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Franz Schesser mit dem Kulturpreis, der Iffeldorfer Bürgermeister Hubert Kroiß applaudiert.

Kulturpreis für einen "waschechten Iffeldorfer"

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Iffeldorf - „Mit Musik kann man viel Freude bereiten“, sagt Franz Schesser. Der Musiklehrer, Zitherspieler und Regisseur erhielt in Iffeldorf den Kulturpreis.

"Seine Leidenschaft war von frühester Kindheit die Musik“, sagte der Iffeldorfer Bürgermeister Hubert Kroiß beim Festakt im neuen Bürgersaal. Vor allem die Volksmusik lag und liege ihm am Herzen. Passend dazu trat der „Klosterdorfer Zwoagsang“ aus Bernried auf, den Schesser einst ins Leben gerufen hatte – an der Zither vertrat ihn seine Schülerin Dr. Christine Michel.

Der ehemalige Zitherlehrer der Penzberger Musikschule hatte 1989 auch das Konzertensemble „Musica Burana“ gegründet. Und auf ihn geht die Iffeldorfer Laienspielergruppe zurück. Schesser, der bis zu seiner Rente als Raumausstatter arbeitete, ist nach Egbert Greven der zweite Iffeldorfer Kulturpreisträger.

Franz Schesser selbst erzählte beim Festakt einige Anekdoten. Zum Beispiel, dass Korbinian Kroiß, der Vater des Bürgermeisters, im Oktober 1974 in seiner Werkstatt aufgetaucht sei, mit der Aufforderung: „Du kannst doch eine Theatergruppe aufbauen, der Albert ist auch dafür.“ Gemeint war Albert Strauß, der damalige Bürgermeister. Schesser antwortete, dann müsste die Gemeinde aber erst eine Bühne bauen. So kam es tatsächlich. „Der Korbinian war sehr konsequent.“ Im Sommer 1976 startete die Theatergruppe, bei der Schesser („Es hat viel Freude gemacht“) 30 Jahre lang Regisseur blieb. Er erzählte auch davon, wie er die Schauspieler zum Üben bringen wollte: „Ich hab’ ihnen gesagt, wer seine Rolle nicht auswendig kann, bringt ein Tragl Bier mit. Bei der nächsten Probe sind Fünf mit einem Tragl Bier gekommen.“

Seine größere Leidenschaft ist aber die Musik. Mit neun Jahren habe er Zitherspielen lernen wollen. Und mit 13 habe er Orgelspielen lernen müssen, erzählte er – der damalige Pfarrer Heinrich Detzel hatte ihn quasi dazu verdonnert.

Ab 1980 unterrichtete der Iffeldorfer an der Penzberger Musikschule. „Eine herrliche Zeit“, wie er sagte. Eine seiner Schülerinnen war einst Pia Horn, die – ebenfalls passend – den Festakt mit Heinz Hennen, Johannes Meyer und Günther Pfannkuch, alles frühere Musikschul-Kollegen, umrahmte.

Welche Freude man mit Musik bereiten kann, erzählte Schesser auch. Erfahren hat er das im Deutschen Herzzentrum in München. Oder 2012, als er mit Heinz Hennen im Altenheim „Steigenberger Hof“ spielte. Eine alte Frau, mehr tot als lebendig, blass und regungslos, habe sich plötzlich bewegt, die Augen geöffnet und sogar wieder sitzen können. „Sie hat noch ein Jahr gelebt.“

Bürgermeister Kroiß hatte zuvor den künstlerischen Lebensweg skizziert. Der waschechte Iffeldorfer („Es war eine Hausgeburt“) wirkte 30 Jahre lang als Organist und Chorleiter in der Iffeldorfer Kirche, ebenso beim „Huosigau Viergesang“ und bei den „Bacher Sängerinnen“, er war Volksmusikberater im Loisachgau, gründete den Volksmusikspielkreis der Penzberger Musikschule und erhielt als Mitglied der „Dietlhofer Sänger“ bereits den Weilheimer Kulturpreis. Für seine Verdienste um die Volksmusik wurde Schesser auch von der Hanns-Seidel-Stiftung, vom Bezirk und – mit der silbernen Verdienstmedaille – von der Gemeinde Iffeldorf ausgezeichnet.

„Ich hoffe“, sagte Schesser am Ende des Festakts, „wir können noch länger zusammen musizieren.“ Und mit Blick auf seine Gattin Regina fügte er an, das alles könne man nur machen, „wenn man das Glück hat, so eine Ehefrau zu haben".

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