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Iffeldorf und die Staatsstraße: Zäher Kampf um Tempo 60

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Von: Wolfgang Schörner

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Auf einer Karte zeigt Hans-Dieter Necker die Situation an der Staatsstraße, auch Kochler Straße genannt. © Wolfgang Schörner

Eine Quelle steten Ärgernisses ist für viele Iffeldorfer der starke Verkehr an der Staatsstraße Penzberg- Seeshaupt und der daraus resultierende Lärm. Mehrere Versuche, Tempo 60 durchzusetzen, scheiterten bisher an den Behörden. Nun gibt es einen neuen Anlauf: Eine Unterschriftensammlung soll den Druck verstärken.

Iffeldorf – Seit zwei Jahren bemüht sich eine Iffeldorfer Initiative um Tempo 60 auf der Staatsstraße Penzberg- Seeshaupt, die am Dorf entlang führt – wegen der hohen Geschwindigkeiten, der Unfallgefahr und vor allem wegen des Lärms. Damals hatten sich Anwohner in Untereurach um Hans-Dieter Necker, Johannes Wagner und Gerhard Kerfers zusammengetan, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Unterstützt werden sie von Rathaus und Gemeinderat. „Es geht zach“, sagt Necker. „Ein bisserl sind wir schon weitergekommen, aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen.“

Um über die weitere Strategie zu diskutieren, hatte das Trio für Donnerstag ins Sportheim an der Maffeistraße eingeladen. Knapp 40 interessierte Iffeldorfer kamen, darunter die Bürgermeister und einige Gemeinderäte. Das Ergebnis: Innerhalb der nächsten drei Monate sollen im Dorf Unterschriften gesammelt werden, um beim Landratsamt die Forderung nach Tempo 60 zu unterstreichen. Vize-Bürgermeister Hans Lang schlug zudem vor, dass sich der Gemeinderat von einem unabhängigen Experten beraten lässt, wie das Ziel erreicht werden kann.

Momentan gilt Tempo 100 für Autofahrer, die vom Iffeldorfer Ortsschild nahe dem Bahnübergang bei Untereurach in Richtung Seeshaupt fahren. „Das ist krass“, so Necker. In entgegengesetzter Richtung sind es bis zum Ortsschild erst 80 km/h ab dem Gewerbegebiet und dann 70. Die 70 km/h wertet Necker zwar als Fortschritt, ebenso die neue Verkehrsinsel bei Untereurach und die zwei Tempomessgeräte. Die Initiative pocht aber auf Tempo 60 in beiden Fahrtrichtungen zwischen Ortsschild und Tankstelle beim Gewerbegebiet. Die einfachste Lösung wäre, sagte Necker, das Ortsschild von Untereurach zum Gewerbegebiet zu versetzen.

Die Initiative und die Gemeinde versuchen bislang jedoch erfolglos, die Behörden mit ihren Argumenten zu überzeugen. Die Initiative argumentiert, dass die Staatsstraße außerhalb des Orts lückenlos an bebautem Gebiet entlangführt, getrennt nur durch die Bahnlinie – allein von der Bahnunterführung bis zum Bahnübergang seien es 18 Wohnhäuser in erster Reihe. Sie verweist darauf, dass es ähnliche Fälle mit Tempolimits in Bernried, Seeshaupt und Bad Heilbrunn gibt – was die Verkehrsbehörden bislang allerdings nicht zum Umdenken bewegt hat.

Vor zwei Jahren, erzählte Kerfers, habe man das Verkehrsaufkommen auf Höhe von Untereurach gezählt: Zwischen 6 und 20 Uhr hätten über 10 000 Fahrzeuge die Stelle passiert, „im Schnitt alle fünf Sekunden ein Fahrzeug“. Im Berufsverkehr morgens und abends sei es im Schnitt sogar alle drei Sekunden ein Fahrzeug gewesen. Kerfers nannte auch Ergebnisse von Tempomessungen: Statt 50 innerorts fuhr von Norden rund die Hälfte und vom Süden knapp die Hälfte der Aufofahrer schneller als 60 Stundenkilometer. „Deshalb haben wir beantragt, dass vor dem Ortsschild schon langsamer gefahren werden muss, damit im Ort das Tempolimit eingehalten wird“, sagte er.

Laut Kerfers hat das Staatliche Bauamt berechnet, dass der Lärm tagsüber und nachts unter den Grenzwerten nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz liegt. Er liege aber weit über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Zudem, so Kerfers, habe es sich nur um eine Berechnung auf Basis einer Verkehrszählung 2015 und um keine Messung gehandelt. Die Berechnung habe weder den teilweise rauen Straßenbelag noch den zusätzlichen Lärm von der Bahnstrecke, von der Autobahn sowie durch das Beschleunigen und Verzögern der Autos berücksichtigt. Johannes Wagner, Allgemeinarzt in Iffeldorf, warnte, dass ständiger Lärm zum Beispiel hohen Blutdruck, Schlafstörungen, Allergien und Migräne auslösen kann. Er führte ein über 100 Jahre altes Zitat des Mediziners und Nobelpreisträgers Robert Koch an: „Eines Tages wird der Mensch den Lärm ebenso unerbittlich bekämpfen müssen wie die Cholera und die Pest.“

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