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Profis und begeisterte Laien sorgten für ein gelungenes musikalisches Experiment.

Iffeldorf

Frohlocken bei Beats und Jubelchören

Iffeldorf - Die Uraufführung des "Weihnachtsoratorium in Jazz" war am Wochenende ein voller Erfolg.

Die Idee, Bach und Jazz zur Symbiose zu führen, ist weder neu noch ungewöhnlich. Wo sich der eingefleischte Barockpurist mit Grausen wendet, da wippt die überwiegende Hörerzahl mit Begeisterung. So auch im ausverkauften Gemeindezentrum in Iffeldorf. Der Chor des dortigen Klangkunst-Vereins hatte eine Auftragskomposition in die Hände des Leipziger Komponisten, Jazzers, Pianisten und Dirigenten Stephan König gelegt. Und zwar nichts Geringeres als Bachs "Weihnachtsoratorium", mit der Bitte, Tradition und Gegenwart anzunähern.

König löste diese Aufgabe, gemeinsam mit seinem eigenen Jazzquartett, mit geschmeidiger Bravour. Kein Jazzmeeting solle die Uraufführung des "Weihnachtsoratorium in Jazz" werden, sondern die Erzählung der Weihnachtsgeschichte zur Ehre Gottes, betonte Andrea Fessmann, die die Gesamtleitung übernommen hatte - und mit ihren Musikern am Samstagabend und Sonntagvormittag im jeweils ausverkauften Gemeindezentrum minutenlange stehende Ovationen erntete.

Zum Auftakt steht das gewohnte Chor-Frohlocken im Vordergrund, nur der großartige E-Bass von Thomas Stahr mischt sich ein. Mit fetzigem Saxophon (Reiko Brockelt), Stephan Königs „Flügelschlägen“ und coolem Tremolo der Drums (Wieland Götze) gibt es den ersten Vorgeschmack auf den fulminanten Abend.

Als vielversprechende Entdeckung tastet sich die junge Jazzsängerin Anna Holzhauser gefühlvoll mit ihrer Interpretation nicht nur aufs Terrain der herrlichen Altarie „Bereite dich Zion“, sondern buchstäblich unter die Haut. Einen ganz besonderen Moment an Eindringlichkeit schenkt Sopranistin Barbara Fleckenstein, die zum leisen Summen und Raunen des riesigen Chores vollkommen zart und zurückgenommen die Frage „Wie soll ich dich empfangen?“ in den Raum stellt. Einspringer Maximilian Höcherl groovt noch etwas zurückhaltend sein „Großer Herr und starker König“, wird aber im Laufe des Abends mehr Lockerheit und Substanz zeigen. Jugendlich klar und plastisch in der Deklamation präsentiert sich Evangelist Martin Petzold. Das voluminöse Chorensemble folgt Fessmanns Akzentuierungen präzise, ist stets präsent.

Mit visionären, fast zu süßlichen Klängen begleitet das Jazzquartett den Aufgang „Brich an, o schönes Morgenlicht“. Ganz soft gleiten die Übergänge der Verkündigungsszene ins Ohr. „Tschack-tschack, her mit dem Beat“ heißt dann aber flugs das Motto für „Ehre sei Gott“. Der rhythmische Sprechgesang scheint dem Chor Vergnügen zu bereiten, bevor sich der bekannte Bach’sche Jubel wieder seinen Weg bahnt. Mit dem "Barockorchester Iffeldorf", das an Intonation und Zusammenspiel keine Wünsche offenlässt, gelingen die raffiniert gemachten rhythmischen Übergänge zwischen pulsierendem Swing und barockem Glanz sehr geschickt.

Auch im zweiten Teil sind die Wege vom „Kyrieleis“ zum Barjazz-Schwoof nur kurz, träumerische Klavierwölkchen begleiten statt trockener Rezitativakkorde. Im kontrastreichen Gegensatz stehen satter wiegender Sound, Sprechgesang und Koloraturen der Trompeten. Bodypercussion, Händereiben, energisches Gruppenstampfen, Schnipsen, gar Vor-die-Brust-Klopfen kommen zum Einsatz.

Donnernder Applaus und großer Jubel für ein gelungenes Experiment, das zeigt, wie viel Kräfte mit Engagement und Elan im Zusammenwirken von begeisterten Laien und Profis frei werden können.

Dorothe Fleege

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