Auf Gut Aiderbichl: Attila, das Polizeipferd (l.); hier mit seinem Koppel-Kumpel Freddy.
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Auf Gut Aiderbichl: Attila, das Polizeipferd (l.); hier mit seinem Koppel-Kumpel Freddy.

Gnadenhof bei Iffeldorf

Zwei besondere Neulinge auf Gut Aiderbichl bei Iffeldorf - Polizeipferd Attila und Rind Benni

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Schon der Lockdown im vergangenen Frühjahr hat Gut Aiderbichl in Iffeldorf wirtschaftlich arg zugesetzt. Anfang Dezember musste der Gnadenhof dann erneut schließen. Damit fehlen wichtige Einnahmen zur Versorgung der Tiere. Darunter sind seit kurzem auch zwei Vierbeiner mit ganz besonderen Lebensgeschichten.

Iffeldorf – Wer ihn heute auf Gut Aiderbichl in Iffeldorf über seinen Auslauf springen sieht, kann gar nicht glauben, dass der heute knapp zweijährige Benni mal ein kleines, schwächliches Kalb war, das wegen seiner zu geringen Größe schon wenige Tage nach seiner Geburt in einem oberbayerischen Stall geschlachtet werden sollte.

„Rettung in letzter Sekunde“, erzählt Gnadenhof-Mitarbeiterin Dagmar Krönauer, war für das Rind damals eine junge Frau: Kaja Schulze aus Berg am Starnberger See erfuhr von Bennis Schicksal. Sie kaufte das Rind dem Landwirt kurzerhand ab, brachte es in einem artgerechten Stall unter und zog es erfolgreich mit der Flasche auf, so Krönauer. „Benni wurde kräftiger und kräftiger und bereitete Kaja und ihrer Familie viel Freude“, so Krönauer.

Gut Aiderbichl: Neues Zuhause für das knapp zweijährige Rind Benni

Doch dann kam die Pandemie. Kaja Schulze habe ihren Job verloren, musste umziehen, und konnte sich auch den Unterhalt für ihren Benni dauerhaft nicht mehr leisten. Daher habe sie nach einem neuen Zuhause für ihn gesucht, wo er sein Leben lang würde bleiben können. „Das wichtigste war ihr, dass Benni dort Freunde und Menschenbezug hatte und ein artgerechtes Leben führen konnte“, so Krönauer. Nach langer Suche durfte Benni schließlich auf dem Iffeldorfer Gnadenhof einziehen. Seine Ziehmama, deren Unterarm ein Tattoo mit Bennis Gesicht ziert, habe ihn natürlich persönlich in seinen neuen Stall gebracht. „Und wenn es nach Corona wieder möglich ist, wird sie ihn natürlich so oft wie möglich besuchen, da er Kuscheleinheiten über alles liebt“, so Krönauer.

Der Wallach Attila: 15 Dienst bei der Reiterstaffel der Münchner Polizei

Erst kürzlich neu eingezogen in seine Box auf dem Iffeldorfer Gnadenhof ist auch der Wallach Attila. Nach 15 Jahren im Dienst bei der Reiterstaffel der Münchner Polizei in Riem wurde das bayerische Warmblut Ende vergangenen Jahres wegen einer chronischen Lahmheit durch eine Sehnenerkrankung in seinen wohlverdienten Ruhestand geschickt. Während seiner Dienstjahre habe den 19-jährigen Wallach nichts aus der Ruhe bringen können, erzählt Krönauer: keine Stinkbomben, keine Böller, kein Fußballspiel und kein Wiesn-Einzug.

Gut Aiderbichl bei Iffeldorf leidet weiterhin unter Schließung

Nun genieße Attila seinen Ruhestand auf den Wiesen und Paddocks des Gnadenhofs. Und einen Freund habe er hier auch schon gefunden: den Wallach Freddy, ebenfalls ein ehemaliges Polizeipferd aus München, das bereits seit einiger Zeit auf dem Gut lebt. Besuchen kann man Benni und Attila derzeit nicht. Der Gnadenhof ist wegen der Beschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie bereits seit etwa Anfang Dezember geschlossen, so Krönauer. Eine Perspektive für eine baldige Öffnung gebe es für die Anlage in Iffeldorf derzeit noch keine. Der Gnadenhof im österreichischen Salzburg sei dagegen wieder geöffnet. Schon im vergangenen Frühjahr hatte die Iffeldorfer Anlage coronabedingt für viele Wochen schließen müssen. Damals ließ die Gut Aiderbichl Stiftung Deutschland unter anderem an Penzberger Haushalte Postwurfsendungen mit eindringlichen Spendenappellen verteilen. Durch den Wegfall der Einnahmen sei die Lage für die Aiderbichl-Höfe „dramatisch“, war zu lesen (wir berichteten).

Auf Nachfrage betont Krönauer zwar, dass durch den Wegfall von Eintrittsgeldern dringend Spenden benötigt würden, denn jeden Tag brauche man rund 38 000 Euro zur Versorgung der Tiere auf allen insgesamt 80 Höfen in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Eine Schließung drohe der Anlage an den Osterseen aber keine.

Unterstützung

Wer den Gnadenhof mit einer Spende oder einer symbolischen Patenschaft unterstützen möchte, kann sich unter www.gut-aiderbichl.com informieren oder telefonisch unter der Nummer 0800/5676373.

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