten Bahnen …“

Die Souveränität der Dirigentin hat Hoche so imponiert, dass er spontan ihrem Iffeldorfer Chor beitrat. Es war für beide Seiten ein Glücksfall: Andrea Letzing schätzt seine kunstverständige Art und profitiert obendrein von seinem Computer-Wissen; der 71-Jährige kümmert sich um den Internetauftritt des „KlangKunst“-Vereins und der „Iffeldorfer Meisterkonzerte“, die Letzing seit 2011 leitet. Und Hoche lernte über die Chormitglieder seine neue Heimat besser kennen und verstehen.

Bei einer Chorprobe hörte er auch von „Judengräbern“. Beim Nachfragen erfuhr er von den 2400 KZ-Häftlingen, die die Amerikaner am 30. April 1945 am Iffeldorfer Bahnhof aus einem Zug befreit hatten; die 17 Toten des Transports waren vorübergehend in besagten „Judengräbern“ neben den Gleisen bestattet worden. Hoche ließen die bruchstückhaften Berichte alteingesessener Iffeldorfer keine Ruhe. Er recherchierte die Hintergründe vornehmlich in den USA und erzählte dann bei Vorträgen dieses Kapitel der Dorfgeschichte.

Doch zurück zum unbeschwerten Dichter à la Wilhelm Busch, der es schon als Kind liebte, selbstgeschmiedete Stabreime vorzutragen. Dieser Leidenschaft kann Hoche im Ruhestand nach Lust und Laune frönen. Und das Schöne ist, dass man seine hintersinnigen Verse ganz einfach und umsonst im Internet lesen kann (www.lyrik-leicht gewicht.de). Drei virtuelle Bücher hat er bisher veröffentlicht: „Das Hochelied der Triebe“, „Maden in Germany“ und „Vom Dasein und Dortsein“. Ein viertes Werk – „Mein lieber Schwan!“ – hat der erklärte Opernfan als gedrucktes Buch bereits in zweiter Auflage veröffentlicht. Kongenial illustriert hat diesen „etwas anderen Opernführer“ der auch zeichnerisch begabte Leipziger Kammersänger Martin Petzold, den Hoche bei den „Iffeldorfer Meisterkonzerten“ kennen- und schätzen gelernt hat.

Und wie endet nun die bislang unveröffentlichte „musikalische Schlittenfahrt“? „..und dem Konzertgast wars zum Schluss / trotz allem reiner Kunstgenuss. / Nur in mir regte irgendwie / der Reißverschluss die Phantasie“.

von Renate von Fraunberg

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