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Klassik-Stars gastierten zum Saisonstart in Iffeldorf: Geigerin Isabelle Faust und Pianist Alexander Melnikov. 

„iffeldorfer meisterkonzerte“  

Glasklar und doch geheimnisvoll

Für das erste „Meisterkonzert“ des Jahres hatten die Iffeldorfer Veranstalter zwei hochkarätige Musiker gewonnen: Isabelle Faust und Alexander Melnikov. Die Geigerin und der Pianist boten am Samstagabend ein Programm, das Aufmerksamkeit auf beiden Seiten der Bühne verlangte.

Iffeldorf –  Im Mittelpunkt standen die drei Sonaten für Klavier und Violine von Johannes Brahms, über die Geigerin Anne-Sophie Mutter einmal sagte, die Musik von Brahms erscheine ihr hier „als perfekt geeignet für die Violine, weil sie ihren gesanglichen Qualitäten gerecht wird.“

Den Anfang machte allerdings ein anderes, wenig gespieltes Werk: die sogenannte „F.A.E. Sonate“, deren vier Sätze unterschiedliche Väter haben. Die Komponisten Albert Dietrich, Robert Schumann und der damals 20-jährige Johannes Brahms schrieben das Werk 1853 für ihren Freund, den Geiger Joseph Joachim, der als einer der bekanntesten Musiker des 19 Jahrhunderts gilt. Joachim spielte im Laufe seiner Karriere verschiedene meisterhafte Instrumente, die oft aus der legendären Werkstatt Stradivari stammten. Deren Geigen werden besonders sangliche Qualitäten nachgesagt, was diesmal auch die Zuhörer in Iffeldorf beurteilen konnten. Denn auch Isabelle Faust spielt seit vielen Jahren auf einer Stradivari. Die 1704 gebaute Geige wird „Dornröschen“ genannt, weil rund 150 Jahre lang niemand darauf gespielt hatte. Der intensive, strahlende und in den leisen Momenten glasklare Ton begeisterte das Publikum. Aber es war vor allem auch die differenzierte Spielweise, hörbar beispielsweise am fein ausgewogenen Vibrato, mit der die Musikerin restlos überzeugte.

Mit dem russischen Pianisten Alexander Melnikov verbindet Faust eine lange Zusammenarbeit. Traumhaft sicher, dabei aber nie nachlässig, gestalteten sie die Sonaten als gleichberechtigte Partner. Themen wanderten wie in einem Gespräch von einem Instrument zum anderen. Melnikov war dabei immer entschieden in seinen Aussagen. Stand die Violine im Vordergrund, nahm er sich ganz zurück, manchmal waren die leichten, eleganten Arpeggien kaum hörbar und doch abwechslungsreich. An einigen Stellen ließ Brahms im Klavierpart ein beinahe impressionistisches Farbenspiel aufblitzen, das Melnikov perfekt zur Geltung brachte. Dabei hatten die Musiker keinerlei Schwierigkeiten, ihr differenziertes und nuanciertes Spiel bis in die letzte Reihe hörbar zu machen.

Der Regenlied-Sonate, in die Brahms eine eigene Liedmelodie eingeflochten hat, folgte die Sonate in A-Dur, die im Ganzen heiterer ist. Ideales Finale mit ihrem stürmischen Schlusssatz war die Sonate in d-Moll. Zuvor allerdings, im zweiten, langsamen Satz, gab es noch einmal ein Innehalten. Dabei beeindruckten Faust und Melnikov mit Ruhe und voller Gefühl für den Augenblick, ehe sie mit gespannter Unruhe in den dritten Satz und schließlich ins „Presto agitato“ übergingen. Vom Publikum im vollbesetzen Gemeindezentrum gab es langanhaltenden Applaus für die beeindruckende Leistung. Und auch die Musiker schienen glücklich zu sein über das konzentrierte, wache Publikum in Iffeldorf. Zwei „Mythen“ (1915) des polnischen Komponisten Karol Szymanowski ließen als Zugaben noch einmal den vielseitigen, geheimnisvollen Ton der Instrumente hören.

Nächster Termin

der „Iffeldorfer Meisterkonzerte“: Sopranistin Susanne Bernhard und Pianistin Anna Gourari mit Werken von Richard Strauss und Brahms – Samstag, 1. April, 19 Uhr, Gemeindezentrum. Info: 08856/3695.

Heribert Riesenhuber

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