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Der Auftritt am Samstag in Iffeldorf war fast ein Heimspiel für (v.l.) Stephan König, Reiko Brockelt, Thomas Stahr und Wieland Götze, die hier schon das „Weihnachtsoratorium in Jazz“ uraufführten. 

„iffeldorfer meisterkonzerte“  

Frische Farbe für Mussorgskis Bilder

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So mancher Abonnent ist erst mal erschrocken. Denn so wie am Samstagabend bei den „Iffeldorfer Meisterkonzerten“ hat man die „Bilder einer Ausstellung“ noch nicht gehört.

Iffeldorf – Dabei wurde ja kaum ein Werk der Musikgeschichte so oft und mitunter auch wild bearbeitet wie eben jene Klangbilder, die der Russe Modest Mussorgski 1874 zu Malerei seines Freundes Viktor Hartmann komponierte. Ravel machte aus den Klavierstücken 1922 ein Orchesterwerk, die Band „Emerson, Lake and Palmer“ schuf 1971 eine Rockversion; dazwischen wurde wohl so ziemlich alles schon probiert. Der Leipziger Pianist und Komponist Stephan König (53) fügte nun ganz frisch „the jazz-version“ hinzu: eine anderthalbstündige Suite, die von der großen Mehrheit der 350 Besucher in Iffeldorfs Gemeindezentrum mit langem, begeistertem Applaus und Jubelrufen gefeiert wurde.

König, bekannt für seine gefühlvollen Jazz-Adaptionen großer Klassik – die 2016 in die Uraufführung des „Weihnachtsoratorium in Jazz“ in Iffeldorf gipfelten – fällt bei den „Bilder einer Ausstellung“ mit der Tür ins Haus: Ohne Umwege mündet das bekannte Promenaden-Thema zum Auftakt in ein Jazzgewitter samt satter Soli – und Königs Quartett kommt gleich in Fahrt. Doch was folgt, ist kein Exzess und auch kein Alibi zur Demonstration technischer Virtuosität. Der Leipziger Komponist, der selbst am Flügel sitzt, hat ein respektvolles, in sich stimmiges, in aller Vielfalt homogenes Werk geschaffen.

Da kommt jede Note aus Mussorgskis Original-Klaviersatz vor, und zugleich schenkt König den bekannten Bilden frische Farbe und eine ganz neue Betrachtungsweise. Er führt zum „alten Schloss“, auf den „Marktplatz in Limoges“, in die „Katakomben“, ganz wie die eh schon bilderreiche Vorlage. Aber an seinem Weg liegen offenbar ein Rockschuppen, eine coole Lounge, ein verrauchter Jazzkeller... Reiko Brockelt wechselt virtuos zwischen Saxofon, Querflöte und Klarinette, Thomas Stahr zwischen Kontrabass und E-Bass, Streichen und Zupfen. Schlagzeuger Wieland Götze hat am klassischen Schlagwerk ebenso viel Spaß wie am flippigen Jazzsolo, und König selbst fegt wie ein Derwisch über die Tasten, um im nächsten Moment ruhige und allerfeinste Klangteppiche zu bereiten.

So sind sie ein ganz neues Erlebnis, diese alten Bilder – und pure Freude. Schon vor der Pause Bravo-Rufe aus dem Publikum, am Ende Riesenjubel und ein Bild nochmal als Zugabe. Ein außergewöhnlicher Abend, der vom Veranstalter etwas Mut verlangte. Und der hat sich gelohnt.

Nächstes „Meisterkonzert“

am Samstag, 8. Juli, 19 Uhr: Barockmusik mit „L’Accademia Giocosa“. Info/Karten: 08856/3695.

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