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Zwölf Jahre war Hubert Kroiß der Hausherr im Iffeldorfer Rathaus. Seine Amtszeit endet am 30. April.

Interview

Amtszeit von Bürgermeister Kroiß endet nach zwölf Jahren: „Mir wird sicher nicht langweilig“

  • vonWolfgang Schörner
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Die Amtszeit von Bürgermeister Hubert Kroiß (CSU) endet am 30. April. Zwölf Jahre lang war er Rathaus-Chef in Iffeldorf. Im Interview zog er Bilanz.

Iffeldorf– Seit 2008 ist Hubert Kroiß (CSU) Bürgermeister in Iffeldorf. Nun brechen seine letzten Tage in dem Amt an. Der 64-Jährige hatte bei der jüngsten Wahl nicht mehr kandidiert. Sein Nachfolger ab 1. Mai ist Hans Lang (SPD). Kroiß, von Beruf Förster, war 1990 erstmals in den Gemeinderat gewählt worden. 2007 war er für kurze Zeit auch zweiter Bürgermeister. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und vier Enkel. Redakteur Wolfgang Schörner sprach mit ihm über seine zwölfjährige Amtszeit – und darüber, auf was er sich jetzt freut.

Herr Kroiß, der Abschied als Bürgermeister nach zwölf Jahren steht bevor. Was überwiegt: Wehmut oder Freude?

Das hält sich die Waage. Wehmut, weil man es einfach gewöhnt ist, früh um 8 Uhr ins Rathaus zu gehen und mit den Mitarbeitern zu sprechen. Das wird mir sicher fehlen. Aber auch Freude, weil ich endlich mehr Zeit habe für meine Familie, vor allem für meine Enkelkinder.

Als Sie im Herbst 2018 bekanntgaben, nicht mehr zu kandidieren, sagten Sie „Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist“. Jetzt fällt der Abschied in die Corona-Krise. Wie haben Sie die letzten Wochen erlebt?

So eine Situation hat von uns noch niemand erlebt: Wir müssen alle Abstand halten, sämtliche Lokale sind geschlossen, es gibt keine Veranstaltungen mehr, Konzerte fallen aus – das ist schon sehr schade, da fehlt einem einiges. Ich hätte auch gern noch eine Bürgerversammlung abgehalten. Aber ich bin Pragmatiker. Ich finde mich damit ab. Unser Rathaus funktioniert ja weiter, auch wenn hinter verschlossenen Türen. Allerdings werden die Gemeinden in den nächsten Jahren sicher noch daran zu beißen haben, wenn die Steuereinnahmen einbrechen.

Sie haben einmal gesagt, das Bürgermeisteramt sei unheimlich spannend und vielseitig. Wenn Sie auf die vergangenen zwölf Jahre zurückblicken: Was war besonders spannend?

Das Spannendste war im November 2014 der Bürgerentscheid zum Deichstetterhaus, das die Gemeinde 2011 geerbt hatte. Ich habe damals sofort den Wert erkannt. Das Rathaus war ja in recht beengten Verhältnisse im Gemeindezentrum untergebracht. Für mich stand relativ schnell fest: Das schönste Gebäude in Iffeldorf wäre ideal als Rathaus. Und dazu kam ja noch ein Bürgersaal. Die Beschlüsse im Gemeinderat fielen Gott sei dank einstimmig, auch wenn der eine oder andere nicht so ganz begeistert war. Spannend war es, weil es in der Bevölkerung Gegenstimmen gab, die sagten, dass das Ganze zu viel kostet und die es als unnötig angesehen haben, und es deshalb zum Bürgerentscheid kam. Als feststand, dass wir ihn mit 62,3 Prozent gewonnen haben, ist mir schon ein Stein vom Herzen gefallen.

Auf was sind Sie stolz?

Auf das Gesamtpaket. Wir haben in zwölf Jahren immerhin 18 Millionen Euro investiert – eingerechnet ist da schon das Mehrfamilienhaus, das wir auf den Weg gebracht haben. Investiert haben wir das Geld in erster Linie in die Infrastruktur der Gemeinde, also in Abwasser und Wasser, Schule, Kindergarten, Feuerwehrhaus, Rathaus mit Bürgersaal, ins Mehrfamilienhaus und dessen Grunderwerb. Auch ins Gemeindezentrum haben wir viel investiert, zum Beispiel in die Heizung und eine neue Lüftung. Für die Daseinsvorsorge der Bürger haben wir, also Bürgermeister und Gemeinderat, viel geleistet. Unsere Gebäude und die Infrastruktursind im guten Zustand, der Bauhof ist modern ausgerüstet. All diese Dinge sind mir das Wichtigste gewesen.

Und Iffeldorf hat dabei immer schwarze Zahlen geschrieben.

Ja, wir haben 2008 mit 4 Millionen Euro Rücklagen begonnen. Jetzt haben wir immer noch eine Rücklage von 1,4 Millionen Euro und in dieser Zeit zugleich wesentliche Werte geschaffen. Da können wir stolz sein, Gemeinderat und Bürgermeister.

Was hätten Sie gerne noch verwirklicht?

Jetzt steht noch das Mehrfamilienhaus an. Das neue Feuerwehrauto ist bestellt. Aber es gibt derzeit in Iffeldorf kein brisantes Thema, das ansteht. Die wichtigen Dinge sind zumindest für den Moment abgeschlossen. Es gibt natürlich für die Nachfolger, die nächsten Generationen, stets neue Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt.

Sie verstehen sich ja recht gut mit Ihrem Nachfolger Hans Lang, der sechs Jahre lang ihr Stellvertreter war. Gibt es etwas, was Sie ihm mit auf den Weg geben?

Sparsame Haushaltsführung. Die Pflichtaufgaben erfüllen und dann im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten die freiwilligen Leistungen erbringen. Aber da habe ich keine Angst. Die Gemeinde ist in sehr guten Händen.

Ihre Amtszeit endet am 30. April. Und dann bleibt mehr Zeit für...?

...meine Familie und natürlich auch für meine Hobbys, für die ich in den letzten Jahren etwas weniger Zeit hatte.

...das Motorradfahren?

Nein, das habe ich bereits aufgegeben. Ich bin jetzt wieder zum Fahrrad, dem E-Bike, zurückgekehrt. Das genieße ich. Ich liebe auch die Berge, unsere wunderschöne Natur, die Jagd und die Fischerei.

Das hört sich danach an, dass Sie keinen Trennungsschmerz spüren werden.

Sicherlich nicht. Mir wird sicher nicht langweilig. Meine Frau und ich haben uns ein Wohnmobil geleistet, mit dem wir Europa bereisen wollen, von Südspanien bis zum Nordkap. Schön gemütlich, und hinten drauf unsere beiden Fahrräder.

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