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Vor Attentat von Hanau: Tobias R. bedrohte Prostituierte - doch Polizei interessierte wohl nur, ob sie legal arbeitet

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Von: Gregor Haschnik, Franziska Seliger

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Drei Menschen stehen vor einem mit Blumen, Fotos und Kerzen geschmückten Denkmal.
Nach dem Anschlag von Hanau bringen Menschen am Denkmal der Brüder Grimm ihre Trauer zum Ausdruck. Der Attentäter Tobias R. soll sich rund ein Jahr zuvor in Iffeldorf aufgehalten haben und dort eine Escortdame bedroht haben. © Frank Rumpenhorst/dpa

Am 19. Februar 2020 ermordete der Hanauer Tobias R. aus rassistischen Motiven mehrere Menschen. Wie nun öffentlich wurde, war eine Escortdame bereits 2018 bei Iffeldorf von R. bedroht worden.

Hanau/Iffeldorf – Als der Attentäter aus dem hessischen Hanau 2018 einer Escortdame in einer Ferienwohnung in Bayern Todesangst bereitete, soll die zuständige Polizei ihren Hinweisen nicht richtig nachgegangen sein. Die Ferienwohnung soll bei Iffeldorf gelegen haben, wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) schreibt. Auch der Umgang mit der Frau wirft Fragen auf, wie aus Ermittlungsakten, die die Frankfurter Rundschau ausgewertet hat, hervorgeht.

Demnach kritisierte die Frau in einer Vernehmung durch das Bundeskriminalamt (BKA) im September 2021, einer der damals verständigten Polizeibeamten habe sinngemäß gesagt: „Ja, sollen wir denn das ganze Haus nach Waffen absuchen“ – nachdem sie von der Bedrohung sowie einem Gewehr und einem Messer, die der spätere Terrorist ihr gezeigt haben soll, berichtet habe.

Attentäter von Hanau: Prostituierte hatte den Eindruck, dass die Polizei ihr nicht glaubt

Insgesamt sei es vor allem darum gegangen, ob sie rechtmäßig der Prostitution nachgehe, und kaum um ihre Schilderungen. Zudem sei mehrfach erwähnt worden, dass bestimmte sexuelle Vorlieben nicht verboten seien. Sie habe den Eindruck gehabt, dass ihr niemand glaube, so die Zeugin.

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Der Vorfall bei Iffeldorf ist bereits im April im Untersuchungsausschuss des hessischen Landtags öffentlich geworden. Der Ausschuss soll klären, welche Fehler hessische Behörden gemacht haben. Damals sagte ein BKA-Hauptkommissar aus, der Attentäter soll der Sexarbeiterin Bondage- und SM-Utensilien sowie ein Drehbuch präsentiert haben, an dessen Ende eine Frau tot war. Sie bat einen Bekannten daraufhin per Handy, die Polizei zu alarmieren. Diese sorgte dafür, dass die Frau gehen konnte, fand aber lediglich einen Jointrest des Hanauers. Gegen ihn wurde danach nur wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz ermittelt, nicht wegen Bedrohung.

Späterer Attentäter von Hanau bedroht Prostituierte: Hilferuf von der Toilette aus

Die Unterlagen offenbaren weitere Einzelheiten. Der Mann soll sich in jener Nacht nicht wie ein Nazi verhalten, sich aber flüchtlingsfeindlich geäußert haben. Laut der Frau sei er der Meinung gewesen, man solle ein sinkendes Boot sinken lassen, dürfe niemanden aufnehmen. Das Messer und die Waffe wären für die Jagd, habe er behauptet. Die von ihm ausgebreiteten Sexspielzeuge hätten nach enormer Gewaltanwendung ausgesehen. Aus Angst, erwischt zu werden, habe die Frau von der Toilette aus ihrem Bekannten geschrieben.

Tobias R. habe eine Kamera eingeschaltet und sie aufgefordert zu tanzen, als wäre es das letzte Mal. Dabei habe er sich auf einen Horrorfilm bezogen, bei dem am Ende eine Frauenleiche gefunden wird.

Prostituierte berichtet über späteren Attentäter von Hanau: Er sei wie ein Psychopath gewesen

Er sei wie ein Psychopath gewesen, habe gesagt, dass es nicht schlimm wäre, wenn sie irgendwann einmal vermisst werden würde. Er wäre dann weg. Sie habe Panik und Todesangst gehabt. Kurz darauf kam die Polizei.

Später wurde die Frau wegen Prostitution in einem Sperrgebiet angezeigt. Die Frau äußerte damals die Vermutung, dass es Tobias R. war, der sie anzeigte. Das Verfahren wurde schließlich eingestellt, doch sie musste für die Anwaltskosten aufkommen.

Späterer Attentäter von Hanau verbrannte wohl Beweismaterial nach Treffen mit Prostituierter

Wie die SZ in ihrer Donnerstagsausgabe berichtete, soll es am 8. August 2018 in einem Wald östlich von München gebrannt haben – einen Tag vor der Anzeige gegen die Escortdame. Die alarmierten Beamten fanden am Brandort einen Stapel verkohlter Pornohefte. In der Nähe parkte ein Auto, als dessen Halter Tobias R. identifiziert werden konnte. Denkbar, dass er die Beweise für seine sexuellen Vorlieben beseitigen wollte, bevor er die Frau anzeigte.

Das zuständige Polizeipräsidium Oberbayern Süd gab auf Anfrage der Frankfurter Rundschau Ende April keine Stellungnahme zu dem Vorfall bei Iffeldorf ab. Die Ermittlungen seien abgeschlossen, die Akten lägen bei der Staatsanwaltschaft München. Diese kündigte an, die Unterlagen herauszusuchen und sich demnächst zu äußern.

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