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Die Situation von Flüchtlingen und Helfern in Iffeldorf schilderte Ria Markowski vom Helferkreis, neben ihr Ehrenamtskoordinator Martin Herzog (l.) und Christian Hilse, Integrationslotse der Caritas.

Iffeldorfer Asyl-Kreis: Manchmal frustrierend, immer lehrreich

Was war? Wo stehen wir? Wie geht es weiter? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Iffeldorfer Asyl-Helferkreis vor kurzem im Bürgersaal der Gemeinde. Eingeladen hatte Ria Markowski, Vorsitzende des Vereins „Nachbarschaftshilfe Iffeldorf“, zu dem der Asyl-Helferkreis gehört.

IffeldorfAls Gäste waren Martin Herzog, Ehrenamtskoordinator für die Asyl-Unterstützerkreise im Landkreis, und Christian Hilse, Integrationslotse der Caritas, gekommen. Beide sind erst seit kurzem in ihren Ämtern, hoffen aber, dass sie den örtlichen Helferkreisen bei Problemen helfen können. Vertreter des Landratsamtes seien der Einladung nicht gefolgt, bedauerte Ria Markowski.

2016 waren es 35 Frauen und Männer, die sich ehrenamtlich im Helferkreis Asyl Iffeldorf engagierten. Heute sind es etwa 10 Aktive, berichtete Ria Markowski. Sie unterstützen die 40 Geflüchteten aus Syrien und afrikanischen Staaten, die in Iffeldorf leben, darunter einige Familien, aber auch Einzelpersonen unterschiedlichen Alters. Manche wohnen seit drei Jahren im Dorf, andere sind aus anderen Teilen Deutschlands zugewiesen worden.

„Wir hatten viele Wechsel in den letzten Jahren“, sagte zweiter Bürgermeister Hans Lang. Verändert haben sich auch die Aufgaben der ehrenamtlichen Helfer. Während es in den ersten Wochen und Monaten um Essen, Kleidung und Unterkunft ging, steht inzwischen die Integration im Vordergrund. Viele Anträge müssten gestellt werden – bei der Gemeinde, beim Landratsamt, beim Jobcenter, bei der Führerscheinstelle. Fristen müssten eingehalten werden. Häufig sind Widersprüche nötig und das bedeutet, Briefe zu schreiben, Vollmachten einzuholen, wieder Formulare auszufüllen.

Der Wunsch der Asylhelfer sei es, im Landratsamt nur einen Ansprechpartner zu haben, sagte Ria Markowski. Jetzt hingegen müssten oft mehrere Sachbearbeiter zu einem Vorgang befragt werden, klagte ein Helfer. Dazu komme der Datenschutz, der Auskünfte zusätzlich erschwere. Koordinator Martin Herzog versprach, sich für einen zentralen Ansprechpartner einzusetzen. Darüber hinaus verwies er auf die Integrationskonferenz, die am 25. März in Peißenberg stattfinden wird. Dort werden die Landrätin Andrea Jochner-Weiß sowie Mitarbeiter des Landratsamtes für Fragen zur Verfügung stehen.

Oft scheitere das Ausfüllen des Formulars schon bei den Nachnamen, schilderte Ria Markowski die Widrigkeiten, mit denen die Helfer konfrontiert sind. Die Regeln für Namensgebungen seien in afrikanischen Staaten anders als in Deutschland. Zudem seien die Namen in den verschiedenen Papieren der Geflüchteten oft unterschiedlich geschrieben. Dann sei unklar, ob Paare verheiratet sind oder nicht. Dazu komme das Sprachproblem, vor allem bei Geflüchteten aus afrikanischen Ländern, deren Englisch kaum oder nur schwer zu verstehen sei. „Wir fühlen uns manchmal alleine gelassen“, erläuterte Ria Markowski die Situation vieler Helfer. „Arbeits- oder Wohnungssuche klappt nicht immer gleich. Die betreuten Familien sind enttäuscht und die Helfer frustriert.“ Seit im Dezember 2016 die Bayerischen Staatsregierung das Arbeitsverbot für nicht anerkannte Asylbewerber erlassen hat, sei die Unzufriedenheit bei Asylsuchenden groß.

„Interessant und lehrreich ist die Hilfe für die Geflüchteten aber nach wie vor“, davon ist Ria Markowski überzeugt. Man werde mit unterschiedlichen Angelegenheiten konfrontiert und lerne viel dabei. Aktuell werde in einer syrischen Familie, die sie selbst betreut, ein Kind erwartet. Da gebe es viel zu tun.

Wünschen würde sie sich weitere Helfer, die zum Beispiel Fahrdienste übernehmen. „Es fehlt halt einfach ein Leitfaden für die Helfer“, fasste Gemeinderätin Isolde Künstler zusammen. „Allerdings habe ich das Gefühl, dass Iffeldorf mit der Integration der anerkannten Familien auf einem guten Weg ist. Dass die Gemeinde private Unterkünfte organisiert hat, hatte ja auch den positiven Effekt der Nachbarschaftshilfe zur Folge. Ich bin sicher, dass viele Leute das ehrenamtliche Engagement schätzen“, ergänzte sie. Dem schloss sich Bürgermeister Hubert Kroiß an. „Die Kommune könnte die Integrationsaufgaben nicht stemmen und deshalb ist das Ehrenamt in Iffeldorf auch hoch geschätzt“, lobte er die Helferinnen und Helfer, die viel Freizeit opferten, um den Geflüchteten zu helfen.

Text: stb

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