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Kulturleben stillgelegt, hier ein Iffeldorfer Meisterkonzert aus dem Jahr 2015.

Iffeldorfer Meisterkonzerte und KlangKunst-Chor

Andrea Fessmann über Kultur in Krisenzeiten - „Also: Laut stellen und mitsingen!“

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Was machen Künstler in Corona-Krisenzeiten, wenn das Kulturleben stillsteht? Wir fragen in loser Folge Kulturschaffende im Landkreis. Heute Andrea Fessmann, Leiterin der Iffeldorfer Meisterkonzerte.

Iffeldorf – Was macht die Kunst? Unter diesem Titel befragen wir in der Zeit der Corona-Krise in loser Folge Kulturschaffende aus dem Landkreis: Wie geht’s ihnen, da das Kulturleben – jedenfalls in analoger Form – stillsteht? Und was gibt ihnen Hoffnung? Heute antwortet Andrea Fessmann (51) aus Iffeldorf, Sängerin, Dirigentin und Leiterin der „Iffeldorfer Meisterkonzerte“. Für ihren „KlangKunst“-Chor starb mit der Pandemie ein lange vorbereitetes Projekt: Die internationale, für 19. April geplante Aufführung von Carl Orffs „Carmina Burana“ in der New Yorker Carnegie Hall, bei der die Iffeldorfer mitsingen sollten, ist inzwischen „gecancelt“.

„Kreativ dagegenhalten“: Andrea Fessmann, Leiterin des KlangKunst-Chors und der Iffeldorfer Meisterkonzerte.

Das öffentliche Leben steht still, Kultur kann praktisch nicht stattfinden. Was macht das mit
Ihnen?

Im Moment ist es eine Berg- und Talfahrt zwischen Enttäuschung, Frust, Hilflosigkeit auf der einen Seite – und der Motivation, kreativ zu werden und Neues zu gestalten, auf der anderen Seite. Kultur findet ja statt, nur eben nicht so, wie wir alle es uns vorgestellt haben. Die Kultur pulst im Untergrund: online! Die Situation ist, wie sie ist. Wir müssen alle das Beste daraus machen.

Wie gehen Sie als Musikerin und Kulturorganisatorin mit dieser Situation um?

Für mich war an irgendeinem Punkt klar: Alle Konzerte werden ausfallen. Davor habe ich innerlich lange dagegengehalten, es tat wirklich weh zu sehen, wie eins nach dem anderen abgesagt werden musste. Bei mir und all meinen Kollegen, bei allen. Aber dann habe ich versucht, kreativ dagegenzuhalten. Es gibt ja heute so viele mediale Mittel. Also habe ich mich darangemacht, den Flashmob am vergangenen Sonntag zu unterstützen. Konkret habe ich mit meinem Mann zusammen ein Video aufgenommen, damit alle, die nicht gerne alleine singen, mit uns „zusammen“ singen können. Das hat wohl gut funktioniert, wir haben viele nette Rückmeldungen bekommen. Auch die Chorproben laufen online weiter, letzte Woche noch zum Alleine-Üben, im Moment bin ich an einer interaktiven Version per Video. Man lernt nie aus... Außerdem arbeiten wir gerade daran, Kinder- und Volkslieder online zum Mitsingen zu stellen. Jetzt haben doch viele Zeit für Hausmusik. Die Medien werden sowieso fleißig für Grusel-Corona-Nachrichten genutzt – warum nicht zum gemeinsamen Musizieren? Also: Laut stellen und mitsingen!

Und wie geht’s bei den
„Iffeldorfer Meisterkonzerten“ weiter?

Wir müssen nun abwarten, wie sich die Lage weiter entwickelt und dann handeln. Für das letzte Konzert konnten wir glücklicherweise noch in diesem Jahr einen Ersatztermin finden. Mit den Künstlern des nächsten Meisterkonzertes bin ich in engem Kontakt. Sie kommen aus New York, das sagt im Moment schon viel. Aber wir geben die Hoffnung noch nicht auf! In jedem Fall plane ich das nächste Jahr wie gewohnt. Das tut mir selber gut, und die Künstler freuen sich über „gute Aussichten“. Übrigens: Mit meinen Studenten mache ich gerade eine Aktion „Schönheit“ und schicke ihnen jeden Tag ein Gedicht.

Was bedeutet diese Krise finanziell für Sie?

Nun, abgesagte Konzerte werden nicht vergütet und ich bin arbeitslos. Das ist das Los der Freiberufler und vieler anderer im Moment.

Und was bedeutet die Krise menschlich für Sie?

Menschlich gibt es im Zusammenhang mit Covid-19 dieses Wort gar nicht. Ich lebe in einer glücklichen Beziehung, meine Tochter lebt seit einer Woche wieder zu Hause, wir sind alle gesund. Was gibt es Schöneres?! Daneben habe ich Zeit, meinen Garten umzugraben, den Keller aufzuräumen und viele nette Gespräche am Telefon zu führen. Meine Mutter genießt es, dass wir sie täglich per „facetime“ anrufen und wir uns dabei sehen können... Ansonsten hoffe ich, dass wir aus dieser Situation lernen. Es gibt, was die Entwicklung der Welt angeht, so viel Handlungsbedarf. Durch die „Krise“ ist plötzlich so viel möglich geworden, so manches kommt ans Licht, vielleicht werden manche nachdenklich und es verändert sich etwas.

Wenn Chorproben bis auf Weiteres nicht stattfinden können – wie halten Sie Ihre Sänger bei der Stange?

Ein schöner Impuls war der Flashmob am vergangenen Sonntag: Wir – also die Chorsänger und ich – haben sehr aktiv mitgemacht. Ich habe viele tolle Videos und Rückmeldungen bekommen. Gemeinschaft geht auch mental und online. Auch so etwas macht Spaß und verbindet. Durch die neuen Medien kann man ja gut Rundbriefe an alle schreiben, durch das Einsing-Video und die Einzelstimmen, die ich aufgesungen habe, kann jeder zu Hause üben. Singen stärkt die Lunge, steigert das Immunsystem und nimmt die Angst. Das können wir jetzt weiter testen. Nächste Woche gibt es dann die nächsten Stücke.

Inwieweit können Sie überhaupt noch planen für die „Iffeldorfer Meisterkonzerte“ und die „KlangKunst“-Konzerte?

Ich plane, als wäre alles nach Ostern wieder normal. Alle Kollegen kennen die Situation und wissen, dass übermorgen doch alles wieder anders sein kann. Alles fließt... Im Moment sind es halt eher Stromschnellen und man sieht nicht um die nächste Ecke. Aber es tut uns allen gut, positiv nach vorne zu schauen.

Gibt es irgendetwas Positives, das Sie der derzeitigen Lage abgewinnen können?

Ich habe meinen Keller aufgeräumt und meinen Garten umgegraben... Man glaubt gar nicht, wie viele positive Punkte man zu einer schlimmen Situation finden kann. Manche kann man erst im Abstand sehen. Diese Lektion habe ich an anderer Stelle im Leben bekommen, und sie hilft mir jetzt auch: Das halbvolle, nicht das halbleere Glas sehen und nach vorne schauen!

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