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Tempolimit auf der Autobahn: Die Auflagen für eine Begrenzung sind hoch und die Chancen gering.

Nächtliches Tempolimit

Lärm: Wunsch nach 120 auf der Autobahn

  • VonWolfgang Schörner
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Ein nächtliches Tempolimit auf der A95: Auf Höhe von Walchstadt gibt es das seit Jahren. Ein entsprechender Wunsch wurde nun auch in Iffeldorf geäußert.

Iffeldorf – Ein beständiges Rauschen dringt von der Autobahn hinüber zu den Wohnhäusern. Lauter wird es, wenn schwere Lastwagen an der Ortschaft vorbeifahren. Besonders störend ist es nachts. Das Iffeldorfer Gemeinderatsmitglied Thomas Link hatte vor kurzem in einer Sitzung die Frage aus der Bevölkerung zitiert, ob an der A95 auf Höhe von Iffeldorf ein nächtliches Tempolimit eingeführt werden könnte, konkret eine Beschränkung der Geschwindigkeit auf 120 Stundenkilometer in der Zeit von 22 bis 6 Uhr.

Ein derartiges Limit gibt es bereits auf der Garmischer Autobahn, und zwar bei Walchstadt im Gemeindebereich von Icking. Die Gemeinde Iffeldorf, so Link, sollte bei der Autobahndirektion nachfragen, ob so etwas auch bei Iffeldorf möglich wäre. „Die Wohnhäuser stehen sehr nah an der Autobahn“, sagte er. „Es bringt etwas, wenn die Geschwindigkeit beschränkt wird.“ Man könne es mit einer Anfrage versuchen, so Bürgermeister Hubert Kroiß, Die Erfolgsaussichten sieht er allerdings eher skeptisch. Iffeldorf selbst habe es schon einmal probiert. Und auch Sindelsdorf habe es versucht, aber keine Chance gehabt, sagte Kroiß.

Forderungen an vielen Stellen

Tatsächlich sind die Chancen nicht allzu hoch, wie eine Nachfrage unserer Zeitung bei der Autobahndirektion Südbayern ergab. An jeder Stelle des Autobahnnetzes in Deutschland bestünden Forderungen, erklärte Josef Seebacher, Sprecher der Autobahndirektion auf Anfrage. „Deshalb gibt es bundeinheitlich klare Regelungen.“ Zu einer Geschwindigkeitsbegrenzung gibt es ihm zufolge zwei Wege. Der eine Weg führt über die Unfallhäufigkeit. Geschehen an einer Stelle wegen überhöhter Geschwindigkeit viele Unfälle, werde geprüft, ob aus Gründen der Verkehrssicherheit ein Tempolimit notwendig ist.

Der zweite Weg führt über die Lärmbelästigung, die von Autobahnen ausgeht. Laut Seebacher greifen bei bestehenden Autobahnen bundesweit die Lärmsanierungsgrenzwerte. Diese, erklärt er, müssten „erheblich überschritten“ werden. Die Werte sind allerdings von Haus aus sehr hoch. „Wir hätten gern geringere Grenzwerte, um mehr machen zu können“, sagt Seebacher. Geringere Grenzwerte gelten ihm zufolge aber nur bei Autobahn-Neubauten.

Lärmschutzmaßnahmen für Häuser

Werden die tatsächlichen Schallwerte – sie werden nicht gemessen, sondern anhand der Verkehrsmengen berechnet – überschritten, werden laut Seebacher zunächst Lärmschutzmaßnahmen direkt für die Häuser angestrebt. Das können zum Beispiel Lärmschutzfenster sein, die mit 75 Prozent bezuschusst würden. Erst wenn das nicht möglich sei oder nichts nutzt, könne eine Lärmschutzwand in Frage kommen – und bis zu deren Realisierung eine Geschwindigkeitsbeschränkung.

Im Normalfall treten laut Seebacher die Kommunen mit solchen Wünschen an die Autobahn-Direktion heran. Es könne sich aber auch jeder Anwohner an die Direktion wenden, erklärt er. Der Antrag werde dann „nach objektiven Kriterien“ geprüft. Der Einzelfall müsse schließlich noch vom Innenministerium genehmigt werden. Entscheidend ist ihm zufolge dabei der nächtliche Lärm und die Lage der Schlafräume.

Dass sich die Autobahn-Direktion genau an die Vorgaben hält, macht Sinn. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass Tempolimits schnell rechtlich überprüft werden – wenn Temposünder vor Gericht ziehen. Seebacher: „Wir haben mehr Beschwerden, die sich gegen Geschwindigkeitsbegrenzungen richten.“

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