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Übertrafen am Samstagabend die ohnehin hohen Erwartungen im Iffeldorfer Gemeindezentrum: (v.l.) Kristin von der Goltz, Léon Berben, Dorothee Mields und Saskia Fikentscher. 

„IFFELDORFER MEISTERKONZERTE“  

Pure Freude mit dem „weltlichen Händel“

300 Zuhörer wohnten beim jüngsten „Iffeldorfer Meisterkonzert“ einer speziellen Aufführung bei. Es stand der „weltliche Händel“ im Mittelpunkt. 

Iffeldorf – Barockmusik, speziell jene von Händel, gelangt aufgrund dessen famoser Oratorien oft nur im kirchlichen Kontext ins Gedächtnis – und zur Aufführung. Verdienstvoll ist es da, einmal den „weltlichen Händel“ zu Gehör zu bringen. Umso inspirierender, wenn dies entlang der echten barocken Instrumentierung geschieht. Die Protagonisten der „Iffeldorfer Meisterkonzerte“ übertrafen die ohnehin hohen Erwartungen durch noch größere Freude.

Wer rechtzeitig im Gemeindezentrum war, konnte nicht nur die Einführung von Reinhard Szyszka verfolgen, sondern auch einen spektakulären Sonnenuntergang über den Osterseen. Nach diesem goldenen Barock in der Optik wirkte die Stimme von Dorothee Mields eher silbrig-zurückgenommen. Ihr Sopran kam kaum kapriziös daher, dabei aber durchaus dynamisch, ja mehr noch: rhythmisch. Die erste Kantate erhielt solcherart auch stimmlich – zusätzlich zu den begleitenden Instrumenten – einen mitreißenden inneren Schwung.

„Venus and Adonis“ hieß dieses Werk. Nicht nur der Titel, auch der Text war englisch, schließlich hatte Händel lange Zeit in London gewirkt. „Wir wollen mit diesem Konzert auch zeigen, dass die Musikkultur schon immer international war“, sagte Oboistin Saskia Fikentscher inAnspielung darauf, dass soeben wegen des Brexits das EU-Jugendorchester Großbritannien den Rücken kehren musste.

Wie multikulturell Händels britische Jahre waren, zeigten Kompositionen seiner Orchestermusiker. Zunächst die „Sonate Nr. 1“ von Giuseppe Sammartini. Nur auf dem Cembalo bot Léon Berben den Eingangssatz in virtuoser Schleunigkeit. Das Instrument erglänzte unter den Fingern des Niederländers in heller Farbigkeit und ließ die oftmals leicht heiser-schleppenden Charakteristika meilenweit zurück. Ans helle Lachen und Plappern beim Stelldichein an einem Barockbrunnen erinnerten die spritzigen weiteren Sätze, in denen Saskia Fikentscher (Barock-Oboe) agil hinzutrat.

Die „Sonate VI“ entstammte Händels Chef-Cellist Francisco Caporale. Mit der harmonischen und dabei bestens musikantischen Nachempfindung durch Kristin von der Goltz am Barockcello gestaltete sich das Werk als eine genussvolle Abendmusik.

Rund um das instrumentale Schwelgen gruppierte Sopranistin Dorothee Mields gegensätzliche Kantaten. Im Geiste des Pietismus sang sie mit bezwingender Schönheit „Künft’ger Zeiten eitler Kummer“. Ein reich koloriertes Jubilieren funkelte in „Meine Seele hört im Sehen“. Szenisch, mit kurzen Rezitativen durchbrochen, erlebte man Händels „Mi palpita il cor“ als eine „Beschreibung aller Symptome der Krankheit ,Liebe’“, wie Mields einleitend beschrieb. Die lebendig dramatisierte Stimmführung hüpfte elegant und stets ein Stück spielerisch zwischen Liebesleid und Euphorie; da fühlten sich die rund 300 Zuhörer geradewegs selber in Bewegung versetzt und erklatschten mit brandendem Applaus noch zwei Zugaben aus Händels „Deutschen Arien“: „Süße Stille, sanfte Quelle“ und „Süßer Blumen Ambraflocken“. 

Andreas Bretting

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