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Ein Badeplatz am Fohnsee in Iffeldorf.

Iffeldorf

Aus Instinkt zum Lebensretter geworden

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Penzberg - Josef Graßl aus Penzberg hat am Fohnsee einen bewusstlosen 75-Jährigen gerettet. Es passierte alles instinktiv.

Ein älterer Mann, der kopfüber im Wasser treibt, regungslos und mit bläulich verfärbter Haut. „Taucht er da?“, war der erste Gedanke, der dem Penzberger Josef Graßl durch den Kopf schoss, als er am Freitagnachmittag im Fohnsee bei Iffeldorf seine Runden schwamm und den Körper entdeckte. Graßl und seine Frau Anne kommen oft an den Fleck am Campingplatz, um zu baden.

Aber der Mann im Wasser hatte weder Taucherbrille noch Schnorchel und lag verdächtig tief und lang im Wasser. „In meinen Augen war er tot“, sagt Graßl. Das war sein zweiter Gedanke. Dann ging alles ganz schnell. Einen „Instinkt“ nennt der 66-Jährige, dass er den Körper packte. Er schrie so laut, dass man ihn bis zum Campingplatz hörte, zog den Bewusstlosen etwa acht Meter, bis er stehen konnte. Ein 16-Jähriger Kraillinger und sein Freund, die in einem Schlauchboot saßen, hörten Graßl und sprangen sofort ins Wasser. Sie halfen, den bewusstlosen 75-Jährigen an Land zu bringen. Zu erschöpft, um selbst zu reanimieren, gab Graßl den Buben Anweisungen, wie sie das Handgerät zur Reanimierung, das eine Frau vom Campingplatz gebracht hatte, bedienen sollten. Er kennt sich aus, war beim Werkschutz bei „Roche“ aktiv. Den Einsatz eines Defibrillators hat er dort schon erlebt. Anne Graßl hatte inzwischen einen Notruf abgesetzt. Die zehn Minuten, bis der Rettungsdienst kam, fühlten sich an wie eine Ewigkeit. Noch ehe die Einsatzkräfte da waren, fing der 75-Jährige zu röcheln an, der Puls kam wieder. Bewusstlos war er noch immer.

Der Mann wäre ins Schilf abgetrieben und dort hätte ihn niemand gefunden

Die Bilder vom Freitag bleiben Anne und Josef Graßl wohl noch eine Zeit im Kopf. Gerade nachts sei es ein Problem, sagt sie. „Es ist so schnell gegangen“, sagt er und fügt hinzu: „Ich habe damit abgeschlossen, das ist jetzt passiert.“ Seine Hoffnung ist, dass der Mann überlebt und keine Schäden zurückbleiben. Der Zustand des Geretteten ist laut Polizei stabil. Der 75-Jährige wäre gestorben, hätte Graßl ihn nicht entdeckt. Denn nur er und die Jugendlichen im Schlauchboot waren in unmittelbarer Nähe. Die Strömung hätte den Mann ins Schilf getrieben. Warum und wie der Badeunfall geschah, darüber kann das Ehepaar nur spekulieren. Junge Leute sahen, wie der 75-Jährige mit dem Rad an den See fuhr und es dort abstellte. Geldbörse, Ausweis oder andere Papiere trug er nicht bei sich. Er könnte aus Iffeldorf stammen, vermutet Graßl. Ein Indiz dafür, dass der 75-Jährige wohl im Wasser bewusstlos wurde und unterging, sei, dass er bei der Reanimation kein Wasser spuckte, so Graßl. Ursache könnte ein Zuckersturz sein, die Rettungskräfte maßen einen extrem niedrigen Zuckerwert.

Am Sonntag und Montag war das Ehepaar Graßl wieder schwimmen im Fohnsee, wenn auch mit mulmigem Gefühl. Wären die Jugendlichen ihrem Mann nicht zur Hilfe gekommen, hätte Anne Graßl es getan. „Für mich gibt es da keine Überlegung“, sagt sie. Wie stark das Wegschauen in der Gesellschaft ausgeprägt ist, bemerkte sie vor einigen Jahren: Bei einem Autounfall bei Kochel rettete sie einen Mann – von unzähligen vorbeifahrenden Autos sei exakt eines stehen geblieben, um ihr zu helfen. Sie selbst aber würde in jedem Fall wieder ein Leben retten.

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