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Impfstoff wird wieder knapp

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Corona-Impfung
Es soll längst nicht so viel Biontech-Impfstoff geliefert werden, wie bestellt wurde. © Kay Nietfeld/dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sorgt während seiner letzten Tage im Amt noch einmal für Aufregung, indem er die Liefermenge für den begehrten Biontech-Impfstoff deckeln möchte. Im Impfzentrum in Peißenberg beobachtet man die Entwicklung mit Sorge.

Peißenberg – Es ist kein Geheimnis: Wenn die Impfwilligen die Wahl haben, entscheiden sich die meisten für den Impfstoff von Biontech-Pfizer. Alle, die jünger als 30 Jahre sind, dürfen seit ein paar Wochen sogar ausschließlich mit diesem Vakzin geimpft werden.

Nun kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine Deckelung der Bestellmengen für diesen Impfstoff an. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die Impfkampagne dank Booster- und zahlreicher Erstimpfungen wieder kräftig an Fahrt aufnimmt.

Der Grund: Fast 90 Prozent der derzeitigen Impfstoffbestellungen bundesweit entfallen auf Biontech-Pfizer. Dabei stapeln sich in den Lagern die Bestände des „Moderna“-Impfstoff, drohen Mitte des ersten Quartals zu verfallen.

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Der Leiter des Impfzentrums in Peißenberg, Christian Achmüller, beobachtet die aktuelle Entwicklung mit einiger Sorge. „Ich hatte schon Mitte vergangener Woche so ein Grummeln im Bauch, dass wir wieder in eine Impfstoffknappheit laufen. Diese hat sich jetzt bestätigt“, sagte er im Gespräch mit der Heimatzeitung.

Er habe von der Apotheke, die das Impfzentrum beliefert, noch keine Rückmeldung erhalten, um wie viel die Biontech-Bestellungen gekürzt würden, sagte er am Montagabend. Bestellt seien 3000 Dosen, die Gerüchte schießen ins Kraut. Da sei von maximal 1000, sogar von nur 500 Dosen die Rede.

Sicher, „Moderna“ sei in ausreichendem Maße vorrätig. Aber diesen Impfstoff „kennt keiner, weil er bislang fast ausschließlich in den Impfzentren verabreicht wurde“, so Achmüller. Dabei sei das ein „Geheimtipp, den keiner kennt“. Ebenfalls ein mRNA-Impfstoff wie Biontech, gut verträglich und mit guten Schutzeigenschaften. Allerdings setzten die meisten dennoch ausschließlich auf Biontech. Auch die Praxen der niedergelassenen Ärzte.

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Denn die Phiolen, in denen Biontech geliefert wird, seien kleiner als die von Moderna. Aus einem Biotech-Fläschchen lassen sich sechs Impfdosen ziehen, aus einer Flasche „Moderna“ zehn Dosen. Das bedeutet, dass die Arztpraxen ihre Termine nur in Zehnerschritten vergeben können, damit kein Impfstoff verdirbt. Für Achmüller ist die Fixierung auf den Biontech-Impfstoff bei gleichzeitiger Deckelung der Liefermenge ein Problem. Denn der Bedarf an Impfungen ist derzeit wieder riesig. Wer sich jetzt um einen Termin im Impfzentrum bemüht, muss in der Regel bis Mitte Januar warten – Tendenz schnell steigend.

Eine Apothekerin beklagte sich deswegen über die Arbeit des Impfzentrums. Es könne nicht angehen, dass dort nur zwei Impfzimmer in Betrieb seien, sagte sie. „Das stimmt so nicht“, entgegnet Achmüller. Vergangene Woche seien in der Regel drei Impfzimmer in Betrieb gewesen, dazu kämen noch die mobilen Teams, die im Einsatz sind.

„Wir können aber auch nur den Impfstoff verimpfen, der geliefert wird – das ist derzeit das limitierende Element“, so Achmüller. Am Samstagabend, als das Impfzentrum schloss, waren gerade einmal noch zwölf Biontech-Dosen übrig. Es bringe schlichtweg nichts, weitere Impfzimmer zu besetzen, wenn nicht genügend Impfstoff da sei.

Und wenn die Apotheker den schleppenden Verlauf der Impfkampagne beklagen, „dann sollten sie sich vielleicht mal mit dem seit Wochen diskutierten Vorschlag beschäftigen, dass auch sie sich an der Impfkampagne beteiligen“, so der Leiter des Peißenberger Impfzentrums. weiter gegenüber der Heimatzeitung.

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